14. März 2011

Im Rhythmus bleiben! Der Sparkassen.Giro 2011 in Bochum.

"Cadel Evans ist da!", stelle ich begeistert fest, als ich das Rahmenprogramm des diesjährigen Sparkassen.Giro studiere. Wie geil ist das denn?!

Heiko und ich sind schon gegen 12 Uhr mittags in Bochum, Flow und Jan werden per Zug separat ankommen. Also, was tun? Cadelgucken! Cool!



Er fährt eine zugegeben gewöhnungsbedürftige Disziplin - das Derny-Rennen. Die Steher-Variante aus den Lattenovalen kenne ich schon, diese hier beim Kriterium auf einer kleinen, keine 3 Kilometer langen Runde kannte ich noch nicht.

Aber ich finde es spannend, den Held der Berge, den bärbeißigen Australier, der letztes Jahr so grandios scheiterte und in diesem Jahr so souverän siegte, in echt zu sehen. Gestern noch Galibier auf Eurosport - heute Derny in Bochum. Mit ihm fahren der amtierende Deutsche Meister Robert Wagner, Jungs wie Grischa Niermann oder einige Katusha-Profis die kurzen Runden.

Bochum. Pott.


"Pott-hässlich!", entfährt es Heiko, als wir ankommen. Unser Hotel versprüht den Charme eines DDR-Kreiswehrersatzamtes, die Umgebung hier auf dem Südring komplettiert das Bild. Eher geschockt entdecken wir vorsichtig die Gegend: Alles ziemlich herunter gekommen. Grau. Deprimierend.

"Gelsenkirchen ist schlimmer!", wird man mir später sagen. Wo bleibt der Aufbau West?


Während des Samstagabends trudeln dann noch Jan und Flow ein, wir holen uns die Startnummern und lassen es uns bei den (ich lasse sie mal unkommentiert) kostenlosen Nudeln der Pastaparty und leckeren belgischen Pommes gutgehen.

Eine Liveband spielt die Hits der Siebziger. Volksfeeststimmung mit Radsport. Sie haben hier eine Riesenparty aufgezogen und langsam gewinne ich die Leute, die Stimmung, das alles hier lieb: Bochum Sparkassen.Giro - das ist keine elitäre Sportveranstaltung, das ist ein Fest für die ganze Familie.

Angenehm.


Es ist früh an diesem Sonntag, als wir um 7:30 Uhr zum Start rollen. Ich habe wirklich wundervoll geschlafen - die beiden Saunagänge im Hotel und das anschließende Schwimmen im Pool des Hotel Ostmeier haben ihren Wirkung nicht verfehlt.

Recht kalt ist es und ich bin froh, doch noch das Unterhemd einpackt zu haben. Wir frösteln uns mit eintausend anderen Startern durch das noch leere Bochum.


Uns stehen 100 Kilometer bevor. Ein Stadtkurs mit 4 Runden á 25 Kilometer. Mein erstes Kriterium. Gestern wollten wir uns die Strecke eigentlich noch ansehen, da sie aber nicht abgesperrt oder gekennzeichnet war (und es nieselig-kühl war), hatten wir diesen Plan verworfen.

Und so stehe ich mit etwa 1.000 anderen Startern, die auf die 100er Strecke gehen, im einzigen Startblock und versuche, mich an das Profil zu erinnern: Zwei oder drei Rampen gibt es wohl. Ansonsten nehme ich an, dass es ein schnelles Rennen wird.


Im Startblock stehen wir dicht gedrängt: Eine Folge davon, dass es nur diesen einen Block gibt. Alle wollen nach vorn - so auch wir - und so stehen wir bald mit nur 5 cm Freiheit rund um unsere Rennräder.

Viele Fahrer aus dem Pott. Und anders als sonst - sehr viele sehr junge Fahrer. Ein starkes Starterfeld!


Wir scherzen und schnattern - und doch, ich halte mich etwas raus aus dem Männertalk und versuche, mir eine Rennstrategie zurecht zu legen. Wie stolz war ich nach dem Rennen in Göttingen, als ich es geschafft hatte, Heiko zu schlagen, den starken Heiko. Ob ich das noch einmal schaffen kann?

Auch Jan hält sich etwas im Hintergrund, ich merke ihm seine Nervosität an: Es ist sein erstes Rennen 2011 und obwohl er rennradbegeistert ist, mit mir die Tour de France verfolgt hat und keinm Tag vergeht, an dem wir uns nicht über Rennräder unterhalten würden, kam er in diesem Jahr kaum zum Fahren.

Ich ahne Schlimmes.

Und sowieso: Es fehlt Swantje! Nach ihrem schweren Trainingsunfall fällt sie für unser Team die gesamte Saison aus. Swantje war immer der Garant für hohe Punktzahlen. Punkte, die uns in der Gesamtwertung des German Cycling Cup immerhin auf Platz 34 (von 340) gebracht haben.
Heute fehlt sie.

Auch menschlich.


Die Stimmung steigt. Nervös zuppeln viele noch ein letztes Mal ihre Trikots zurecht, stellen ihre Bremsen ein, justieren die Helmschnallen. Ich drücke mir das erste Gel in den Mund: Das eine einsame Brötchen heute beim Frühstück wird nicht reichen, das weiß ich jetzt schon.

Dann geht es wieder sehr schnell.

Die Uhr tickt runter, der Sparkassen-Sprecher feuert uns an. Bei "Ich möchte ein Eisbär sein" - passend zu 11 Grad Außentemperatur - schickt er das Feld dann pünktlich um 8 auf die Strecke.

Die erste Runde geht los!


Und wie es losgeht! Vorne stürmen sie davon, wir, so an Position 50 gestartet, müssen wie alle anderen von Anfang an mächtig reintreten, um Schritt zu halten. Normalerweise sorgt die erste Kurve dann durch einen Zieharmonika-Effekt dafür, dass das Feld wieder kompakter fährt - aber in Bochum ist das anders.

Nach einer etwa 400 Meter langen Geraden schießen wir in die erste 90-Grad-Kurve, es geht leicht bergan, wie Gejagte treten wir rein, dann wieder nach 500 Metern 90 Grad nach rechts, eng ist es, neben mir 5 Fahrer zu beiden Seiten, ich habe kaum 10 cm Platz für Kurskorrekturen.

Dann geht es etwas bergab, leicht links - schlechter Fahrbahnbelag! Kann kaum ausweichen, die Lungen brennen - Heiko hinter mir. Ja sage mal, spinnen die hier?


Wir erreichen die Gegengerade zu Start/Ziel und weiter geht es leicht bergauf - und noch immer beschleunigt das Feld. Um die 50 km/h haben wir drauf, ich komme mit dem Schalten kaum hinterher. Nach etwa 2.000 Metern, außer Puste!, eine harte Rechtskurve, vorne treten sie rein wie die Irren, das Peloton zieht sich wie eine Perlenschnur auseinander. Ich gehe aus dem Sattel, muss kämpfen, mich ranbeißen, noch 20 Meter, treten, treten! Dann Windschatten, etwas verschnaufen - drehe mich um: Ah, Heiko noch da.

Keine drei Fahrer hinter uns mussten sie abreißen lassen. Wir sind also in der Spitzengruppe.


Es folgt, natürlich bei Highspeed und noch immer im engen, kurvigen Innenstadtbereich, eine etwa 50 Meter lange, sehr harte Pflastersteinpassage. Ich erschrecke derart, dass ich zunächst glaube, beide Reifen wären unter gleichzeitigem Gabelbruch geplatzt.

Neben mir taucht plötzlich in Cross-Stellung Flow auf. Er springt über einige Huckel, verliert seine Wasserflasche. Ebenso wie einige neben, vor und hinter uns. Alter Schwede! Ich mache drei Kreuze, als das Pflasterstück vorbei ist.
Ich beende meine erste Runde nach 37 Minuten mit 38,6 km/h Durchschnitt. Bin fertig, am Ende. Wahnsinn - so schnell und so hart!



Als Cadel am Abend die Runden hinter dem Derny dreht, ahne ich natürlich noch nichts von den Strapazen, die das Rennen hier in Bochum für mich bereit hält. Ausgelassen trinke ich drei Bier und freue mich auf den Renntag.

Immerhin mühen sich die Damen bei ihrem Kriterium noch ab, ebenso, wie anschließend die Herren. U23, whatever - ich bin sowieso am meisten über Cadel Evans begeistert. Nicht, dass ich wie ein Teenie ausflippen würde - vielmehr ist es so, als sähe ich in ihm einen Bruder, einen Leidensgenossen. Immerhin habe auch ich vor ein paar Wochen erst Tourmalet & Co bezwungen.


Ich stecke mitten in Runde zwei - noch immer halte ich mich in der Spitzengruppe, die aber wiederum in zwei kleinere Gruppen zu je 30 Fahrern zerbrochen ist. Ganz vorn muss Flow mitfahren, Heiko und ich mühen uns dahinter ab.

Als wir wieder nach der Gegengeraden auf das harte Bergabstück einbiegen, komme ich gar nicht mit dem Trinken hinterher: Hastig ziehe ich zwei große Schlucke aus meiner Flasche, länger als zwei, drei Kurbelumdrehungen kann man hier nicht aussetzen. Bei diesem Tempo verliert man sofort einige Positionen.

Auf der Universitätsstraße geht es mit mindestens 4 % Gefälle bergab, das Feld kommt nahe an die 70 km/h heran. Ein Wahnsinn war das in der ersten Runde: Für die meisten kommt diese Highspeed-Passage ebenso überraschend, wie die Pflastersteine vorhin. Mit 200, 300 Leuten dicht an dicht bei 70 bergab rasen, das hatte etwas sehr Beängstigendes.

Jetzt, auf der zweiten Runde, ist es nicht minder scary, zumal wir an einem vorbeirauschen, der rechts einen Abflug in die Büsche gemacht hat. Nun sitzt er blutend da und wartet auf Hilfe.

Konzentrieren, Jungs, konzentrieren! Bei diesem Tempo in einen Massensturz zu kommen kann böse, böse enden!


Wir bremsen uns abenteuerlich herunter, schlängeln uns auf fantastisch schlechten, immer enger werdenden Straßen durch bewaldetes Gebiet. Unser 30-Mann-Feld hat es nun sehr weit auseinander gerissen, es geht in hastiger Folge mal links, mal rechts über mehrere Wellen hinweg.

Auch Heiko verliert nun eine Wasserflasche - ich schaue lieber zweimal, wenn ich getrunken habe, ob die Flaschen noch sicheren Halt haben.

Dann knicken wir irgendwann rechts ab und stecken in einer Wand. Hart werden wir auf unter 15 km/h herunter gebremst, viele bleiben auf dem großen Blatt und treten sich die schätzungsweise 10 % hinauf. Ich entscheide mich, die 1.000 Meter lange Rampe auf dem kleinen Blatt viel ruhiger anzugehen.

Nach der Rampe - ich bin etwas zurück gefallen, aber noch immer ganz gut positioniert - geht es leicht bergab und dann, dann muss ich grinsen: Die zweite, die wirkliche Rampe liegt vor uns!



Spätestens jetzt, hier auf dem 1.500 Meter langen Stück, der Surkenstraße, müssen auch die Großblättrigen aus dem Sattel und aufs größte Ritze: Es sollte hier 12, 13 % haben. Die Strecke ist schnurgerade und eingezäunt, viele Zuschauer haben sich eingefunden und hier haben sie sogar eine Bühne aufgebaut.

Ein DJ legt treibende Beats auf, ein Moderator feuert die Fahrer an und pickt sich den einen oder anderen heraus.
Nun macht sich mein Abwarten bezahlt, denn ich kann mit wesentlich mehr Puste als viele der anderen Fahrer in die Steigung gehen. Als ich oben ankomme, habe ich fast alle derer, die mich anfangs überholt hatten, wieder ein.

Saugeiles Profil!, muss ich in Gedanken jubeln und beglückwünsche die Streckenplaner für den Einbau dieser Rampen!

Nun geht es auf die letzten Kilometer bis Start/Ziel. Leider muss ich hier abreißen lassen - meine Gruppe nutzt die folgenden Abfahrten, um wieder mächtig Tempo zu machen. Einige Minuten kann ich mich noch am Ende halten, dann, keine 2.000 Meter vor dem Zielstrich, lasse ich los. Zugegeben: Diese Gruppe fährt mir zu schnell!

Runde zwei beende ich nach 38 Minuten mit nur noch 37,6 km/h Schnitt.


Am Vorabend beschauen wir uns noch die Teamwagen der Profis. HTC Highroad ist ebenso vor Ort wie Skil-Shimano und einige Pro-Continental- und Continental-Teams. Wunderbare Konstruktionen innen wie außen. Uns beeindrucken die cleveren Detaillösungen der Versorgungsfahrzeuge, die praktischen Halterungen und Schnellspanner für Ersatzräder und -teile.

Dabei kann unser Team SunClass schon froh sein, dass uns der Sponsor einen Vito für An- und Abreise zur Verfügung stellt. Aber man wird ja nochmal träumen dürfen ...


Den originalen Bus des längst verblichenen Teams Milram dürfen wir nach kleinem Schnack mit den beiden Busfahrern sogar von innen besichtigen. Hier also haben die Jungs rund um Erik Zabel und Allessandro Petacchi gesessen, als es zur Vuelta, zur Tour de France und unzähligen anderen Rennen ging.

Hier atmet jedes Polster Radsportgeschichte. Hier mag Michael Holzcer die Strategien verkündet haben (ach nee, der war ja bei Gerolsteiner ...). Hier mögen sich bei einigen der Jungs verbotene Dinge abgespielt haben.

Unsere Augen leuchten trotzdem.


Zurück im Rennen. Mittlerweile hat mich eine Verfolgergruppe aufgelesen, ich fahre an einer Position weit im Mittelfeld mit. Noch immer ist das Tempo sehr hoch - in den Spitzen sind wir genauso schnell wie noch in der mörderischen ersten Runde, nur auf den flachen Verbindungsstücken zwischen ihnen ist das Tempo etwas angenehmer.

Ich fühle mich gut heute, keine Frage. Bin super im Training - nach meiner Tour de France sowieso. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass hier sehr viel mehr der anderen Teilnehmer um sehr vieles mehr stärker sind, als ich es bin.


Immer wieder kommen Rennfahrer von hinten an mir vorbei, es ist weitaus härter als sonst, seine Position zu verteidigen. Die Zwischensprints nach Kurvendurchfahrten haben nichts von ihrer Bissigkeit verloren und vor allem das lange, superschnelle Bergabstück auf der Universitätsstraße wird so hart gefahren wie eh und je.

Ich suche mir ein Mädel in einer weißen Kombination mit "Westpoint"-Aufdruck: Sie fährt einen ähnlichen Stil wie ich und scheint ebenso drauf zu sein wie ich. Mit ihr schmiede ich in Gedanken eine Allianz - bleibe neben, vor oder hinter ihr (ob der schönen Aussicht lieber dahinter:-) und versuche so, einen konstanten Stiefel zu fahren.

Was nicht möglich ist.


Als wir das dritte mal die Rampe hinauf fahren, kommt die Erkenntnis: Hier, auf diesem Streckenprofil gibt es keinen Rhythmus. Sie haben die Teilstücke so geplant, dass hier jeder Aspekt des Rennradfahrens gefordert ist: Schnelles, wendiges Durchfahren enger Kurven mit harten Beschleunigungen, lange Geradeausstücke (mal mit Steigung und mal mit Gefälle), kurze, sehr ekelige Rampen und Wellen gepaart mit engen, schlechten Straßen und viel Richtungskorrekturen und schließlich die extraharten Rampen, die einem den Saft aus den Waden ziehen, nur um danach fast 10 Kilometer nur bergab auf fast gerader Strecke in Highspeed zum Ziel zu führen.

Der Giro in Bochum ist das anspruchsvollste Rennen bisher.
Die Strecke ist hammerhart, fordert alles.
Die mitunter sehr schlechte Asphaltqualität tut ihr Übriges.

Rund 3 beende ich nach 41 Minuten mit nur noch 34,6 km/h Durchschnitt.


Als ich mit Heiko am Vortag die Stadt erkunden will, bin ich eher enttäuscht: Da bin ich als Berliner in Hamburg doch anderes gewohnt. Anscheinend muss im Zweiten Weltkrieg hier alles weggebombt worden sein, anders kann ich mir die teilweise an Verfall grenzenden, schlimmen 50erjahre-Bauten und die "Designerstücke" in mancher Baulücke nicht erklären.

Allerdings: Den Pott hätte ich mir auch anders vorgestellt. Industrieller halt. Keine Schornsteine. Kein Krupp. Keine Bergwerke. Nur dieser eine Förderturm von Toto & Harry beim Bergbaumuseum.


Dafür treffen wir Günter Pfitzmann persönlich. Beim dritten Bier und den besten Songs von Wolle Petry, die eine Live-Band am Rande des Derny-Rennens schmettert, freuen wir uns über jeden Prominenten, den wir treffen.

(Gott hab ihn selig)



Á propos "selig" - das bin ich, nachdem ich auf der vierten Runde oben angekommen geschafft habe, was ich mir Kilometer vorher vorgenommen hatte. Denn ich weiß die ganze Zeit über, dass ich hier heute keine Spitzenzeit fahren werde. Nachdem ich auch die zweite große Gruppe habe ziehen lassen müssen und auch die dritte Gruppe beginnt, mich langsam nach hinten hin durchzureichen, schmiede ich einen Plan: Wenigstens am Berg möchte ich sie alle stehen lassen!

Und so beiße ich und kämpfe ich, verteidige im kurvigen Stadtkurs meine Position, kämpfe mich immer wieder nach vorn, um dann auf den Highspeed-Stücken (ich brauche echt ein größeres Blatt vorne!) wieder Positionen zu verlieren. Im Waldstück zur ersten Rampe bin ich an Position 4, wie immer, überholen mich Einige, nur um dann am zweiten Berg, am Berg, der zählt, von mir überholt zu werden.

Süßer Sieg!


Ich beiße mich nach oben, mobilisiere alle Kräfte, meine Waden krampfen, aber mir egal, der Jubel der Leute und das harte Schnaufen des Typen neben mir treiben mich voran: Oben angekommen habe ich dann tatsächlich (wenn auch hauchdünn) meine Gruppe hinter mir gelassen.

Ich biege um die Kurve, es geht bergab, ich gehe in Untenlenkerposition, aber beteilige mich nicht an der wie immer nach einer Biegung einsetzenden Beschleunigungsorgie. So ziehen die meisten Fahrer an mir vorbei, ich lasse rollen.

Wobei ich "nur so rollen" auch schon 46 km/h drauf habe - die Jungs da vorn aber, die haben die letzten 9 Kilometer und damit ihren ganz persönlichen Sieg vor Augen. Ich lasse sie ziehen.

Am Ende hänge ich mich an einen, der in Tria-Haltung an mir vorbei zieht. Von ihm lasse ich mich bis 200 Meter vor die Ziellinie ziehen, dann, ganz nach klassischer Puncheur-Art, gehe ich aus seinem Windschatten, sprinte (unter heftigen Wadenkrämpfen) los und kann mit drei Radlängen Vorsprung über die Ziellinie fahren.

Fertig und glücklich lasse ich ausrollen - hinten steht auch schon Jan.

Jan?!?


Etwas deprimiert: "Sorry, Lars, ich habe nur 3 Runden geschafft."
Mmh. Die Mannschaftswertung ist hin. Aber egal, was nicht geht, geht nicht, denke ich mir. Lieber so, als sich was Ernsthaftes antun.

"Wann warst Du hier?", frage ich ihn.
"Gerade rein, kurz vor Dir.", antwortet er. Ach, wirklich? Dann habe ich ihn also quasi überrundet? Bin in der selben Zeit wie er 25 Kilometer mehr gefahren? Faszinierend - dann sind meine Beine heute also doch nicht so schlecht?

Die vierte Runde beende ich 15 Sekunden schneller als die dritte. Insgesamt benötige ich für die 100 Kilometer 2:39 Stunden.

Auch Flow gesellt sich schnell zu uns. Er ist 4 Minuten vor mir reingekommen, an Platz 179, wie sich später heraus stellt. "Nicht übel!", gratuliere ich ihm, wohl wissend, dass dieser Kurs mit den vielen Rhythmuswechseln auch nicht gerade nach Flows Geschmack gewesen sein muss.

Nur: Wo ist Heiko?


Der gesellt sich einige Minuten nach uns zum Team. Fertig sieht er aus. Und noch deprimierter, als Jan.

"Scheiße - gestürzt!", ist alles, was er sagt. Obwohl seine Klamotten wie durch ein Wunder heil geblieben sind, zeugen die Hautabschürfungen, die er uns später im Hotel zeigt, von der schwere des Unfalls. Sein Garmin beweist es dann: Beim Tempo 36 hat es ihn zu Boden gerissen. Vor ihm habe ein Typ abrupt gebremst und drei andere - und eben auch Heiko - den Sturz beschert.

Der Idiot ist weiter gefahren. Hat nicht mal angehalten.

Heiko humpelt und ächzt. Das Rad hat leichte Beschädigungen. Schalten geht in bestimmte Gänge gar nicht mehr. Schultern, linker Arm und Hüfte schmerzen. Dass er unter diesen Umständen das Rennen noch zu Ende gefahren ist, rechnen wir ihm hoch an. Platz 344 von 512 - immerhin!


Und so posen wir für das Siegerfoto, das heute keines ist. Oder bilden wir uns das nur ein?

Kann es nicht auch sein, dass ich mit meinen 2:34 Stunden ganz zufrieden sein darf? Immerhin ist der Erstplatzierte mit 2:19 Stunden "nur" 15 Minuten schneller gewesen, als ich ... Und darf ich nicht auch mit einem Schnitt von 36,4 km/h bei 800 Höhenmetern zufrieden sein?

Immerhin war es mit nur 11 Grad auch sehr kühl - der Grund für meine Krämpfe.

Ich denke schon. Mich wurmt, dass für die Gesamtwertung nichts rausgesprungen ist, aber das ist zu verkraften. Ich darf zufrieden sein und je näher ich dem Ruhepuls komme, desto mehr macht sich auch ein gutes Gefühl breit: Diesen harten, sehr harten Kurs ohne Blessuren gemeistert zu haben und noch dazu meine ganz persönliche Bergwertung zu gewinnen, das ist doch was! Und mal ehrlich: 36 km/h Schnitt ist super - da habe ich schon ganz andere Ergebnisse eingefahren.

Hunger habe ich ...


Mein bester Kindergartenfreund Danny, der mich bis zum Abitur begleitet hat, kommt noch zur Ziellinie. Eine besondere Freude, denn Danny habe ich seit 5, 6, 7 Jahren nicht gesehen. Leider können wir nichts mehr zusammen unternehmen, da die Jungs nach Hause wollen und so muss ich mich wohl oder übel nach einem kleinen 20-Minuten-Schnack von ihm verabschieden.

Wir holen das nach!

Im Hotel angekommen springe ich gleich in den Pool. Wir duschen heiß. Wir speisen noch heißer und 4 Stunden später sitze ich bei meiner Süßen auf dem Sofa und kann ihr berichten von dem, was heute passiert ist: Nicht mehr und nicht weniger als das bisher härteste Rennen im GCC-Kalender.


Hier geht es zum Garmin-Track

9. März 2011

Cervelover 2.0

Saison Nummer 2 auf meinem Rennrad und da habe ich mir so einiges vorgenommen. Im letzten Jahr habe ich denn dann auch nicht nur Blut geleckt, was das Rennfahren angeht, sondern mir auch mit der Gründung des Sunclass Cycling Teams einen Traum erfüllt: Halbwegs professionell im Team antreten zu können.
2011 wird eine eine harte, lange Saison, voll gepackt mit spannenden Rennen und Events. Der Cervelover 2.0 wird in seinem zweiten Jahr eine Menge Prüfungen bestehen müssen und darauf freut er sich.

Zunächst hoffe ich, dass meine neue Trainingsstrategie aufgeht: Inspiriert durch den Winterpokal und gezwungenermaßen durch die technischen Gegebenheiten meiner neuen Tacx Antares, einer freien Rolle, habe ich in dieser Wintersaison mein ausgiebiges Training fast ausschließlich im GA 1 und GA 2 absolviert.

Kaum in den Entwicklungsbereich, nie in den Schwellenbereich vorgestoßen. Das bedeutet, dass ich Anfang der Saison auf eine recht solide Grundlagenausdauer zugreifen kann. Mein Gefühl sagt mir, dass es darum gut aussieht, die Beine fühlen sich stark und gut an. Müssen sie auch - immerhin werden bis Ende der Trainingssaison 250 Stunden Training, also umgerechnet runde 6.500 Rollen-Kilometer (bei einem Mittel von 25 km/h) in meinen Schenkeln stecken.

Und an die 250 Liter Powergetränke ... Na, da hat Nutrixxion aber richtig gut verdient, am Winterpokal. Ob die eine Cross-Marketing-Strategie haben?

Und wie sieht es nun aus, mein Programm 2011? Erst einmal und vor allem steht der German Cycling Cup auf dem Programm.
Ab Mai geht es los: Meine Einsätze für die Sunclass Equipe im Rahmen der BDR Rennserie für Jedermänner beginnen. Es sind 7 Rennen in ganz Deutschland, die ich zusammen mit dem Team bestreiten werde.




Göttingen, 8. Mai
Tour d´EnergieVon den Terrassen



Das Eröffnungerennen dieser Saison soll es in sich haben: "Lasst Euch nicht von den 82 Kilometern Streckenlänge täuschen!", warnen Einige, die dieses Rennen schon einmal bestritten haben. Und Recht scheinen sie zu haben - auf dieser vergleichsweise kurzen Runde sind immerhin fast 1.000 Höhenmeter zu erklettern, einige entfallen auf zwei harte Anstiege wie den "Hohen Hagen", den es zu bezwingen gilt.
Göttingen? Das war mal ein Profirennen. Die Profis kommen lange nicht mehr - bei den Jedermännern erfreut sich das Rennen wachsender Beliebtheit.
Wir freuen uns!




Zwenkau bei Leipzig, 12. Juni
Neuseen-Classics




Rund um die Braunkohle

Hoffentlich wird mich das Rennen nicht allzu schlauchen, denn nach diesem Kurs werde ich direkt am 16. Juni meine große Frankreich-Tour antreten - und da stehen Mont Ventoux, Galibier & Co auf dem Programm. Ob es möglich ist, dieses Rennen zum Formaufbau zu nutzen, vielleicht sogar Form drauf zu legen, wird sich zeigen.

Immerhin 145 Kilometer haben sich die Organisatoren einfallen lassen, und diese dann auch extrem profiliert. Zwar weist das Höhenprofil "nur" 516 absolute Höhenmeter aus - aber das sagt nicht viel, denn diese verteilen sich auf sehr viele kleine, fiese, zermürbende Anstiege und Rampen.

Ich jedenfalls freue mich sehr auf dieses Sommerrennen, zumal die Braunkohlegegend dort unten einen ganz besonderen landschaftlichen Reiz ausübt.




Bochum, 31. Juli
Sparkassen-GiroCriterium de Bochum




Das hatte ich auch noch nie: Einen kompletten Stadtkurs gilt es in Bochum zu bestreiten. Mein erstes Kriterium. 4 Runden á 25 Kilometer muss das Peloton durch die Pott-Stadt absolvieren.

Die Strecke scheint recht flach zu sein, bietet aber so einige Überraschungen. Die Königsalle, auf der sich die Rennfahrer in beiden Richtungen begegnen, wird so manchen Sprint (und ich fürchte, auch so manchen Sturz) sehen. Der Südring, die Wendemarke im Norden, birgt Gefahren, denn hier werden die Rennräder mit Full Speed in die Kurve gehen, um eine weitere Runde zu starten.

Ich bin gespannt, wie sich das Team SunClass auf diesem Kurs behaupten wird - angesichts einiger Blog-Beiträge und Berichte wird mein Fahrstil allerdings von äußerster Vorsicht geprägt sein: Mit 1.200-Watt-Sprinterbeinen bin ich eh nicht gesegnet, also halte ich mich schön aus dem Spitzengerangel heraus.




Nürburgring, 20. August
Rad am Ring




24-Stunden in der Grünen Hölle

Das ist DER Saisonhöhepunkt im Kalender des German Cycling Cup (auch wenn das 24h-Rennen leider nicht in die Gesamtwertung eingeht). Mit unserem 4er-Team der Equipe SunClass werden wir aus unserer Box die 24 Stunden in Angriff nehmen.

Und dabei die legendäre Nordschleife mit all ihren Schönheiten, Tücken und Fiesigkeiten abreiten müssen - und das immer und immer wieder. Die 25 Kilometer lange Strecke birgt wahnsinnige 1.000 Höhenmeter, sie hat mit dem "Fuchsbau" die härteste und schnellste Abfahrt im gesamten Rennkalender: Beiträgen und Filmen zufolge, sind dort Geschwindigkeiten von 80, 90 km/h auf dem Rennrad ganz normal. Furchtlose können dort die 100 km/h-Mauer knacken.
Für uns aber steht zunächst die Frage: Wie koordiniert man ein 4er-Team mit ausreichend Nahrung, Getränken, Massagen, Schlaf und Motivation, um von früh um 9 Uhr bis zur nächsten Frühe um 9 Uhr konstant hohe Leistungen zu bringen?

Wir planen, eine 24-Stunden Live-Übertragung per Webcams und (hoffentlich auch) per Rennrad/Helm-Cams zu installieren - also freut Euch schonmal und bookmarkt Euch www.sunclass-radsport.de - denn in dieser Nacht wird es Einiges zu gewinnen geben. Und viel zu sehen.




Nürnberg, 4. September
Rund um die Nürnberger Altstadt




Hilfe, die Franken kommen!

Einst weilte ich fast jedes Wochenende in Nürnberg - immerhin lebte dort mal meine Freundin. Eine tolle, eine nette Stadt. An diesem Wochenende aber werden Schweiß, harte Beine und viel Fluchen auf dem Programm stehen, denn das Rennen rund um die SEHR bergige Altstadt wird pures Leid verursachen.

Die Veranstalter haben sich 100 Kilometer mit zwei richtig fetten Anstiegen (und einem Gradientendurchschnitt von 7%) einfallen lassen - obschon von der Strecke bisher nur Gerüchte und Kleckerportionen durchsickern konnten.

Trotzdem wird das richtig heiter werden - denn wenn wir eine eher durchwachsenen September bekommen, wird das sehr spannend werden, im Regen die kurvigen Abfahrten zu meistern. Mal schauen.





Rothaus, 16. September
Rothaus RiderMan



Nichts für schwache Nerven

Darauf freuen wir uns am meisten - die 3 Tage von Rothaus sind das einzige Etappenrennen im German Cycling Cup und gelten - nicht nur dadurch - als Klassiker, vielleicht als Legende im Jedermann-Kalender.

Der RiderMan beginnt am Freitag mit einem Einzelzeitfahren über 20 Kilometer. Untenlenker (vielleicht mal mit Tria-Aufsatz üben?) und eine aerodynamisch optimierte Haltung bringen Vorteile auf der Strecke, die durch die Stadt führt. Tour de France-Atmosphäre mit begeisterten Zuschauern garantiert - und auch ein paar Höhenmeter:

Schnelle Regeneration nach dem Höllenritt ist angesagt (also ein Hotel mit Sauna und Massage buchen!), denn am Samstag steht ein Kriterium von 75 Kilometern auf dem Rennprogramm. Es geht auf einigen Runden durch die Stadt. Enge Kurven, dichtes Gedränge und blutunterlaufene Augen werden hechelnd um die besten Plätze für die engen Kurvendurchfahrten kämpfen. Stürze - fürchte ich - werden auch an diesem Tag so einige zu sehen sein.

Und weil alles so schön war, setzen wir am Sonntag noch einen drauf - und der wird es in sich haben, denn es geht raus aus der Stadt und rein in die Berge: 110 Kilometer buntes Auf und Ab auf einer Runde, die zig Höhenmeter und ein ausgepowertes Feld zu bieten haben wird. Wer wird noch wach genug sein, um keine Fehler zu machen?

Ich bin sehr gespannt, wie sich unser Team bei diesem Höllenritt über drei Tage schlagen wird. Und ich packe schonmal einige BCAA-Ampullen zur Regeneration ein ...



Münster, 3. Oktober
Münsterland.GiroCup der LBS




Dank Sparkasse, die einige der Rennen des GCC als Hauptsponsor erst möglich macht, nehmen wir wieder am berühmten Münsterland.Giro teil, der schon 2010 das schönste meiner 4 Rennen war. Eine großartige Landschaft, eine begeisterte Stadt, Unmengen an Zuschauern, die die Straßen in und um Münster säumen und - hoffentlich wie im letzten Jahr - ein grandioses Wetter zum Tag der Deutschen Einheit werden uns ein hartes, aber großartiges Rennen bescheren.

Es geht 140 Kilometer aus der Stadt des Westfälischen Friedens - diesmal angeblich in nord-östlicher Richtung - ins schöne Münsterland. Lang gezogene Hügel und bisweilen härteste Anstiege fordern das Letzte vom Peloton, das sich erwartungsgemäß wieder sehr in die Länge ziehen wird.

Wird es wie 2010, werde ich wohl extrem abgekämpft finishen. Aber dann werde ich wissen, dass ich eine super Saison für das Team SunClass gefahren bin. Und mal sehen, was die Endergebnisse sagen.

Am meisten freue ich mich darauf, unsere Amateurleistungen mit denen der professionell gesponsorten Jedermannteams Roadbike-Alpecin und Nutrixxion zu vergleichen. Nicht zu vergessen ist auch das Hamburger Team Club TdC, die ich im Auge behalten werde.
Vielleicht treffen wir auch alte Bekannte, wie das Team Airbus oder die Deutsche Post?

In allen Fällen: Kette rechts!




Berlin, 22. Mai
Velothon Berlin
Ete macht das schon.




Sicherlich ein Highlight - wenn auch nicht vom Rennen her, so doch eher emotional - wird die Teilnahme am Berliner Velothon, den ich anstelle der Cyclassics fahren werde. Die große Runde um meine Heimat Berin zu drehen, wird hoffentlich ein außerordentlicher Spaß werden!

Da in diesem Jahr Rad am Ring mit den Cyclassics in Hamburg zusammefällt, wird der Velothon meine einzige Großveranstaltung bleiben. Allerdings bin ich über die Nicht-Teilnahme an den Cyclassics gar nicht traurig: In diesem Jahr ist es exakt die selbe Strecke wie 2010, nur anders herum.

Team SunClass ist natürlich vor Ort ...


Dänemark, Ostern
Die Velolsenbande, Teil 2Runde durch Jütland

Tja, und dann hätte ich noch zwei größere Touren im Kalender, die Schleife durch Jütland zu Ostern - knappe 700 Kilometer und in der Mitte steht ein tolles Ferienhaus mit der Familie meiner Freundin. Das wird spaßig, zumal ich mir schon jahrelang die Westküste Jütlands als Reiseziel vorgenommen habe.
2010 - damals noch auf dem Liegerad - habe ich eine Runde mit meinen Jungs abgeritten. Eine tolle Tour, an die ich mich so gern erinnere. Dieses Jahr werde ich wohl als Einzelkämpfer auf dem Cervélo antreten, aber dafür endlich die Westküste sehen. "Olsenbande"-Fans werden wissen, warum ...




Frankreich, Juni
Le Petit BoucleTour de France




Der Höhepunkt aber wird meine eigene Tour de France sein, die Mitte Juni startet. Zwei Wochen ab Nizza zusammen mit meinem SunClass-Mitstreiter Flow.

Wir werden 10 der legendären Pässe abreiten, dabei die brutalen Anstiege in den Alpen beharken, uns die schlimmen Pyrenäen vornehmen, den wilden Ventoux zähmen um dann langsam entlang der Gironde und später der Loire gen Paris auszurollen.

1.300 Kilometer, 11 Etappen - und am Tag des Prologes der echten "Grand Boucle" auf dem Champs Elyseés einrollen. Flows Freund kommentierte seinen damaligen Aufstieg auf den Galibier mit den Worten: "Als ich oben war, habe ich erstmal gekotzt."
Eine Traumtour in jeder Hinsicht, also!


Hamburg, Oktober
Zeitfahren Hamburg-BerlinDie offene Rechnung
2011 wird enden, wie 2010 - nur mit einem Sieg diesmal. Denn ich habe mit dem Zeitfahren Hamburg-Berlin noch eine Rechnung offen! Besser vorbereitet, besseres Teamplay, bessere Ausrüstung und ein härterer Wille wird mich beim diesjährigen Rennen ankommen lassen. Wäre ja gelacht.

Steven, Larsi - Ihr seid (wieder) dabei?

Alles in allem also ein recht voller Kalender. Ich bin gespannt, hochmotiviert und voller Vorfreude.

Würde mich sehr freuen, den einen oder anderen von Euch bei dem einen oder anderen Event zu sehen - drückt mir die Daumen, denn heil, sturzfrei und sicher anzukommen ist noch immer das oberste Ziel.

Au Backe ...

10 Einsätze mit ca. 1.100 Rennkilometern (2010 waren es knapp 350) und etwa 2.000 Tourkilometern stehen auf dem Programm. Fragt sich nur, woher ich die fehlenden 6.900 Kilometer nehmen soll, denn ich will doch so gern auch mal die 10.000 Kilometer Jahresleistung knacken ...?!?

Na, wir finden schon was.

Wie sieht Eure Saisonplanung aus?


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28. Februar 2011

Projekt 1000

"Ein Mann - ein Ziel" - so heißt es doch, oder?

Seit dem 1. November trainiere ich als Teil des Team "Twinterpokal" beim Winterpokal der Website www.rennrad-news.de - und das mit wachsender Begeisterung.

Denn wie, wenn nicht unter Gleichgesinnten die noch dazu in Konkurrenz zueinander stehen, ist man angehalten, regelmäßig und viel zu trainieren? Für mich ist der Winterpokal genau das Richtige, um mich zu motivieren, morgens eine Stunde früher aufzustehen und abends, nach einem langen Tag in der Agentur noch eine, oftmals zwei Stunden auf der Rolle zu trainieren.

Besser als jeder eigene Trainingsplan.

Das System ist so einfach wie genial: Man trainiert für sich allein und trägt dann seine Zeiten in das System ein. So bekommt man für das Radfahren und 60 Minuten 4 Punkte, für 120 Minuten 8 Punkte und so weiter. Alternative Sportarten, wie Laufen, Schwimmen etc. werden auch mit Punkten honoriert.

Na klar - es gibt keine Prüfinstanz, aber wie es mein Teammitglied Olli schon ausdrückte - wer bescheißt, bescheißt nur sich selbst.

Seit dem Start am 1.11. ist ein heißer Kampf entbrannt - die Mitglieder Führungsteams legen sich mächtig ins Zeug, um auf die vorderen Plätze zu kommen, muss man schon bis zu 7 Stunden täglich im Rennradsattel sitzen. Unmöglich für mich. Und doch: Es gibt Fahrer, die mehr als die doppelte Punktzahl von unserem Team haben.

Profis?

Ich selbst komme im Schnitt auf etwa 2 Stunden pro Tag.
Seit dem Start habe ich - mit Stichtag 1.3. - 192 Einheiten mit insgesamt 199 Stunden, also 11.969 Minuten trainiert, das sind 775 Punkte. Nicht übel - und immerhin die Führung in meinem Team.

Und doch - "nur" Platz 206 in der Gesamtwertung.

Mein Ziel ist, die 1.000 Punkte-Marke zu erreichen, damit dann unter die Top 200 und mit dem Gesamtteam in die Top 50 zu kommen.

Oha, ein weiter Weg noch. Denn bis zum Ende der diesjährigen Winterpokal-Saison sind es nur noch 26 Tage. Also noch 225 Punkte. Das macht also bei den verbleibenden 26 Tagen ein Tagesmittel von 8,5 Punkten. Schaffbar, absolut schaffbar.

Dumm nur, dass mir gestern mein Hinterreifen platzt - und ich natürlich keinen Wechselschlauch da habe. 10 Punkte gehen mir verloren. Sehr ärgerlich!

Da sich meine Freundin nun für 3 Wochen im Urlaub befindet, habe ich die Wohnung für mich allein. Und damit auch die Abendplanung. So hänge ich mich also, anstatt romantisch im Sofa zu kuscheln, eben noch mehr rein auf dem Weg meines Projekt 1000 und frage mich nach jeder Einheit, wie zum Teufel es die Führenden schaffen, 2.200 Punkte und noch mehr zu machen?!?

Wahrscheinlich haben die ganz andere Großpackungen als ich gekauft ...


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