Mit diesem mal werde ich noch 2 mal Gelegenheit haben, mich auf meinen ersten Marathon vorzubereiten. In genau drei Wochen steht der Barcelona-Marathon an und dann wird es ernst.
Und wie herrlich: Petrus segnet an diesem Samstag unser schönes Hamburg mit Kaiserwetter.
Ich komme von meinem (bisschen mehr als) 3-Stunden-Ritt zurück, glücklich, ausgepowert und zufrieden. Wie eigentlich an fast jedem Wochenende seit 4 Monaten. Ich beende meinen dritten 3Quarterthon (Dreiviertel der Marathondistanz) und beschaue mir die Werte.
Nicht übel: Wieder mit 3:03 Stunden eine 6:30er-Pace, mit der ich sehr gut leben kann. Vorher beschaue ich mir vor allem meine Mitstreiterinnen - ohne dass das jetzt chauvinistisch rüberkommen soll - aber mein lieber Scholli, das ist der wunderbare Bonus dieses Sportes.
Wohl geformte, durchtrainierte Damenpopos allenthalben. Da lasse ich mich doch gern überholen. Diese Ausblicke und die neue Doppel-CD von Dave Seaman in meinen Ohren motivieren umso mehr.
Und Motivation brauche ich, denn ich laufe eher ungern: Für mich ist der Marathon nur ein Winter-Intermezzo und Wintertrainung unter Umgehung des Langweiligen Indoor-Rollentrainings auf dem Rennrad.
Nachdem ich im Winter 10 Wochen lang an jedem Wochenende einen Halbmarathon gelaufen und vor 3 Wochen auf die Dreivierteldistanz geswitched habe, fühle ich mich nun ganz gut vorbereitet. Das Training scheint zu fruchten: Frühlingsgefühle und milde Temperaturen tun ihr übriges.
Auch wenn die Ausblicke noch so verlockend sind: Wieder richtig bewusst werden mir die Strapazen meines Marathon-Abenteuers , wenn ich mir meine Problemstellen besehe.
Das rechte Knie scheint eine Schwachstelle zu sein, obschon es heute weniger muckert, als noch vor 2 Wochen. Beim letzten 28 km-Lauf hat es arge Probleme bereitet. Meine Strecke beinhaltet auf dem Weg an die Außenalster 7 Ampeln. Nicht immer sind die auf Grün: Dann hier anzuhalten, vor allem auf dem Rückweg, bereitet Höllenschmerzen.
Also: Nicht mehr anhalten!
Auch deshalb setze ich nun auch zwei Wochen Pause an, bevor ich wieder den nächsten 3Quarterthon angehe. Das Wochenende in der Mitte will ich zum Rennradfahren nutzen.
Der Switch auf die lange Distanz vor 3 Wochen brachte noch einen weiteren Trainingseffekt: Da ich nun 3 Runden um die Außenalster laufen muss, laufe ich diese am Stück. Ohne anzuhalten, ohne Ampeln: 3 mal Außenalster, das ist ein Halbmarathon.
Den laufe ich also schonmal durch.
Die erste Alsterrunde ist kein Probem. Ich finde, auch Dank der Musik, schnell den richtigen Laufrhythmus. Ich genieße die Aussichten. Beschaue mir die Leute - werde beschaut. Atme gut, durch die Nase ein, durch den Mund wieder nach draußen.
Die zweite Alsterrund macht bis zur Hälfte - Brücke Fernsicht - Spaß, dann beginnen die ersten Zipperlein. Mit einem Powergel motiviere ich vor allem meinen Kopf. Es ist die Einstellung, die einen den Marathon meistern lässt.
Die dritte Runde ist Zahnfleisch. Vor allem der Weg zurück zur Kennedybrücke ist, wenn der Gegenwind hart bläst, sehr hart. Auch hier muss ich mich, Fernsicht erreichend, mit dem zweiten Powergel motivieren. Schicke meine Gedanken auf Reise, weit weg aus diesem schmerzenden körper, weg an einen anderen Ort. Hauptsache dorthin, wo es nicht weh tut.
"Gesund st das nicht!", denke ich mir.
Aber dann baue ich mich wieder auf.
Tja. Und so liege ich heute nach weiteren 27,5 Kilometern und knapp 3 Stunden (diesmal ohne Knieschmerzen) in der heißen Wanne, bin stolz auf mich und freue mich, dass meine Leistungen konstant sind, ich immer sicherer werde und vor allem, ich gelernt habe, wie ich die Zeit beim Laufen totschlagen, mich beschäftigen und mich immer wieder erfolgreich motivieren kann.
Barcelona kann kommen.
Obwohl: So richtig klar ist mir das alles noch nicht.
Muss es aber vielleicht auch gar nicht.
In 2 Wochen werde ich es wissen.
Augen zu.
Und durch!
Hier geht es zum Garmin-Track.
4. März 2012
2. März 2012
Qualitätsmängel am Cervelo S5?
Update Januar 2013 - Also, in Anbetracht dessen, dass das hier anscheinend in Google.de mein wichtigster Blogpost zum Thema Cervelo S5 ist, möchte ich noch gern darauf hinweisen, dass ich mittlerweile selbst ein S5 besitze: Hier der Post dazu.
Zudem durfte ich beim 24-Stunden-Rennen "Rad am Ring" 2012 das S5 Team ausgiebig testen und ... war begeistert!
"Nein, das kann doch nicht sein, oder?!?", entfährt es mir spontan, als mich ein Leser hier im Blog in einem Comment auf ein Video vom Dezember 2011 aufmerksam macht. Darin beschwert sich ein US-Amerikaner über die Qualität seines neuen Rahmens.
In den Händen hält er ein S5 Basis-Frame (2.900 Euro) und erzählt 8 Minuten lang über angebliche Fertigungsmängel. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, zitiert er den Kundenservice von Cervelo, der auf ganzer Linie versagt haben muss.
Phuh. Starker Tobak.
Das finden auch viele andere, denn innerhalb von wenigen Stunden bricht ein Shitstorm los, wie wir ihn nur von KitKat, Schwalbe und den anderen Social-Media Best Cases kennen. Selbst im hauseigenen Forum diskutieren sie heftig über das Skandalvideo. In Kanada müssen sie toben.
Ich will dem nachgehen.
Wellen im Carbon?
Er moniert "heftige Wellen" an seinem Rahmen. Er zeigt diese Wellen, die man auch tatsächlich erkennt, in Supernahaufnahme und aus spitzem Winkel fotografiert. Es sieht sehr, sehr unschön aus. "Haben wir nicht superglatte Oberflächen, ja - Flugzeugqualität - verdient, bei Preisen wie diesen?!", scheibt einer im Forum. Jo, haben wir, bin auch ich geneigt zuzustimmen.
Ich frage bei meinem Cervelo-Händler Robert von Pirate Bikes an, ob er das Video kennt. Er winkt ab. Alter Hut, wie es scheint. "Ja, sicher - man sieht an weißen Rahmen immer die fertigungsbedingten Unebenheiten. Und man sieht sie sher viel stärker, als bei dunklen Rahmen oder bei Rahmen, die eine wilde Lackierung haben."
Solche Wellen? Bei allen Rahmen?!?, bohre ich bei Cervelöo Deutschland nach.
"Uns gefällt das auch nicht," bestätigt man mir telefonisch: "Aber die Rahmen werden nachwievor handgefertigt. Jeder einzelne wird per Hand verklebt und verschliffen. Bei Colnago siehst du ja auch kleine Fehler in den Schweißnähten - und da ist es Kult."
Gerade die großen, ebenen Flächen am Sitzdom hinten, wo keine starke Rohrwölbung die feinen Unebenheiten kaschiert, fallen dann schon kleinste Abweichungen auf.
"Der weiße Lack spiegelt unheimlich: In der Basisversion sieht man das einfach nochmal viel stärker - der Effekt potenziert sich. Weiße Räder - ein Graus!" Erstaunlich. "Wir arbeiten natürlich daran, dass wir diese Toleranzen minimieren - aber ganz bekommt man sie halt nie weg."
Ich fahre nach Hause und prüfe das an meinem Cervelo R3. Und siehe da: Im Tretlagerbereich, dort, wo Sitz- und Unterrohr in das Tretlager münden, kann ich, wenn ich mich ganz nah an den Rahmen begebe und spitz drauf schaue, auch kleine Unebenheiten erkennen!
Noch mehr sehe ich sie an der 3T Funda Pro-Gabel: Auch hier, von ganz spitzem Winkel gesehen, sehe ich Wellen.
Der Witz an der Sache ist: Mache ich das Licht aus und besehe mir alles bei Tageslicht, erkenne ich ... nichts! Fotografierte ich mit Blitz, drehe im Photoshop an den Reglern, kommen die Wellen klar heraus.
Eine neue Einstellung zur Handfertigung
Ich suche und finde ein tolles Video auf YouTube über den Carbonrahmenbau (Sorry für den Werbespot am Start, das Video lohnt sich aber):
Auch wenn Carbonfasern, HighTech-Harze, Titanverwebungen, Nanopartikel und was da sonst noch so alles in die Rahmen eingebaut wird, um für maximale Steifigkeit zu sorgen, Materialien aus der Raumfahrt sind: Es sind echte Menschen, die diese Rahmen bauen!
Es sind Menschen, deren Hände vielleicht mal ein bisschen Zittern, die atmen, sich bewegen, die gute und schlechte Tage haben, die lachen und weinen. Handarbeit wird nie "perfekt" sein. Handarbeit wird immer den Charakter dessen tragen, der für sie verantwortlich ist.
Und da, wo Carbonrahmen aneinander geklebt werden, überstehende Matten abgeschnitten und ausgehärtetes Harz glatt geschliffen werden muss wird es immer kleine Abweichungen vom Perfekten geben. Wie bei Colnago auch. Wie bei Trek, bei Specialized und all den anderen Marken.
Zurück zum Video
Also noch mal zurück zu dem Malermeister aus Idaho, dessen S5 Berühmtheit erlangt hat. Er kauft sich also im Internet einen Rahmen und findet, dieser sei schlecht verarbeitet, weil man in Makroafnahme Wellen sieht. So weit, so gut.
Warum Cervelo, denen das "Weißproblem" bekannt ist, gerade bei einem Frame wie dem S5 das Teil in dieser denkbar ungünstigsten Farboption anbieten, das ja ein sehr flächiges Sitzrohr hat, das geradezu prädestiniert für Wellen und den potenzierten visuellen Effekt ist, ist mir ein Rätsel.
Wir hoffen eh alle, dass die Farbskala Cervélos sich mal ändern wird.
Ich beschließe, sobald er wieder eines auf Lager hat, mir bei Robert im Laden ein weißes S5 zu beschauen. Bei meiner Internetrecherche kann ich keine so schlimmen Wellen bei den Nahaufnahmen anderer S5´s erkennen, wie bei dem Typen im Video.
War es also ein Einzelfall? Keine Ahnung: Fakt ist, dass dieser Rahmen, da gebe ich ihm Recht, schon allein wegen der unsauberen Anschlüsse der Streifenlackierung/Aufkleber nicht die Qualitätskontrolle bei Cervélo hätte passieren dürfen.
Auch hätte der Händler diesen Rahmen so nie in den Verkauf gehen lassen dürfen: Rennradfahrer sind detailbesessen und bei diesen Preisen muss einfach jedes Detail stimmen.
Was am Ende übrig bleibt
Es steht also die Erkenntnis, dass auch ein sauteures Carbonframe des schnellsten Rennrades der Welt kleine, individuelle Bearbeitungsspuren aufweisen kann. Dass Handfertigung niemals zu mathematisch perfekten Ergebnissen führen kann, dass Cervélo (in Amerika) vielleicht noch an seinem Qualitätsmanagement arbeiten kann und dass, wer schon eine Menge Geld für ein Rennrad in die Hand nimmt, das Objekt seiner Begierde unbedingt vor dem Kauf bei einem Fahrradhändler seines Vertrauens in gründlichen Augenschein nehmen sollte.
"Ach, guck an!", denke ich und beschaue mir meinen 190 € teuren Catlike Whisper Plus-Helm. Da sehe ich auch Wellen. Überall sehe ich nun Wellen.Man muss wohl nur genau genug hinsehen: Imperfektion allenthalben.
Wie war das doch gleich mit der Traumfrau nach dem DeMake-Up?
Wir bauen Maschinen für maximalen Speed
Der Witz an der Sache ist, dass in dieser (meiner Meinung nach übertriebenen Diskussion) eines doch irgendwie ein bisschen untergeht: Das S5 ist für Speed gebaut. Für nichts mehr.
"Wir könnten den Rahmen mit kosmetischen Carbon-Layern oder Füllspachtel optisch perfekt hinbekommen, keine Frage.", sagt Detlef von Cervelo am Telefon. "Aber das macht den Rahmen unnötig schwer. Das ist nicht Cervelo. Wir bauen steife, leichte, schnelle Räder."
Na siehste, denke ich mir, ich finde die schwarze Team-Version eh schicker. Und wenn dann bald mal die Lottofee auch mir einen Gefallen tun kann, vielleicht sogar das VWD. Oder dieses wunderhübsche, matt lackierte Cervélo S5.
Ein Nachtrag
Ich browse auf der Suche nach Sodnerangeboten die Bike24-Website und komme beim nagelneuen Cannondale SuperSix evo raus. Ein schickes Bike: C´dales Geheimwaffe auf dem Weg an die Spitze der Leichtbauräder.
Und siehe da, was entdecke ich?
Anscheinend ist das alles also wirklich kein Cervélo-eigenes Problem. Handarbeit bleibt Handarbeit. Auch bei Cannondale.
NACHTRAG
Na, siehste, so schnell kann das gehen und Papi ist wieder glücklich. Nachdem der "Idahopainter" nun so viel Aufsehen mit seinem S5 erregt hat, regierte auch Cervélo in den USA und hat dem Mann einen nagelneuen Rahmen - sogar als Upgrade auf die Team-Version - gegeben:
Und nun ist er zufrieden: Schön zu sehen, dass es anscheinend auch hochwertige S5-Frames gibt (das war Ironie) und dass ein Shitstorm auch was Gutes bewirken kann.
Bleibt nur zu hoffen, dass Cervélo seine Produktion und das Qualitätsmanagement in den Griff bekommt. Ich glaube, die schaffen das. Locker.
NACHTRAG 2
Ich bekomme im September 2012 bei meinem Einsatz beim 24-Stunden-Rennen "Rad am Ring" die Möglichkeit, das S5 Team auf der legendären Nordschleife ausgiebig zu testen: Hier geht es zum Testbericht nach knapp 290 Kilometern und 6.700 Höhenmetern auf dem Cervélo S5.
Könnt Ihr bei Euren Rädern auch Spuren der Handarbeit erkennen? Wie steht Ihr zu diesem Thema?
Zudem durfte ich beim 24-Stunden-Rennen "Rad am Ring" 2012 das S5 Team ausgiebig testen und ... war begeistert!
"Nein, das kann doch nicht sein, oder?!?", entfährt es mir spontan, als mich ein Leser hier im Blog in einem Comment auf ein Video vom Dezember 2011 aufmerksam macht. Darin beschwert sich ein US-Amerikaner über die Qualität seines neuen Rahmens.
Stein des Anstoßes: Das YouTube-Video vom "Idahopainter"
In den Händen hält er ein S5 Basis-Frame (2.900 Euro) und erzählt 8 Minuten lang über angebliche Fertigungsmängel. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, zitiert er den Kundenservice von Cervelo, der auf ganzer Linie versagt haben muss.
Phuh. Starker Tobak.
Das finden auch viele andere, denn innerhalb von wenigen Stunden bricht ein Shitstorm los, wie wir ihn nur von KitKat, Schwalbe und den anderen Social-Media Best Cases kennen. Selbst im hauseigenen Forum diskutieren sie heftig über das Skandalvideo. In Kanada müssen sie toben.
Ich will dem nachgehen.
Wellen im Carbon?
Er moniert "heftige Wellen" an seinem Rahmen. Er zeigt diese Wellen, die man auch tatsächlich erkennt, in Supernahaufnahme und aus spitzem Winkel fotografiert. Es sieht sehr, sehr unschön aus. "Haben wir nicht superglatte Oberflächen, ja - Flugzeugqualität - verdient, bei Preisen wie diesen?!", scheibt einer im Forum. Jo, haben wir, bin auch ich geneigt zuzustimmen.
Ich frage bei meinem Cervelo-Händler Robert von Pirate Bikes an, ob er das Video kennt. Er winkt ab. Alter Hut, wie es scheint. "Ja, sicher - man sieht an weißen Rahmen immer die fertigungsbedingten Unebenheiten. Und man sieht sie sher viel stärker, als bei dunklen Rahmen oder bei Rahmen, die eine wilde Lackierung haben."
Solche Wellen? Bei allen Rahmen?!?, bohre ich bei Cervelöo Deutschland nach.
"Uns gefällt das auch nicht," bestätigt man mir telefonisch: "Aber die Rahmen werden nachwievor handgefertigt. Jeder einzelne wird per Hand verklebt und verschliffen. Bei Colnago siehst du ja auch kleine Fehler in den Schweißnähten - und da ist es Kult."
Gerade die großen, ebenen Flächen am Sitzdom hinten, wo keine starke Rohrwölbung die feinen Unebenheiten kaschiert, fallen dann schon kleinste Abweichungen auf.
"Der weiße Lack spiegelt unheimlich: In der Basisversion sieht man das einfach nochmal viel stärker - der Effekt potenziert sich. Weiße Räder - ein Graus!" Erstaunlich. "Wir arbeiten natürlich daran, dass wir diese Toleranzen minimieren - aber ganz bekommt man sie halt nie weg."
Bei normalem Tageslicht: Alles fein. Bei Blitz und genauem
Hinsehen kann ich auch an meinem Cervélo R3 leichte Wellen erkennen
Hinsehen kann ich auch an meinem Cervélo R3 leichte Wellen erkennen
Ich fahre nach Hause und prüfe das an meinem Cervelo R3. Und siehe da: Im Tretlagerbereich, dort, wo Sitz- und Unterrohr in das Tretlager münden, kann ich, wenn ich mich ganz nah an den Rahmen begebe und spitz drauf schaue, auch kleine Unebenheiten erkennen!
Noch mehr sehe ich sie an der 3T Funda Pro-Gabel: Auch hier, von ganz spitzem Winkel gesehen, sehe ich Wellen.
Selber Effekt an meiner Gabel: Bei Tageslicht alles i.O.
Bei extremer Nähe, Blitz und spitzem Winkel: Wellen.
Bei extremer Nähe, Blitz und spitzem Winkel: Wellen.
Der Witz an der Sache ist: Mache ich das Licht aus und besehe mir alles bei Tageslicht, erkenne ich ... nichts! Fotografierte ich mit Blitz, drehe im Photoshop an den Reglern, kommen die Wellen klar heraus.
Eine neue Einstellung zur Handfertigung
Ich suche und finde ein tolles Video auf YouTube über den Carbonrahmenbau (Sorry für den Werbespot am Start, das Video lohnt sich aber):
Auch wenn Carbonfasern, HighTech-Harze, Titanverwebungen, Nanopartikel und was da sonst noch so alles in die Rahmen eingebaut wird, um für maximale Steifigkeit zu sorgen, Materialien aus der Raumfahrt sind: Es sind echte Menschen, die diese Rahmen bauen!
Es sind Menschen, deren Hände vielleicht mal ein bisschen Zittern, die atmen, sich bewegen, die gute und schlechte Tage haben, die lachen und weinen. Handarbeit wird nie "perfekt" sein. Handarbeit wird immer den Charakter dessen tragen, der für sie verantwortlich ist.
Und da, wo Carbonrahmen aneinander geklebt werden, überstehende Matten abgeschnitten und ausgehärtetes Harz glatt geschliffen werden muss wird es immer kleine Abweichungen vom Perfekten geben. Wie bei Colnago auch. Wie bei Trek, bei Specialized und all den anderen Marken.
Zurück zum Video
Also noch mal zurück zu dem Malermeister aus Idaho, dessen S5 Berühmtheit erlangt hat. Er kauft sich also im Internet einen Rahmen und findet, dieser sei schlecht verarbeitet, weil man in Makroafnahme Wellen sieht. So weit, so gut.
Warum Cervelo, denen das "Weißproblem" bekannt ist, gerade bei einem Frame wie dem S5 das Teil in dieser denkbar ungünstigsten Farboption anbieten, das ja ein sehr flächiges Sitzrohr hat, das geradezu prädestiniert für Wellen und den potenzierten visuellen Effekt ist, ist mir ein Rätsel.
Wir hoffen eh alle, dass die Farbskala Cervélos sich mal ändern wird.
Ein perfekt gearbeitetes Cervélo S5 Team: Erkennt Ihr Wellen?
Taken from BikeRadar.com
Taken from BikeRadar.com
Ich beschließe, sobald er wieder eines auf Lager hat, mir bei Robert im Laden ein weißes S5 zu beschauen. Bei meiner Internetrecherche kann ich keine so schlimmen Wellen bei den Nahaufnahmen anderer S5´s erkennen, wie bei dem Typen im Video.
War es also ein Einzelfall? Keine Ahnung: Fakt ist, dass dieser Rahmen, da gebe ich ihm Recht, schon allein wegen der unsauberen Anschlüsse der Streifenlackierung/Aufkleber nicht die Qualitätskontrolle bei Cervélo hätte passieren dürfen.
Okay. Sowas geht gar nicht! Da haben Qualitätsmanager und
"Fachhändler" mal tüchtig versagt.
"Fachhändler" mal tüchtig versagt.
Auch hätte der Händler diesen Rahmen so nie in den Verkauf gehen lassen dürfen: Rennradfahrer sind detailbesessen und bei diesen Preisen muss einfach jedes Detail stimmen.
Was am Ende übrig bleibt
Es steht also die Erkenntnis, dass auch ein sauteures Carbonframe des schnellsten Rennrades der Welt kleine, individuelle Bearbeitungsspuren aufweisen kann. Dass Handfertigung niemals zu mathematisch perfekten Ergebnissen führen kann, dass Cervélo (in Amerika) vielleicht noch an seinem Qualitätsmanagement arbeiten kann und dass, wer schon eine Menge Geld für ein Rennrad in die Hand nimmt, das Objekt seiner Begierde unbedingt vor dem Kauf bei einem Fahrradhändler seines Vertrauens in gründlichen Augenschein nehmen sollte.
Danke, YouTube! Ich sehe nur noch Wellen!
"Ach, guck an!", denke ich und beschaue mir meinen 190 € teuren Catlike Whisper Plus-Helm. Da sehe ich auch Wellen. Überall sehe ich nun Wellen.Man muss wohl nur genau genug hinsehen: Imperfektion allenthalben.
Wie war das doch gleich mit der Traumfrau nach dem DeMake-Up?
Wir bauen Maschinen für maximalen Speed
Der Witz an der Sache ist, dass in dieser (meiner Meinung nach übertriebenen Diskussion) eines doch irgendwie ein bisschen untergeht: Das S5 ist für Speed gebaut. Für nichts mehr.
"Wir könnten den Rahmen mit kosmetischen Carbon-Layern oder Füllspachtel optisch perfekt hinbekommen, keine Frage.", sagt Detlef von Cervelo am Telefon. "Aber das macht den Rahmen unnötig schwer. Das ist nicht Cervelo. Wir bauen steife, leichte, schnelle Räder."
Na siehste, denke ich mir, ich finde die schwarze Team-Version eh schicker. Und wenn dann bald mal die Lottofee auch mir einen Gefallen tun kann, vielleicht sogar das VWD. Oder dieses wunderhübsche, matt lackierte Cervélo S5.
Ein Nachtrag
Ich browse auf der Suche nach Sodnerangeboten die Bike24-Website und komme beim nagelneuen Cannondale SuperSix evo raus. Ein schickes Bike: C´dales Geheimwaffe auf dem Weg an die Spitze der Leichtbauräder.
Und siehe da, was entdecke ich?
Anscheinend ist das alles also wirklich kein Cervélo-eigenes Problem. Handarbeit bleibt Handarbeit. Auch bei Cannondale.
NACHTRAG
Na, siehste, so schnell kann das gehen und Papi ist wieder glücklich. Nachdem der "Idahopainter" nun so viel Aufsehen mit seinem S5 erregt hat, regierte auch Cervélo in den USA und hat dem Mann einen nagelneuen Rahmen - sogar als Upgrade auf die Team-Version - gegeben:
Und nun ist er zufrieden: Schön zu sehen, dass es anscheinend auch hochwertige S5-Frames gibt (das war Ironie) und dass ein Shitstorm auch was Gutes bewirken kann.
Bleibt nur zu hoffen, dass Cervélo seine Produktion und das Qualitätsmanagement in den Griff bekommt. Ich glaube, die schaffen das. Locker.
NACHTRAG 2
Ich bekomme im September 2012 bei meinem Einsatz beim 24-Stunden-Rennen "Rad am Ring" die Möglichkeit, das S5 Team auf der legendären Nordschleife ausgiebig zu testen: Hier geht es zum Testbericht nach knapp 290 Kilometern und 6.700 Höhenmetern auf dem Cervélo S5.
Könnt Ihr bei Euren Rädern auch Spuren der Handarbeit erkennen? Wie steht Ihr zu diesem Thema?
25. Februar 2012
Das neue ax-lightness "Vial" - Ein Interview mit Axel Schnura.
Axel Schnura, Geschäftsführer von ax-lightness
Ein Kandidat (neben dem genialen Cervélo R5ca und dem supersonischen Cervélo S5 VWD) könnte das neue Vial aus dem Hause ax-lightness sein. Vie E-Mail war es mir möglich, mit Axel Schnura, dem Vater der renommierten Carbon-Manufaktur aus Bayern, ein Interview zu führen.
Cervelover: Herr Schnura, das neue Vial begeistert seit seiner Vorstellung auf der Eurobike die Netzgemeinde, geistert durch Foren und entzündet die Phantasie der Rennrad-Begeisterten. Für wen haben Sie das Vial entwickelt?
Axel Schnura: Beim Vial hatten wir ganz klar diejenigen Rennradfahrerinnen und -fahrer im Sinn, die auf stark profilierten Strecken unterwegs sind. Sie wünschen sich ein leichtes, stabiles und vor allem spurtreues Rennrad - mit dem Vial haben wir die nach unserem Verständnis beste Antwort auf diese Forderungen gegeben.
Das Rennrad zum Film: Tron lässt grüßen.
Cervelover: Also ein Wunderrahmen? Das Vial katapultiert sich mit unter 800 Gramm Rahmengewicht auf die ganz forderen Plätze der Leichtbaurahmen und spielt in einer Liga mit Cervélo R5ca oder dem Cannondale Supersix Evo.
Axel Schnura: Das Vial ist sicherlich kein Wunderrahmen. Es gibt in allen Einzelbereichen Produkte anderer Anbieter, die unserem überlegen sind. Aber unsere Messungen haben ergeben, dass wir in der Summe ein Rennrad geschaffen haben, dessen Leistungen schwer zu toppen sein dürften.
Cervelover: Mit dem Vial bringen Sie - ähnlich Cannondales SuperSix Evo - ein Rennrad auf den Markt das bewusst nicht dem Aero-Trend folgt. Warum?
Axel Schnura: Bei diesem Rad standen andere Qualitäten im Vordergrund: Wir hatten wirklich den Bergfahrer im Hinterkopf, der in stark profilierten Gefilden unterwegs ist. Maximaler Vortrieb, Leichtbau und extreme Steifigkeit waren die Hauptmerkmale bei der Entwicklung. Bei Streckenprofilen dieser Art ist die Aerodynamik sekundär - und hat deshalb für das Vial keine Rolle gespielt.
Massives Tretlager. Eckig. Faltig. Bärenstark.
Cervelover: Also kein Aero-Rad made by ax-lightness?
Axel Schnura: Zunächst: Aero ist mehr als nur ein Trend. Bei wieder anderen Streckenprofilen macht eine gute Aerodynamik absolut Sinn. Auch wir werden uns diesem Thema nicht verschließen. Wir sehen die Herausforderung darin, diese Art von Rahmen wieder in klettertaugliche Gewichtsbereiche zu bekommen - und dabei auch die Komfortwerte zu verbessern. So etwas entwickelt man allerdings nicht von heute auf morgen - da wird wohl noch ein bisschen Zeit vertreichen ...
Cervelover: Das klingt absolut spannend! Zurück zum Vial: Sie haben das Label "Laminated in Germany" entwickelt. Wollen Sie damit bewusst ein Zeichen gegen das ausgehölte "Made in Germany" setzen? Focus wirbt zum Beispiel mit diesem Label, hat aber lediglich die Endmontage der Rahmen in Deutschland - produziert wird woanders.
Axel Schnura: Das trifft es sehr gut. "Made in Germany" ist inzwischen ja schon fast alles ...
Cervelover: Wie schafft es ax-lightness im Hochlohnland Deutschland mit handlaminierten Rahmen und relativ kleiner Stückzahl zu überleben, schließlich sind das absolute Premiumprodukte?
Axel Schnura: Das liegt vor allem an der Vertriebsstruktur. Wir haben keine großen Transportwege, keine Großhändler oder Zwischenstationen. ax-lightness bedient den Fachhandel direkt, was Kosten spart. Am Ende haben wir also auch preislich ein absolut konkurrenzfähiges Produkt.
Echtes Handwerk. Carbon-Manufaktur: ax-lightness hält, was es verspricht.
Cervelover: Herr Schnura - vielen Dank für das Interview und alles Gute für Sie, Ihr Unternehmen, und das Vial.
Toll, oder? Mich beeindruckt nicht nur das Rad, sondern auch die ganze Geschichte dieses, ursprünglich als Autosport-Tuningschmiede gegründeten Unternehmens. Und wie genial? Ich darf mich also auf ein in Deutschland handlaminiertes Super-Aero-Rad freuen ...
Vielleicht können die Jungs das Projekt ja wieder Lynx nennen, nachdem dieser Name, der ursprünglich für das Vial vorgesehen war, nun wieder frei ist.
Das Alpha - der leichteste Rennradrahmen der Welt - konnte ich mir beim letztjährigen Velothon schon besehen. Wann ich mal das Vial, welches ab März im Handel ist, in die Finger bekomme, weiß ich noch nicht. Es bleibt also spannend, sich diese Schönheit man in natura anzuschauen.
Filigranes Kunstwerk: Handlaminiertes Monococque.
Ein echter, schicker Hingucker ist das stylische Rennrad allemal. Es wird als Monocoque gebaut und daher nur in 3 Größen erhältlich sein. Überraschend der Preis - für ein in Deutschland handlaminiertes Schmuckstück - bewegt sich meiner Meinung nach in für diese Klasse akzeptablen (für aber vorerst leider unerreichbaren) Sphären: 4.900 € für das Rahmenset.
Und welch´ Überraschung: Die aktuelle Ausgabe der Procycling bringt auch gleich einen Zweiseiter über das neue Leichtgewicht. Ich bin gespannt auf die ersten Fahrberichte und Reviews zum Vial.
Genauso, wie ich gleich anschließend, nachdem ich mich am wunderschönen Vial sattgesehen habe, auf Marcel Wüsts Review des Cervélo S5 VWD freue - denn die ist nur wenige Seiten vom ax-lightness entfernt. Dazu aber später ...
Wie denkt Ihr über "Made in Germany"? Ich freue mich auf Eure Comments.
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