25. Februar 2012

Das neue ax-lightness "Vial" - Ein Interview mit Axel Schnura.

Auf der Suche nach "dem" perfekten Rennrad sind schon viele viele vor mir verzweifelt. Und sich werden das sicher auch noch viele nach mir. Ähnlich des Heiligen Grals wird es dieses Objekt der Begierde allerdings wohl nie geben - und wenn ja, dann doch eher nur für diejenigen, die glauben, ihn gefunden zu haben.

Axel Schnura, Geschäftsführer von ax-lightness

Ein Kandidat (neben dem genialen Cervélo R5ca und dem supersonischen Cervélo S5 VWD) könnte das neue Vial aus dem Hause ax-lightness sein. Vie E-Mail war es mir möglich, mit Axel Schnura, dem Vater der renommierten Carbon-Manufaktur aus Bayern, ein Interview zu führen.

Cervelover: Herr Schnura, das neue Vial begeistert seit seiner Vorstellung auf der Eurobike die Netzgemeinde, geistert durch Foren und entzündet die Phantasie der Rennrad-Begeisterten. Für wen haben Sie das Vial entwickelt?

Axel Schnura: Beim Vial hatten wir ganz klar diejenigen Rennradfahrerinnen und -fahrer im Sinn, die auf stark profilierten Strecken unterwegs sind. Sie wünschen sich ein leichtes, stabiles und vor allem spurtreues Rennrad - mit dem Vial haben wir die nach unserem Verständnis beste Antwort auf diese Forderungen gegeben.

Das Rennrad zum Film: Tron lässt grüßen.

Cervelover: Also ein Wunderrahmen? Das Vial katapultiert sich mit unter 800 Gramm Rahmengewicht auf die ganz forderen Plätze der Leichtbaurahmen und spielt in einer Liga mit Cervélo R5ca oder dem Cannondale Supersix Evo.

Axel Schnura: Das Vial ist sicherlich kein Wunderrahmen. Es gibt in allen Einzelbereichen Produkte anderer Anbieter, die unserem überlegen sind. Aber unsere Messungen haben ergeben, dass wir in der Summe ein Rennrad geschaffen haben, dessen Leistungen schwer zu toppen sein dürften.

Cervelover: Mit dem Vial bringen Sie - ähnlich Cannondales SuperSix Evo - ein Rennrad auf den Markt das bewusst nicht dem Aero-Trend folgt. Warum?

Axel Schnura: Bei diesem Rad standen andere Qualitäten im Vordergrund: Wir hatten wirklich den Bergfahrer im Hinterkopf, der in stark profilierten Gefilden unterwegs ist. Maximaler Vortrieb, Leichtbau und extreme Steifigkeit waren die Hauptmerkmale bei der Entwicklung. Bei Streckenprofilen dieser Art ist die Aerodynamik sekundär - und hat deshalb für das Vial keine Rolle gespielt.

Massives Tretlager. Eckig. Faltig. Bärenstark.

Cervelover: Also kein Aero-Rad made by ax-lightness?

Axel Schnura: Zunächst: Aero ist mehr als nur ein Trend. Bei wieder anderen Streckenprofilen macht eine gute Aerodynamik absolut Sinn. Auch wir werden uns diesem Thema nicht verschließen. Wir sehen die Herausforderung darin, diese Art von Rahmen wieder in klettertaugliche Gewichtsbereiche zu bekommen - und dabei auch die Komfortwerte zu verbessern. So etwas entwickelt man allerdings nicht von heute auf morgen - da wird wohl noch ein bisschen Zeit vertreichen ...

Cervelover: Das klingt absolut spannend! Zurück zum Vial: Sie haben das Label "Laminated in Germany" entwickelt. Wollen Sie damit bewusst ein Zeichen gegen das ausgehölte "Made in Germany" setzen? Focus wirbt zum Beispiel mit diesem Label, hat aber lediglich die Endmontage der Rahmen in Deutschland - produziert wird woanders.
Axel Schnura: Das trifft es sehr gut. "Made in Germany" ist inzwischen ja schon fast alles ...

Cervelover: Wie schafft es ax-lightness im Hochlohnland Deutschland mit handlaminierten Rahmen und relativ kleiner Stückzahl zu überleben, schließlich sind das absolute Premiumprodukte?

Axel Schnura: Das liegt vor allem an der Vertriebsstruktur. Wir haben keine großen Transportwege, keine Großhändler oder Zwischenstationen. ax-lightness bedient den Fachhandel direkt, was Kosten spart. Am Ende haben wir also auch preislich ein absolut konkurrenzfähiges Produkt.

Echtes Handwerk. Carbon-Manufaktur: ax-lightness hält, was es verspricht.

Cervelover: Herr Schnura - vielen Dank für das Interview und alles Gute für Sie, Ihr Unternehmen, und das Vial.

Toll, oder? Mich beeindruckt nicht nur das Rad, sondern auch die ganze Geschichte dieses, ursprünglich als Autosport-Tuningschmiede gegründeten Unternehmens. Und wie genial? Ich darf mich also auf ein in Deutschland handlaminiertes Super-Aero-Rad freuen ...

Vielleicht können die Jungs das Projekt ja wieder Lynx nennen, nachdem dieser Name, der ursprünglich für das Vial vorgesehen war, nun wieder frei ist.

Das Alpha - der leichteste Rennradrahmen der Welt - konnte ich mir beim letztjährigen Velothon schon besehen. Wann ich mal das Vial, welches ab März im Handel ist, in die Finger bekomme, weiß ich noch nicht. Es bleibt also spannend, sich diese Schönheit man in natura anzuschauen.

Filigranes Kunstwerk: Handlaminiertes Monococque.

Ein echter, schicker Hingucker ist das stylische Rennrad allemal. Es wird als Monocoque gebaut und daher nur in 3 Größen erhältlich sein. Überraschend der Preis - für ein in Deutschland handlaminiertes Schmuckstück - bewegt sich meiner Meinung nach in für diese Klasse akzeptablen (für aber vorerst leider unerreichbaren) Sphären: 4.900 € für das Rahmenset.


Und welch´ Überraschung: Die aktuelle Ausgabe der Procycling bringt auch gleich einen Zweiseiter über das neue Leichtgewicht. Ich bin gespannt auf die ersten Fahrberichte und Reviews zum Vial.

Genauso, wie ich gleich anschließend, nachdem ich mich am wunderschönen Vial sattgesehen habe, auf Marcel Wüsts Review des Cervélo S5 VWD freue - denn die ist nur wenige Seiten vom ax-lightness entfernt. Dazu aber später ...



Wie denkt Ihr über "Made in Germany"? Ich freue mich auf Eure Comments.

Kommentare:

  1. Hallo Larsi,

    ich finde es traurig, dass das Label "made in Germany" heutzutage beinahe nichts mehr wert ist, weil eben die Regeln so sehr aufgeweicht wurden, dass man das heutzutage für alles verwenden kann. Ursprünglich wurde es ja in England entwickelt, um minderwertige deutsche von hochwertigen englischen Produkten abzugrenzen. Heute sind wir fast wieder so weit. Das Marketing spielt da mit einem Mythos, den es so schon längst nicht mehr gibt. Das betrifft ja nicht nur die Fahrradbranche.
    Aber sonst schönes Interview, mal eine Beitragsform, die man so noch nicht von dir kannte. Weiter so:-)

    LG Lars

    AntwortenLöschen
  2. Wir finden es gut, dass auch Unternehmen in der Fahrradbranche versuchen gegen den Fernost Trend in Deutschland zu fertigen. Wenn etwas nachweislich in Deutschland produziert und nicht nur zusammengesteckt wird, sollte es mit Stolz den Titel "Made in Germany" tragen.
    Wir sind auf jeden Fall stolz ALPHA und VIAL Rahmen in Deutschland gestalten und lackieren zu können.

    Grüße

    ETOE

    AntwortenLöschen
  3. hi ETOE-team,

    eine tolle arbeit macht ihr da an den rahmen!

    ich gebe euch recht: hohe, gut gemachte qualität aus heimischen landen ist etwas feines. wenn es durch ehrliche arbeit entstanden ist noch umso besser.

    das soll aber auf keine fall heißen, dass die asiatischen produkte mangelhaft sind oder nachteilig: die industrielle massenproduktion, die globalisierung und nicht zuletzt der kostendruck (der ja auch vom kunden, der immer billiger kaufen will mitverursacht ist) zwingen die hersteller eben zum auslagern der produktion.

    es hat eben alles seine vor- und nachteile.

    aber klar: so ein handlaminierter rahmen, auf dem vielleicht noch die unterschrift desjenigen steht, der ihn gebaut hat - das ist was ganz ganz feines.

    danke für euren comment & weiter so!

    AntwortenLöschen