9. April 2013

Nationalmartyrium: Bei der Ronde van Vlaanderen

Es ist sechs Uhr dreißig, als mich der Wecker aus einem von leckerem flämischen Krustenbraten in Schwarzbiersoße geschwängerten Traum reißt. Meine Freundin schnalzt genüsslich etwas von „… viel Glück Süßer …“ in ihr Kopfkissen. Sie dreht sich um, steckt ihren Fuß unter meine warme Decke. Die nun frei wird: Ich stehe auf.



"Gut lachen haben" - 6:30 Uhr ein befremdliches Konzept ...

Meine Wetter-App sagt etwas von minus 4 Grad für Brügge. Mich fröstelt, als ich mich anziehe: Dick, dicker, am dickesten ist meine Devise.

Heute ist Flandernrundfahrt.

Am Start - Smoother wirds nimmer

Als die Sonne langsam durch das Fenster unseres Hotelzimmers blinzelt – sie bricht sich myriardenfach in Eiskristallen, die die Unterseite der Scheibe bedecken – glänzt die cremefarbige Lackierung des Jaegher „Interceptor“. Diel Vaneenoghe hat mir dieses Bike für heute ausgeliehen. Stahlrahmen, 25 mm-Bereifung, Stahlspeichen – echte „Hardware“ für „de Ronde“, und der Begriff Hardware trifft es genau.



Mein Bike für heute: Weapon of choice. Jaegher "Interceptor", handmade.

Ich würge mir das Frühstück, das sie extra für uns Cyclo-Teilnehmer ausnahmsweise schon viertel vor sieben beginnen lassen, hinunter. Wie immer, kann ich morgens nicht gut essen. Aber ich muss: Ich bin für die lange Strecke der Flandernrundfahrt eingeschrieben. Wahnsinnige 265 Kilometer stehen in der Marschtabelle. Und siebzehn Hellingen, so nennen sie die maximal 3 Kilometer langen (kurzen?) aber bis zu 25% steilen Rampen hier.

Der Start ist das Entspannteste, das ich je bei einem Rennen erlebt habe, selbst jede RTF beginnt da mit mehr Tamtam. Auf dem Marktplatz von Brügge, den ich bequem in 2 Minuten vom Hotel aus rollend erreiche, ist ein weißer Torbogen aufgeblasen. Daneben spielt eine Band Umtata-Musike. Davor stehen 10, 20 Radfahrer und machen Fotos. Wer will, der kann einfach hindurchfahren, der Chip, den wir alle am Rad befestigt haben, startet das Rennen. 
Wer will, kann aber auch stehen bleiben und auf Freude warten. Oder gucken.



"Französischer Start" in Brügge: Minus 4 Grad.

Ich mache zwei Fotos und fahre an der Blasmusik vorbei. Die Ronde beginnt. 
Aus Brügge hinaus bin ich allein. Was mir ganz recht ist: Das Jaegher-Bike ist mit Campagnolo ausgestattet, mit der ich noch nie gefahren bin, also „übe“ ich ein wenig hoch- und runterschalten. Geht ja ganz gut. Bremstest. Beschleunigen. Alles fein. Ein leichtes, ein agiles Rad. Nicht ganz auf mich eingestellt, aber das wird schon gehen …



Die ersten Meter alleine: Campa testen.

Als ich von der gepflasterten Straße auf eine große Straße mit Asphalt abbiege, holt mich von hinten eine größere Gruppe ein. 20 bis 30 Leute fahren hier – gutes, schnelles Tempo zwischen 30 und 35 km/h. Super. Irgendwo im vorderen Drittel ordne ich mich ein.

Rennen? Ramsauersche Gruppenfahrt mit Radwegbenutzungspflicht.

Die Strecke der Flandernrundfahrt führt uns zunächst nach Roeselare, wo ich bei meinem ersten Besuch hier schon einmal das Rennradsport-Museum besuchen konnte. Fast klarer Südkurs. Starker Rückenwind. Es rollt sich wunderbar.



Aus der Stadt raus: Zweierreihe, streng rechts. Und stetig schneller.

Die Gruppe fährt sehr diszipliniert. Fast alles Belgier, dick eingepackt. Ein paar Italiener. Und ich.
Wir brettern auf dem Radweg entlang. Zweierreihen. 

Ich wundere mich: 16.000 Teilnehmer hat das „Cyclo“ genannte Amateur-Rennen der Flandernrundfahrt, und die fahren hier auf dem Radweg? Und auch wirklich alle? 

Wir schießen auf den ersten Kreisverkehr zu – bremsen, bremsen, bremsen – fast bis zum Stillstand, dann zirkeln wir in Spazierschrittgeschwindigkeit über die Radwege um den Kreisel herum. 
Ich schüttele verwundert meinen Kopf: Wirklich keiner hier fährt auf der Straße. Dabei wäre unser kleines Peloton groß genug?



Straße frei & einsam - wir auf dem Radweg. Häh?

Weiter geht es. Beschleunigen. Und wieder 30, 35 km/h. Auf dem Radweg. 
„Na hossa“, denke ich mir, „265 Kilometer auf Radwegen, das kann ja was werden …“ 

Der Asphalt lässt auch wie in Deutschland zu wünschen übrig. Viele Schlaglöcher, sehr grobkörnig, oftmals Betonplatten, in deren Fugen eine Katze ihr Nest bauen könnte. Immer wieder Notbremsungen, immer wieder halsbrecherisch um die Löcher zirkeln – warum nehmen wir nicht die Straße, herrgottsakra?

Trinken ist schwierig – der Radweg ist nur einen Meter breit und bei den Manövern hier möchte man jederzeit seine Finger an den Bremshebeln haben. Ich wage es trotzdem, lasse kleine Lücken Sicherheitsabstand und kann sogar ein paar Fotos schießen.

Meine liebsten Feinde - Wind, Frost und Hügel

Flandern ist kalt an diesem Samstagmorgen. Noch vor einer Woche waren 14 Grad und Sonne angesagt. Ein Witz. Zwar sind es jetzt vielleicht nur noch -2 Grad, aber es liegt eine dichte, nassfrostige Nebelsuppe über gefrorenen Feldern, mein Gesicht – unter einer dicken Schicht Ringelblumensalbe – sammelt Wasser im Bart, das mir stetig in den Schritt tropft.



Es ist verdammt kalt!

Ich bin warm angezogen: Zwei lange Unterhemden, meine lange, gefütterte Rennradkombi (samt Po-Polster), ein kurzes Trikot, eine Windweste und die Lange Cervélo-Jacke schaffen es so leidlich, die Wärme, die ich hier produziere, am Körper zu halten. Zwei Lagen Handschuhe (kurz und lang) bedecken meine Hände, unter meinem Helm habe ich eine dick gefütterte Gore-Kappe aufgezogen und unten schützen ebenso dick gefütterte Gore-Überschuhe meine Füße.

Trotzdem ist es kalt – der Fahrtwind (wow, die brettern hier aber echt krass lang für diese Distanz!) schafft es irgendwie doch, sich seinen Weg durch die Nähte zu suchen. Als erstes fangen schon ziemlich schnell meine Zehen an zu frieren, trotz zweier Lagen Strümpfe, von denen ein paar „Thermo-Socks“ von Castelli sind.



Ich zeige mich auch mal vorn: Einzelfahrer einsacken.

Schnell vergeht die Zeit. Ich trete und zittere mich die ersten paar Dutzend Kilometer gefühlt flink zur ersten Verpflegung.

Bis Roeselare passiert wenig. Auf den Geradeausstücken – Radweg, versteht sich: Ramsauer würde sich freuen, über so viel disziplinierte Rennradler – bollern wir mit, wie ich finde, viel zu hoher Geschwindigkeit entlang. Aber scheinbar bin ich hier in einer Gruppe, die nur die 133 km-Strecke fahren, da fände ich diese Speed angemessen. Oder die sind hier alle so super trainiert, dass sie auch die lange Strecke machen können.

Ich rolle jedenfalls schön im Windschatten mit, muss nicht übermäßig viel arbeiten, außer nach den – etlichen! – Kreisverkehren und Kreuzungen, wenn das alte Beschleunigungsspiel losgeht. Dann ziehen sie ab, wir brechen die 40, 45 km/h, nur um dann wie eine Zieharmonika wieder langsamer zu werden.



Erste Pause in Roeselare - "Überfüllt" ist untertrieben.

In Roeselare kommen wir dann zur ersten Pause auf dem vollkommen überfüllten Marktplatz vor dem Radsport-Museum an. Hier gibt es Verpflegung (dickes Gedränge) und Toiletten (Wartezeiten bis 20 Minuten). Ich greife mich durch einige Reihen Rennradler hindurch ein paar Bananen, esse eines meiner mitgebrachten Gele. Knapp 70 Kilometer stehen auf dem Garmin. Ich verpasse leider, die Lap-Taste zu drücken – die durchschnittliche Geschwindigkeit hätte mich bis hierher mal interessiert.


Manche sehen hier schon recht fertig aus ...

Ich gehe keine 5 Minuten nach Ankunft wieder auf die Strecke. Wieder erst allein, dann kommt von hinten eine Gruppe, an die ich mich ran hängen kann. Bis Roeselare geht es mir prächtig: Meine Beine fühlen sich wunderbar an, ich kann die Speed gut halten, kann die Tempospitzen immer wieder gut mitgehen – de Ronde ist bis hierher ein Kinderspiel.

Das ändert sich jetzt allerdings.

In Flanderns Mahlwerk

Meine neue Gruppe erweist sich als Wahnsinnspack. 

Etwa 10 Fahrer und Fahrerinnen, die dieselben Vereinsklamotten tragen, wechseln sich an der Spitze ab. Sie bolzen richtig Tempo! Wenn ich meine erste Gruppe schon als schnell empfunden habe – die hier sind einfach Wahnsinn. Fast komme ich mir vor, als fahre ich wieder die Neuseen Classics im German Cycling Cup, ein ähnlich schnelles Rennen.

Wow, was für ein Tempo! Immer wieder überholen wir Einzelfahrer oder Zweier- und  Dreiergruppen. Noch gebe ich mich der Illusion hin, dieses Tempo mitgehen zu können. Als allerdings die Strecke von dem komfortablen Südkurs abweicht, kommt der Wind richtig schön fies von der Seite rein: Windschatten gibt es auf den Radwegen keinen mehr, Windstaffeln gehen hier auf 1 m Breite auch nicht – nun heißt es arbeiten!



Ich muss abreißen lassen.

Zum ersten Mal in diesem Rennen geht mein Puls steil nach oben, fangen die Schenkel zu brennen an, stoße ich heftig trockenen Atem aus. „Das ist wirklich zu schnell!“, merke ich sofort und lasse die Gruppe ziehen, als wir wieder im Begriff sind, ein paar Einzelfahrer zu überholen. „Wow, wenn die das Tempo durchziehen – alle Achtung!“, schaue ich den hellblauen Trikots hinterher, die sich in Windeseile entfernen.

Rausnehmen. 
Langsam. 
Ruhig kurbeln – ich habe noch über 150 Kilometer vor mir. 



Schön: Kälte, Gegenwind, allein. 

Allerdings sind mir die drei Herren, in deren Begleitung ich jetzt radle, auch wieder zu langsam. Also als Einzelfahrer.

Der Wind ist ätzend! Es geht die ersten Hügel rauf und runter – jetzt wenigstens auf kleinen Nebenstraßen ohne Radwege – und immer wieder zerren kalte Böen an meinem Rennrad, immer wieder, hinter Kurven oder wenn man aus einem Dorf heraus kommt, bremst der Luftdruck des Windes abrupt ab. Frustrierend: Wie eine Fahrt am Hamburger Deich bei Tiefdruck.



Pinkelpause mit Aussicht: Da hinten ist die erste Helling.

Ich mache eine erste Pinkelpause hinter einem Busch. Als ich mich daraufhin wieder an eine größere Gruppe heran hängen möchte, merke ich, dass ich auf den ersten Kilometern mehr Kräfte gelassen habe, als mir lieb war: Ich kann in der Ebene gut mithalten, in den kurzen Bergaufstücken der Hügel, die sich nun aneinander reihen, werde ich regelmäßig nach hinten durchgereicht. Und dann abgehangen.

Zwischenspiel mit Leidensprüfung.

Nun beginnt der frustrierende Part. Bei Anzegem wird die Ronde van Vlaanderen endgültig zur Ronde: Die ersten Pflastersteinpassagen – in Belgien „Kasseien“ genannt – geben einen Vorgeschmack auf das, was da noch kommen wird. 




Schön mit 30, 35 km/h rüberpolken. Carbon adé.

Immer wieder zuckt die Strecke mitten in den Wind – mehr als 22, 23 km/h kann ich dann nicht mehr treten. Immer wieder zwingen die Hügel mich jetzt dazu, auf das kleine Blatt zu schalten. Das Jaegher hat eine Kompaktkurbel. Da ist das kleine Blatt bei Anstiegen von 2, 3 Prozent schon eher peinlich. Aber was soll ich machen?


Das nächste mal mit Buff - Brrrr, ist das kalt!

Mir ist kalt. Klirrekalt. Unbemerkt ist die Kälte die Arme hochgekrochen und ich fühle nur noch Eiswürfel an meinen Oberarmen. Die Schultern schmerzen durch den Frost. Meine gefütterte Kappe – schweißgetränkt – ist am Einfrieren, vor allem dort, wo hinten der Fahrtwind durch den Helm zerteilt meinen Kopf umströmt, scheint es einen 10 cm großen Punkt zu geben, wo sich aller Frost konzentriert – es schmerzt höllisch am Hinterkopf, diese Kälte!


Das Tempo zieht an: Gleich kommen die Hellingen!

Dazu meine Zehen – so gut die Überschuhe auch bei niedrigen Plusgraden dämmen, gegen diese Eiseskälte, dazu den Fahrt- und den Gegenwind, es hilft nichts! Ich mache Gymnastikbewegungen im Schuh, um die Zehen vor dem Einfrieren zu schützen. 

Großes Mimimi hier, mitten im Nirgendwo.

Wenigstens kommt jetzt ab und zu die Sonne heraus. Aber anstatt zu wärmen, lässt sie den Frost auf den Feldern und den Straßenbüschen nur noch gespenstischer aussehen. 
Elende Kälteeierei!

In Oudenaarde - ich werde aussteigen

Ich versuche schon gar nicht mehr, an den Gruppen, die mich immer mal wieder überholen, dran zu bleiben. Meine Moral ist am Boden, die Beine scheinen keine höheren Wattzahlen mehr zu erbringen. Zudem habe ich das Gefühl, dass, egal in welche Richtung die Strecke abbiegt, nun irgendwie immer Gegenwind vorherrscht. Und das ist kein Lüftchen, das hier weht – die Flaggen der einzelnen Fans, die hier an den spannenden Stellen stehen – stehen senkrecht im Luftstrom.

Hier irgendwo bei Kilometer 90 - kurz vor Oudenaarde - beschließe ich es: Ich werde nur die kleine Runde fahren. 265 Kilometer, das ist ein Hamburg-Berlin. Und selbst ohne Kasseien und Hellingen fahre ich HHB höchstens am Ende einer Saison. Und das auch nicht mit einem 26er Schnitt, so wie das Ding hier heute.


Endlich: Oudenaarde - Gnadenschuss für mich, bitte!

Endlich in Oudenaarde angekommen (jetzt geht das wilde Gezacke über die Hellingen los!), es stehen 128 Kilometer auf meinem Garmin, rufe ich meine Freundin an: „Ich bin in 5 Kilometern im Ziel … schaffe nur die kurze Runde … hole mich bitte ab.“ 
Bevor sie sich wundern kann lege ich auf. 
Neue Kraft durchströmt mich allerdings auch, jetzt, wo das Ende absehbar ist.

Ich werde natürlich nicht die richtige 133 km-Strecke fahren können. Denn dafür hätte ich viel früher vom langen Kurs abbiegen müssen. Die 133 km führen über 14 der 17 Hellingen. Jetzt werde ich nur eine Einzige gefahren sein. Bei Kilometer 133 entscheide ich mich, als zwei Pfeile mir die Wahl lassen: Lange Strecke oder kurze Strecke?



Das bergauf-bergab auf den Pflastersteinen zieht Körner!

"Ach, was solls?!", denke ich mir. Ich biege auf die Lange ab. „Wenigstens den Koppenberg will ich fahren!“, sage ich mir. Wenn ich schon einmal hier bin, dann will ich doch wenigstens mal rudimentär erschnuppert haben, was es heißt, die bis zu 25 % steile Steigung zu erklimmen. Die erste Helling, der Tiegemberg, war ja nur 9,5 % steil bei 700 Metern. Nee, davon kannste noch keinen Heldenepos singen, denke ich mir. Aber so ein Koppenbergchen ... 

"Au weia, das wird weh tun!", freue ich mich schon.

Kasteien auf belgischen Kasseien

Eins mal vorneweg: Ich hatte keine Ahnung, was es heißt, Kopfsteinpflaster zu fahren, bis ich hierher zur Ronde gekommen bin. 
Sicher, manche Rennen in Deutschland, auch einige in Italien, bieten immer mal wieder – auch bis zu einige hundert Meter – Kopfstein an. Aber das alles ist nichts, wirklich nichts gegen das, was die Belgier da im Boden Flanderns im Angebot haben!



Tortur für Mensch und Rad: Belgisches Pflaster.

Die Steine sind groß, nur grob behauen, nicht abgerundet wie in Deutschland. Ungeschützte Mantelflanken werden hier aufgeschlitzt wie nichts – keine der Kasseien passiere ich, ohne nicht auch mindestens vier, fünf Leute am Straßenrand mit kaputten Schläuchen und Mänteln an ihren Laufrädern hantieren zu sehen.

Ich selbst fahre extra verstärkte Schlauchreifen, Diel weiß schon, was die Ronde bedeutet, bräuchte mir also keine Sorgen zu machen. Bräuchte … 

Aber als das Jaegher dann das erste Mal mit richtig Speed auf die Pflastersteine prallt, fliegt mir fast die Kinnlade vom Schädel: „Schei….!“, will ich fluchen, muss aber blitzschnell mit aller Kraft den Lenker greifen, fest zupacken, als die kindskopfgroßen Wackersteine drohen, mir die Gabel um die Ohren zu hauen.

Alter Schwede, was ist das denn?!? 



Helm auf zum Gebet - belgisches Pflaster ist die Hölle!

Mir reißt es fast den Rahmen zwischen den Beinen weg, um mich herum rumpeln Carbonrahmen an der Splittergrenze wie MG-Dauersalven. Kriegsgebiet, eine Soundkulisse wie in einem Film über Tschetschenien. 

Ich kann nur halbwegs die Spur halten, immer wieder treiben mich die Pflastersteine auf andere Kurse, immer wieder springt das Vorderrad in eine andere Richtung – unten hämmert mir der Sattel immer wieder in den Steiß, dass da selbst die härteste Darkroom-Orgie im Berliner "Stahlrohr“ nicht mitkäme – und oben tanzt mein Hirn Pogo im Takt eines Speedmetal-Liedes an die Schädelwände. 
Mir schwirrt der Blick, gleich springt mir hier bestimmt ein Augapfel aus der Fassung, zum Glück ist meine Brille so fest eingestellt, schon fliegen mir zwei gelbe Trinkflaschen meines Vordermannes um die Gabel.



Sieht nicht so schlimm aus? Einfach mal ausprobieren!

Es ist eine Tortur vom Allerfeinsten. Atmen geht nur stoßweise, schalten kann ich vergessen – fest umklammert muss ich den Lenker halten, einmal locker lassen und ich segle hier mit einhundertprozentiger Sicherheit auf die Steine.

Nichts, absolut nichts bisherig Erfahrenes kann es mit diesen belgischen Pflastersteinen aufnehmen! 

Gegen die flandrischen Kasseien sind selbst die tiefsten brandenburgischen Dorfdurchfahrten (wo der Aufbau Ost auch 22 Jahre nach der Wende noch nicht hinkam) wahrer Flüsterasphalt, gegen diese Steinigung sind selbst die miesesten italienischen Schlaglochpisten Luxusausfahrten.

Meine erste Passage sind keine eintausend Meter – als ich am Ende wieder Asphalt unter den Pneus habe, muss ich mein Herz herunter kommen lassen, durchatmen, den Schieleblick gerade stellen: „Fuck, war das Scheiße!“, stöhne ich, und bin fasziniert, ganz aus dem Häuschen. 



Den will ich wenigstens geritten sein ...

Um mich herum strecken und recken sie sich. Was für eine tolle Entscheidung, doch noch weiter auf der Strecke zu bleiben …

K(l)otzen am Koppenberg - die spinnen, die Belgier!

Die folgende Fahrt zum Koppenberg dauert keine 10 Minuten. Ich bin mit wenigen Einzelfahrern allein. Wir verlassen Oudenaarde und irgendwann taucht er links neben mir zwischen Feldbüschen auf: Der Koppenberg. Fern sehe ich Autos die Steigung hinauffahren: Im Schnitt 11,6 % steil, am steilsten Stück 25 %.


Zufahrt zum Koppenberg - noch auf Asphalt.

Unten am Hinterrad dreht eine „Rennkassette“ im Freilauf: Zwar fahre ich vorn Kompakt, aber hinten sieht mir das nach 11-25 aus. Eher nix für 25 %. Aber die Neugier treibt mich – wenigstens diese eine, diese eine berühmteste Helling will ich meistern!



Sieht ganz "süß" aus., oder? IST ES ABER NICHT!

Dann biege ich links ab. Kopfsteinpflaster. Zufahrt zum Berg. Es geht leicht bergab. 
Und wieder geht das Martyrium los: „Ja den Druck auf der Kette behalten!“, denke ich mir und trete rein. Die Hände fest um den Lenker gekrallt, versuche ich wie die Profis, die Außenseite – wo es auf Eurosport-Übertragungen immer so leicht aussieht – zu bleiben.

Fehlanzeige. Auch in der Mitte, wo sich die Steine leicht bauchig nach oben wölben, gibt es keinen spürbaren „Komfortgewinn“ für mich. Das Stahlrennrad verhält sich zwar hervorragend – obschon es nicht so über den Asphalt "fliegt", wie es auch die Eurosport-Kommentatoren immer gern erzählen – aber es behält stur und steif seine Bahn, auch wenn allzu harte Staucher und Schubbser von den Findlingen unter mir es stetig umwerfen wollen.


Die letzte Kurve vor dem Koppenberg.

Es werden alle Knochen gerüttelt, ich fühle, wie die Patella im Kniegelenk schlottert, mein Helm hämmert auf den Schädel ein, alle Muskeln schlackern gerade so, als habe ich alle Schrecksekunden eines Menschenlebens auf einen Schlag erleben müssen – Erdbeben, Richterskala 9,9. Mindestens.



Das mal live zu sehen - Atemnot schon von Weitem!

Als ich um die nächste Kurve biege, taucht sie auf einmal vor mir auf – die Wand. 
Unglaublicher Anblick! 
Ich stoppe, um ein, zwei Fotos zu machen und merke, dass mir die Kette vom Blatt gesprungen ist. „Immer unter Zug halten!“, ja, so ist das!

Die 14 % meines Hamburger Wasebergs sind schon ein imposanter Anblick, wie ich finde. Oder die 11 % im Endstück des Tourmalet. Aber definitiv kein Vergleich zu dem, was sich hier vor mir auftürmt: 19, 22 und dann 25% im steilsten Stück – irrsinnig, hier einen Begriff für zu suchen. „Wand“ oder „Senkrechte“ sind Untertreibungen. 



Hier sinds "nur" 14, 15% ...

Oben schieben sie alle. 
Alle.
Ich friemel die Kette auf das kleine Blatt.
Und ab gehts.

Unten habe ich keine Probleme. Ich achte darauf, um mich herum keine anderen Fahrer zu haben. Falls hier einer umkippt, reißt der mich womöglich noch mit um. Und in dieses, mir mit „Ist null Kilometer gefahren“ übergebene Bike im Wert von 5.000 € möchte ich sicher keine Sturzspuren machen!



Weiter oben im "Flachen" kann man wieder fahren.

Sicherheitskräfte rufen „Stay left!“ in einer Tour. Sie wissen schon, warum. Von hinten rauschen ratternd die Könner heran: Während ich gewohnt langsam (auch wegen der fehlenden Bergritzel) nach oben krieche, dabei jeder Pflasterstein, meist glitschig, mich versucht, aus der Bahn zu werfen, reiten sie mit höchstem Druck und maximaler Speed hier hoch. Es ächzen Tretlager, es rattern Laufräder und knarzen die Knochen.

Bis zum Mittelstück ist alles fein. Dann zieht es mächtig an. 22 Prozent! Ich bin mal 21 Prozent in Italien gefahren, das war die Hölle. Und da hatte ich glatten Asphalt. Hier zirkele ich und torkele ich um grobeckige Steinklötze, hier schreien und brüllen die belgischen Fans am Abhang ihre (mit Sicherheit fiesen) Kommentare in meine Ohren, hier zerre und ränke ich am Columbus-Geröhr. 



Ganz so voll war es bei mir nicht: Die Fahrer der 89-km-Ronde.

„Fuck!“, presst es aus mir heraus, als ich das Steilstück erreiche, funfundzwanzig Prozent, ich sehe nur noch Steine vor mir, links überhole ich einen, der Absteigen muss, muss rechts raus: „Not here! Not here!“, brüllen ein paar Kerle, zu spät erkenne ich, warum: Ich fahre mitten in eine schwarze Schlammpfütze, ein Streckenposten keift: „Stay left! Riders behind you!“, ich panike, höre, wie sie von hinten heran reiten, dann drehen mir die nassen Reifen durch, mein Vorderrad verkeilt sich zwischen zwei Steinen – das wars, ausklinken, absteigen.




Der helle Wahnsinn hier!

„Stay left!“, brüllen sie in einer Tour in mein Ohr, die Cleats rutschen mir weg – scheiße, selbst laufen geht hier nicht!

Irgendwann bin ich ganz links, drehe mich um: Und sehe, dass sie hinter mir alle laufen. 



Schade, dass die Kamera keine 25% einfangen kann!

Das Spektakel des Scheiterns ist grandios, der Anblick in seiner grotesken Brutalität nicht zu schildern. 
Wie Lemminge reiten sie von unten her – den Sieg fest im Blick – heran, nur, um einige Meter später stecken zu bleiben. Wie Wespen auf Honig, förmlich, reihenweise springen sie von ihren Rädern, einige schaffen nicht mal das, fallen einfach um. Großes Gewusel, wildes Gebrülle – eine Riesengaudi für die Zuschauer. 




Am Koppenberg ist großes Kino. Alter Verwalter!

Was hier wohl an neuen Rahmenkäufern heute generiert wird?

Ich mache ein paar Fotos, schüttle angesichts dieses Massakers meinen Kopf und schiebe etwas weiter hoch, wo ich mich bei „angenehmeren“ 10, 12% Steigung am Zaun abstützend wieder einklinke und den Koppenberg zu Ende fahre. Oben warten die Sportografen. Wissentlich hier postiert: Keiner will ein Foto von sich, wie er schiebt …

Mein neuer liebster Feind - Kopfsteinpflaster

Noch immer auf Kopfstein, werfe ich mich in die Abfahrt, wo der wahre Wahnsinn beginnt. 
Ist es bergauf durch Technik noch kontrollierbar und das Gerüttel zu ertragen, weil man eh im Wiegetritt im Pedal steht, und ist es in der Ebene noch halbwegs ertragbar (naja, eigentlich nicht), so ist die Abfahrt eigentlich purer Selbstmord: Mit 40, 45 – manche mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten – geht es hier bei 9, 10, 12 % Gefälle wieder bergab.



Über den Berg? Jetzt gehts erst richtig ab!

Ich überhole einen, der anhalten muss, weil ihm durch die Vibrationen der Helm bis unter die Nase nach vorn gerutscht ist. Bizarr. Noch nie gesehen, sowas. 
Ich komme allein an der Abfahrt vom Koppenberg an bestimmt 20 verlorenen Trinkflaschen vorbei.

Abgesehen davon, dass ich weder Schalten kann – muss ich ja Druck auf der Kette beibehalten. Also noch mehr treten. Also noch schneller. Es haut mir die Knochen im Körper durcheinander gerade so, als hieße ich Private Paula und bekäme eine Tracht Prügel (die Seife-in-der-Socke-Szene, Ihr wisst schon …). Unglaublich, hier Kurven zu nehmen – undenkbar, hier bei Regen herunterzupolken! 

2.200 Meter dauert es, unfassbare Schmerzen in Händen, Beinen, Rumpf, Kopf, Augen. 
Endlich erreichen wir das nächste Dorf – ich bin zu geschockt, um zu denken, fahre einfach weiter.

„Nächste Helling Steenbeekdries“, steht da. Eigentlich wollte ich doch nur den Koppenberg fahren. Aber ich kann irgendwie nicht umkehren! Als wieder Kopfsteinpflaster anfängt, kann ich weder bremsen noch umdrehen noch überhaupt klare Gedanken fassen – also auch diese Helling hoch. 



Irgendwie kann ich nicht aussteigen.

Die ist gottseidank nicht so steil – 6 % im Schnitt, 7 % in der Spitze – und auf der anderen Seite wieder im belgischen Harakiri herunter.

Wie kann man so etwas nur mögen?
Gerne machen?
Immer wieder tun?

Irgendwann, wir kommen wieder durch ein Dorf, biegen wir zur nächsten Helling ab. Hier stoppe ich. Aus. Vorbei! Das war es! Keinen Meter mache ich diesen Wahnsinn mehr mit – unfassbar, wie brutal das ist. Und das nach 140 Kilometern „Anreise“ bei Cuxhafener Sturmverhältnissen! 




Jetzt reichts mir aber!

Wie soll ich denn so bitte noch 14 Hellingen und – wieviel? – 11,3 Höllenkilometer auf diesem scheiß Pflaster machen? Nee, lass mal, nee, das reicht! Ich halte an und werfe mein Navi an: Autorouting nach Oudenaarde zum Ziel.

Geschlagen ziehen wir nach Haus´ ...

Das erreiche ich eine knappe Stunde später. 
Das Garmin schickt mich noch einmal über eine Helling (zwar asphaltiert, aber nicht minder steil). Etliche Straßensperrungen provozieren Umwege. Aber irgendwann durchquere ich endlich den Zielbogen. 

Applaus. Auch für mich. Nein, den will ich nicht: 265 km geplant, 150 km gemacht. Mir fehlen 115 Kilometer. Und 14 Hellingen. Applaudiert lieber den – und das sind sie wirklich – Helden, die diese krasse Strecke meistern, die sich Koppenberg, Kwaremont, Paterberg & Co gestellt haben, und die es geschafft haben.


Phuuh, da hinter den Berg ... da muss ich noch hin.

Ich hier, ich bin heute nur eine flottere RTF gefahren und drei Hellingen mehr schlecht als recht überlebt. Mir braucht ihr nicht Beifall zu klatschen.

Meinen Gutschein – ein Ronde-Buff für jeden Finisher – löse ich nicht ein. Ich finde, ich habe das nicht verdient.

War die Flandernrundfahrt zu hart für mich? Definitiv ja! Die lange Strecke wäre auch ohne Hellingen aufgrund ihrer Distanz schon krass genug gewesen. Das miese Wetter – im Schnitt sagt mein Garmin, waren es -2 Grad kalt, „gefühlt“ -5 Grad – und vor allem später der ekelhafte Gegen- und Seitenwind haben es erschwert.



Meine letzten Kilometer Ronde - Hügel-Hölle gucken.

Aber dann noch siebzehn Hellingen zwischen 11 und 22 % Steigung im Schnitt mit einer Gesamtlänge von 11,3 Kilometern und 1.700 Höhenmetern auf diesem suizidalen Pflasterstein zu machen – inklusive der Highspeed-Torturen bei Abfahrten und Flachstücken – das gibt den Rest.

Zu hart? 
Hölle, ja!

Hätte ich die 133 km mit weniger Flachstrecke und 15 Hellingen geschafft? Vielleicht. Ja, ganz bestimmt. Aber 265 km sind einfach eine, ach was sage ich, sind einige Nummern zu hart für mich. Hut ab vor allen, die das schaffen!


Mir hätte schon die Pastaparty zu denken geben müssen, als ich Stefan Löffler kurz kennenlerne. Der Redakteur für das Rennrad-Magazin wird eine Reportage über diese Ronde für Amateure schreiben. Er war für die 133 km-Strecke eingeschrieben.

Fazit: Freude und Leid in Flandern

Am Ende Blicke ich auf eine unvergesslich brutale, eine wahnsinnig schöne, extrem anstrengende und auf jeden Fall empfehlenswerte Zeit in Flandern zurück. Ich weiß jetzt sicher, dass diese Art von „Klassiker“ so gar nicht meins ist – Ronde, Gent-Wevelgem oder auch Paris-Roubaix werden sicher niemals meinen Namen in den Starterlisten finden. 

Pflastersteine – nein, die meide ich schon immer. Jetzt, da ich die Brutalo-Brüder der deutschen Steine kenne, noch mehr.

Nichts desto trotz: Ein beeindruckendes Erlebnis, das nur noch beeindruckender wird, als ich am Sonntag danach mit noch brennendem Hintern und nachvibrierenden Knochen die letzten 70 Kilometer der Profis und das fantastische Finish von Fabian Cancellara sehe.




Brügge hat mehr zu bieten, als diese - zugegeben ultraleckeren - Frittiersachen.

"Naja", denke ich mir, "vielleicht komme ich doch noch mal her und mache alle Hellingen der Ronde." Aber das auch nur als Trainingsausfahrt ohne Renn-Feeling, definitiv ohne 140 km Anritt auf der Windkante und definitiv auch nur auf einem Stahlrad.

Apropos ... Ein großes Dankeschön an Diel Vaneenoghe, dass er mir sein Jaegher Interceptor anvertraut hat: Es war die Waffe der Wahl, ich hätte mir hier heute mit meinen 23 mm-Carbonspeichen mindestens einen Laufradschaden geholt, sicher! 
Danke auch an Tourismus Flandern, die mir für das eigentlich schon ausgebuchte Rennen einen Startplatz besorgt haben – ich hoffe, meine 150 km 6 Stunden Martyrium sind keine Schande für Euch. 

Für mich sind sie es jedenfalls nicht: Der Trainingseffekt ist beachtlich, ich habe sehr viel gelernt und mit knappen 26 km/h doch noch einen guten Schnitt für diese Wind-Kälte-Kasteiung hingelegt.


Ronde van Vlaanderen - ein paar Überlebenstipps

Die Flandernrundfahrt wird nicht umsonst als "Hölle von Flandern" umschrieben und - obschon ich nur die Hälfte mitbekommen und den wirklich spaßigen Part zum Großteil verpasst habe - ich kann das komplett bestätigen. Trotz meines 50%-Finishs, hier drei ultimative Must-have-Tipps für alle, die sich auch mal an "de Ronde" wagen wollen:

1. Steel is real!

Ich werde noch einen ausführlicheren Blog-Post zu meinen Erfahrungen auf dem Jaegher Interceptor schreiben, aber eines kann ich schon mit Sicherheit sagen: Carbon-Rahmen leiden Höllenqualen auf den Pflastersteinpassagen und solange ich keinen Sponsor oder ein paar von den Dingern zuhause herumliegen habe: Stahl oder Alu ist das Material der Wahl.

Das gilt insbesondere für die Laufräder!

2. Auf dicken Dingern leidet es sich besser.

Apropos Laufräder - verzichtet ja auf die Standard-23mm-Rennmäntel und zieht schöne, dicke 25mm-Schlappen auf, gern etwas profiliert, denn es wird matschig. Die dickeren Mäntel federn besser die Schläge ab (naja ... "abfedern" ... hihi) und überbrücken besser die breiten Fugen zwischen den Steinen.



Krasser ist (wohl) nur noch Paris-Roubaix

Zudem reichen (je nach Gewicht) 6 bis 7 Bar Luftdruck vollkommen aus - es sei denn, Ihr steht auf ordentlich Popoversohlen.

3. Handschuhe & Lenkerband

Ich hatte zwar schöne, dicke lange Handschuhe mit Polster und kurze Radhandschuhe mit Polster, trotzdem hatte ich nach den Kopfsteinpflasterpassagen das Gefühl, meine Finger verloren und sämtliche Handgelenksknochen durcheinandergewirbelt zu haben.

Also wickelt Euch lieber eine zweite Lage (gern gelgepolstertes) Lenkerband um die Steuerhörner.
Nebenbei: Ich hatte zwei Radhosen samt Polster an. Und war heilfroh!

4. Die Flandernrundfahrt ist wirklich hart!

Auch wenn Renntempo und Streckencharakter (bis auf die Hellingen und Kasteien) eher an eine RTF erinnern mögen - Wetter, Wind und vor allem eben jene Hellingen sind extrem hart.

Auch wenn Ihr sonst locker 250+ km fahren könnt - Flandern setzt da echt noch mal einen drauf. Also vielleicht lieber die "kurze" Strecke wählen - da habt Ihr auch alle Hellingen und müsst nicht vorher 140 km gegen Sturmböen und Minusgrade kämpfen.





Qualen oder richtige Qualen? Die Qual der Wahl ... 

Wer allerdings mal echtes Profifeeling haben möchte, der sollte die lange Strecke nehmen, denn die ist bis auf das Finish die exakt dieselbe.

Am Ende ...

Ansonsten - viel Spaß, wenn Ihr das auch einmal ausprobieren mögt. Und das Beste daran, wenn Ihr es geschafft habt, oder auch nicht, einfach am nächsten Tag mitsamt den hundertausenden verrückten Fans am Straßenrand stehen und bei Bier und Pommes den Profis zuschauen - der helle Wahnsinn!



Trostlos? Belgischer Frühjahrsklassiker!

Brügge ist eine wundervolle Stadt, immer eine Reise wert und so toll, dass selbst Eure Freundinnen und Frauen gerne mitkommen werden: Shopping, lecker essen, Spazierengehen und mit allen Sinnen diese tolle Stadt genießen, während Ihr Euch den Popoversohlen lasst.

Ein Träumchen.



Hier gibt es die Garmin-Stats meiner halben Flandernrundfahrt.

Und dann noch: Grüße an Brian & seine Frau in Augsburg :-)

28. März 2013

HFmax, Schwelle & Co., oder: Die Herzfrequenz aus der Leistungsdiagnostik im Realitäts-Check

Einer meiner geschätzten Leser schreibt mir vor ein paar Tagen als Reaktion auf meinen Blog-Post vom Einsatz beim Gran Fondo La Sagrantino: "Dein Durchschnittspuls von 160 Schlägen pro Minute wundert mich: Frage doch mal deinen Diagnostiker, was er davon hält. Ich kenne einen Sportmediziner der sagt, dass oftmals der gemessene Puls bei solchen Rennen sinnvoller zur Bestimmung der Schwellenwerte ist, als die Untersuchung im Labor."




Leiden im Anstieg: Herz auf Hochtouren!

Interessanter Einwand, denke ich mir, und schaue mir interessenshalber erst einmal die Garmin-Auswertungen meiner bisherigen Rennen an - wie ist denn so mein Durchschnittspuls bisher?

Die durchschnittliche Herzfrequenz im Rennen

Seit dem ich mein Garmin Edge 800 mit Pulsgurt betreibe, fahre ich bei den großen Rennen wie auch bei längeren Trainingseinheiten mit Pulsmessung. Leider befinden sich erst 19 dieser Einsätze mit HF in der Connect-Plattform, für eine erste Auswertung aber sollten diese erstmal reichen.




Erst 19 Datensätze - mir aber fürs Erste ausreichend genug

So übertrage ich diese Werte in eine Tabelle und ermittle für drei Rennkategorien meine durchschnittliche Herzfrequenz bei Belastung: Puls bei einer "schweren Dauerbelastung", also Rennen und Trainings-Einheiten ab 4 Stunden oder 170 km Distanz. Dann Einsätze mit "mittlerer Belastung" bei unter 3 Stunden andauernden Events bis 170 km und schließlich die "kurze Belastung", also alles bis 100 km.

Daraus alles ergibt eine interessante Grafik:



Ich fahre in allen Belastungsbereichen immer über meiner Schwelle

Die Farben täuschen - im "grünen Bereich" ist hier nämlich nix.

Zwar habe ich nur wenige Events bisher mit Herzfrequensmessung im Garmin Connect, aber ich kann einige ineterssante Daten ableiten: So sind meine "schweren Dauerbelastungen" mit rund 166 km bei einem durchschnittlichen Puls von 150 Schlägen pro Minute recht hoch, noch höher sieht es bei den "mittleren Belastungen" aus, die im Schnitt 3 Stunden lang sind - hier komme ich fast an einen Durchschnittspuls von 160 Schlägen pro Minute heran.

Die "kurzen Belastungen" - fast alles Daten der Nordschleife von meinen "Rad am Ring"-Einsätzen 2011 und 2012 - sind etwas ruhiger: 29 km im Schnitt bei 148 HF/Schnitt.

Nun rekapituliere ich die bei meiner Leistungsdiagnostik Anfang 2013 ermittelten Werte durch den Sportmediziner Dr. Frank Brons und Frau Jalaß.

Meine Laborwerte - GA1, GA2, Entwicklungsbreich & Co für das Rennrad-Training

Im Leistungstest, den ich Anfang Januar dieses Jahres gemacht habe - und hier ausführlich berichte - ermitteln die beiden Sportmediziner eine Schwelle, die bei 142 Schlägen pro Minute liegt und die folgenden Trainingsbereiche:


Trainingsbereiche, deren Anteil und meine Herzfrequenzen

Nehme ich nun die E-Mail, die mir mein Leser geschrieben hat, und meine empirischen Durchschnittswerte aus den Garmin-Messungen, dann runzelt mir die Stirn: Ich fahre bei Wettkämpfen und Rennen eigentlich immer im roten Bereich!

Dass bei Wettkampf-Belastungen öfter mal die Schwelle übertreten wird, ist klar - aber dies wirklich immer?

Wie kann das zusammen gehen? Für ein Rennen, wie den Ötztaler Radmarathon, den ich 2012 gefahren bin, würde sich dann zum Beispiel ergeben, dass ich ca. 90% der Renndistanz über der anaeroben Schwelle gefahren bin:



Beispiel Ötztaler Radmarathon: Fast immer über der Schwelle

So lange über der Schwelle? Über 9 Stunden auf dem Rennrad im roten Bereich? Kann das gehen? Bei meinen anderen Rennen sieht das ähnlich aus. Ich stutze und schreibe Frau Jalaß von der Kaifu Leistungsdiagnostik eine E-Mail und stelle ihr genau diese Frage.

Sie antwortet: "Es scheint bislang für Dich kein Problem zu geben, im Wettkampgf auch in höheren Bereichen zu fahren. Deshalb spricht auch nichts dagegen, dass Du das weiterhin so handhabst. Du solltest aber darauf achten, Dich in Deinem Training an die Trainingsbereiche zu halten - und vor allem auch in den unteren Bereichen zu trainieren."

Was nun also? Fahren nach Laborwerten oder nach Gefühl?

Ich kann für mich anhand der Laborwerte und der gemessenen, "echten" Werte nur sagen, dass ich mich auch weiterhin im Rennen und bei Leistungs-Situationen eher auf mein Gefühl verlassen werde. "Wenn Du Dich im Rennen gut fühlst, dann fahre ruhig nach Gefühl. Achte aber bei extrem langen Wettkämpfen darauf, nicht allzu hochpulsig zu fahren.", sagt Frau Jalaß weiter.

Ganz provokant gefragt: Bringt eine - ja nun nicht ganz billige - Leistungsdiagnostik überhaupt etwas? Ich denke schon, den die Laborwerte geben einen sehr guten Snapshot ab, wie die momentane, nivellierte Leistungsfähigkeit des Körpers aussieht - und damit wertvolle Hinweise, wie man sich im Training zu verhalten hat.

Was die Rennen angeht, so werde ich meine "magische 142" auch weiterhin immer im Auge behalten - allerdings wohlwissend, dass ich durchaus dazu in der Lage bin, auch längere Zeit, in Bereiche darüber zu fahren. Und am Berg wird sich das sowieso nie vermeiden lassen.



18 Prozent und 170 Puls - Gran Fondo-Feeling in Italien

Dieses Wissen hätte mich natürlich nicht vor dem Scheitern beim Gran Fondo La Sagrantino bewahren können - denn Training kann das nicht ersetzen - aber in Zukunft werde ich bewusster - wissender - fahren.

P.S. - Und ich bin gespannt, wie die Pulskurve des RATA aussehen wird ...



Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht - oder andere interessante Dinge mit Euren HF-Messungen angestellt? Ich freue mich über Eure Comments.

14. März 2013

Volle Pulle halbe Kraft - Enttäuschung beim Gran Fondo La Sagrantino 2013

Es gibt bei mir kaum Momente, bei denen so richtig und fundamental alles in die Hose geht. Fehler können immer mal passieren. Tun sie auch. Kleine Unzulänglichkeiten, Unschärfen - sie machen aber alles spannend. An denen wachsen wir. Im Sport wie im Leben.

Wenn aber etwas so daneben läuft, wie bei Gran Fondo La Sagrantino 2013 am letzten Wochenende, dann ist das eine Ausnahme. Gottseidank. Es folgt der Bericht einer großen Pleite.

Il Prologo - Am Anfang sieht es noch ganz gut aus.

Es ist kühl, aber nicht kalt, an diesem Sonntagmorgen des 10. März, als wir mit unserem Mietwagen vom umbrischen Foligno ins 11 km entfernte Bergdörfchen Montefalco fahren.


Montefalco, 400 Meter hoch. Die Sonne geht auf. Renntag!

Die Sonne geht langsam auf, das Frühstück war - für italienische Verhältnisse - ganz okay und so sind wir sehr guter Dinge, als wir die steile Straße hinauf zum Parkplatz fahren, wo sich die etwa 1.500 Teilnehmer schon eingefunden haben, ihre Räder auspacken, mit letzten Handgriffen ihre Schaltungen justieren, Klamotten und Proviant einpacken und einfach guter Laune sind.

Allenthalben hallt ein freundlich-lautes "Buongiorno" durch die morgendliche Stille, erste Sonnenstrahlen heizen meine schwarzen Beinlinge auf. Ich freue mich: Erstes Rennen der Saison - genial!


Flow ist auch wieder mit am Start

Auch Flow, der mit mir wieder für das Team SunClass Solarmodule mit am Start ist, freut sich auf das anstehende Rennen: Wir haben 138 Kilometer mit knapp 2.700 Höhenmetern vor uns. Das Profil sagt kleinere Wellen, einen mittleren und einen heftigen Anstieg voraus.

Bevor wir zum Start - ganz oben - kommen, müssen wir eine Runde Frühsport machen. Erwärmung. Noch habe ich gut Lachen ... 15% sind das. Waseberg lässt grüßen.


14% Frühsport-Rampe. Hier gehts nachher auch zum Ziel hoch.

Es geht extrem steil auf rutschigem Kopfsteinpflaster durch eine enge Gasse hinauf. Die Ritzel gehen mir aus. Schnell bin ich außer Puste. Wow, krass. Hinten nölt Flow: "Das wird der Endanstieg ..." und "Helm ab zum Gebet!"

"Nicht, was uns Sorgen machen sollte", bediene ich mich noch guter Dinge als Prophet und begehe damit wahrscheinlich den ersten Frevel des Tages. Flow ist da etwas zurückhaltender - meine Prognose, dass wir "sicher so um 13:30 Uhr wieder da sind", kann er nicht so recht teilen. 

Oben auf dem Berg ist auf der kleinen Piazza schon mächtig was los ...


Gedränge am Start. Die Piazza ist überfüllt.

Es drängen sich die Rennradfahrer dicht an dicht, über die Lautsprecheranlage schnarrt eine Stimme sich in feinstem Italienisch überschlagend. Wir verstehen natürlich kein einziges Wort. Ab und zu mal "pericoloso" oder "partenza" oder auch mal "gran fondo". Aber so richtig bekommen wir nichts mit.

Wahrscheinlich das übliche "passt auf, fahrt vorsichtig, gleich ist Start"-Gerede, wie ich es schon bei so vielen Rennen gehört habe.

Flow drängelt sich mit mir im Schlepptau - auf taub machend - bis in einen der vorderen Startblöcke durch. Wir haben die Startnummern 1086 und 1087, stehen aber im Block mit den Nummern 551 bis 700. Hinter mir versucht einer der Orga-Leute, mich wild gestikulierend abzufangen. Er kommt nicht durch zu mir. Leider verstehe ich ihn ja auch nicht ...


Wie werden die Beine heute sein?

Es ist kurz vor 9 Uhr, Startzeit. In unserem Block werden die GPS angehauen, ich beschaue mir meine Beine - "Na, alles klar bei Euch?" Wird schon. Ich stehe ja gut im Training, immerhin bin ich letzte Woche noch den extrem bergigen Jerusalem Marathon gelaufen. Was können mir da heute läppische 138 Kilometer anhaben?

La Partenza - der Crash beginnt

Wir stehen im dritten Block, was ich gut sehen kann, denn es geht direkt nach dem Start sehr steil und sehr eng bergab. Vorne labert der Sprecher sich einen Wolf, immer wieder wird gepfiffen und ausgebuht - die Jungs wollen wohl los!


Beim Start geht es sehr steil auf Kopfstein bergab.

Dann endlich, einige Minuten nach neun, der Startschuss. Nachdem die Blöcke kurz vorher zusammengelegt worden waren, geht es zunächst gemächlich, sehr vorsichtig, auf dem Kopfsteinpflaster durch die engen mittelalterlichen Gassen. Viel Gebremse, ab und zu müssen wir noch schieben, dann die Zeitnahme und wie von Geisterhand geht es auf einmal los.

Wow, Scheiße, kann ich gerade noch fluchen - die Straße taucht unter mir ab, schon habe ich irre Speed drauf, vor, neben, hinter und seitlich von mir hunderte Rennräder, alle suchen die Ideallinie. Ich bin so damit beschäftigt, keinem rein zu fahren und darauf zu achten, dass in diesem Gewöll mir keiner rein fährt, dass ich Flow aus den Augen verliere.

Der gibt da vorn richtig Gas - er wird in den etwa 9 Kilometern Abfahrt, die nun anstehen, hunderte Plätze gutmachen: Er kennt da eben weniger Schmerz, als ich.

Problemi di peso - Mein Gewichtsmanko

Schon auf diesen ersten Kilometern lege ich den Grundstein für das spätere sehr schlechte Ergebnis. Da ich mit meinen läppischen 63 Kilo Lebendgewicht kaum Masse bringe, muss ich extrem hart reintreten, um auch nur annähernd mit dem Tempo in der Abfahrt mithalten zu können.


Die 9 km Start-Abfahrt sind fast zu Ende.

In der Abfahrt - weiter oben bei 8, 9 Prozent Gefälle extrem schnell, weshalb ich da keine Fotos machen kann - später etwas seichter, dafür sehr viel kurviger - muss ich deshalb viel Kraft aufwänden, um eine Speed von 50, 60 km/h überhaupt mitgehen zu können.

Kraftprotze wie Florian, die 90 Kilogramm wiegen, lassen da einfach die Hangabtriebskraft wirken und schießen nur so bergab. Und kurbeln vielleicht mal aus Spaß locker mit.

Die erste Abfahrt mache ich mit 180 bis 170 Schlägen pro Minute Puls. Schon bald brennt mir die Lunge. Ich werde massenweise überholt, geradezu peinlich nach hinten durchgereicht. Keine 10 Kilometer gefahren - noch nicht einmal bergauf! - und schon weit, weit im roten Bereich! Am Ende dieses Rennens werde ich mit einem 160er Puls-Schnitt gefahren sein. Bei 142 liegt meine Schwelle ...


Das Feld beginnt sich, auseinanderzuziehen. Flow ist außer Sicht.

Es endlich die ersten Anstiege kommen, kann ich auch etwas runterfahren. Dennoch: Das Tempo bleibt sehr hoch, dabei weht ein steter seitlicher Gegenwind, sodass ein richtiges Windschattenfahren nicht möglich ist.

Wie ein Fiat Panda auf der Autostrada ordne ich mich rechts ein und lasse mich weiter überholen. Mir brennen die Beine, die Lunge sprüht Feuer - und vorn sehe ich nur noch ganz klein das Solar-Trikot von Flow ab und zu mal aufblitzen. Noch mache ich mir Hoffnungen, ihn am Berg wieder einholen zu können.

Colleghi die Gran Fondo - meine Mitstreiter

Ein Rennen in Italien zu Fahren ist immer ein Genuss. Zunächst einmal, weil hier der Radsport Teil der Kultur ist. Sie leben den Radsport, sie geben sich ihm mit Leidenschaft hin.


Ich mag Italiener auf Rennrädern!

Kaum einer, der hier nicht mit einem mindestens auf Hochglanz polierten Renner an den Start gehen würde, kaum einer, der nicht stolz die Radkombi seines lokalen Radklubs (typisch italienisch knallebunt) anziehen würde. Keine Mountainbike-Visire an den Helmen. Keine schwarzen Socken. Es ist ein Traum.

Sie sind freundlich, sie grüßen. Sie schnattern die ganze Zeit - fahren dabei sicher und bringen niemals weder sich noch ihre Mitstreiter mit bescheuerten Fahrmanövern in Bedrängnis. Ein Genuss, hier Rad zu fahren! Welch´ ein Unterschied zu den Freizeit-Idioten, mit denen ich mich bei wirklich jedem einzelnen Rennen des German Cycling Cups auseinander zu setzen hatte!

Die meisten von diesen Leuten, mit denen ich hier gerade am Anfang des Rennens fahre, werde ich in knapp 4 Stunden wieder treffen. Aber zu diesem Horror-Kapitel kommen wir ja noch ...


Sonne, Anstiege, Rennrad - was braucht der Mensch mehr?

Es lichtet sich immer mehr das Feld um mich herum. Langsam geht es ab Kilometer 15 wieder bergauf, dann wieder rasant bergab, dann wieder bergauf und wieder bergab. Ich bin so allein mit mir und realisiere immer mehr: Meine Form ist absolut im Keller!

Non - la prima parte. Des Scheiterns erster Teil.

Wo mich die Abfahrt bereits schon an die HFmax getrieben hat, wird nun der Wind das Seine tun. Immer wieder wird das schöne, sonnenklare Wetter von plötzlich heraufziehenden Wolken verschlechtert, ein Zeichen für starken Wind.


Allerdings weht ein fieser, kühler Wind.

In den langsamen Anstiegen merke ich ihn kaum, aber wenn ich über eine der unzähligen Kuppen komme, dann schlägt es mir doch recht stark entgegen. Zudem weht es auf vielen der kleinen Abfahrten dermaßen stark von vorn, dass ich selbst bei einem Gefälle von 7 oder 9 Prozent kaum über 35 km/h komme! 

Und das auch nur, wenn ich hart reintrete. Ich wundere mich, wie sie mich hier scharenweise fast spielend überholen. Kaum zu glauben, dass hier ganze Gruppen von 20, 30 oder mehr Fahrern einfach so an mir vorbeiziehen - und ich nicht einmal den Hauch einer Chance habe, mich im Windschatten versteckend mitziehen zu lassen. Selbst dafür fehlt mir die Kraft!


Das Sagrantino ist berühmt für Wein und Olivenöl.

Der Wind macht mir zu Schaffen.
Meine Beine brennen.
Meine Psyche leidet. Flow ist lange schon außer Sicht ...

Und man muss kein Sportwissenschaftler sein, um den Grund hierfür zu ermitteln: Mangelndes Training und natürlich die noch nicht abgeschlossene Regeneration vom Marathon letzte Woche. Heute sitze ich das erste mal in diesem Jahr au dem Rennrad. Wo vielleicht eine ein-, zweistündige, lockere Trainingsausfahrt in GA1 angestanden hätte, mute ich mir hier einen hammerharten Gran Fondo zu.

Das kann ja nicht gut gehen.


Allein im Gegenwind. Ätzend!

"Naja", denke ich mir, "dann fährste halt deinen Stiefel und schaust, dass du ankommst, wenn schon keine Bestzeit drin ist heute." Beschließe ich so und konzentriere mich darauf, meinen Puls nach unten zu bekommen und halbwegs einen gangbaren Rhythmus zu finden.

Wenn nur dieser ver.......te Wind nicht wäre!

Il mio Umbria - mein Umbrien!

Begeistern hingegen kann mich mal wieder Umbrien. Durch dieses - vor allem durch den Weinanbau und das leckere Olivenöl bekannte - Gebiet bin ich 2010 schon auf meiner aller ersten Rennrad-Tour gekommen, auf dem "Mio Giro" habe ich sogar in Foligno übernachtet und später werde ich auch einige der Straßenabschnitte wieder erkennen.


Umbrien ist nicht hoch. Dafür steil.

Umbrien ist nicht extrem hoch. Es sind hier nicht die Alpen oder die beeindruckenden Dolomiten. Es sind eher seicht anmutende Hügel - deren Rampen es allerdings durchaus in sich haben! - und die weiten Blicke, die man in die fruchtbaren Täler hat.

Links und rechts von mir zieren Weinberge, noch etwas kahl wirkend, die seichten Abhänge, wenn ich in einer Stunde kurz die Getränke wegpullern werde, werde ich dies in einem Olivenhain tun. Überall duftet es nach Frühling, das schrille Zirpen der Singvögel erscheint nach dem langen, stillen Winter in Hamburg wie aus einer anderen Welt.

Ach, Umbrien - wunderschön!



Knorrige Weinreben. Passt zu meiner Form.

Begeistern können mich vor allem die vielen kleinen Dörfer, die oben auf manchen Hügeln stehen. Mittelalterlich befestigte Trutzburgen, mal größer, mal kleiner. Gestern bei der Anreise etwa bestaunen wir noch das wunderbare Kloster von Assisi, heute werden wir an dem pittoreskem Spello vorbeikommen, dass eine ähnliche Wirkung auf den Betrachter hat.

Doch jäh reißt mich meine unterirdische Form aus den landschaftlichen Tagträumen ...

L´aumento - Im Anstieg

Beim Örtchen mit dem prophetischen Namen Bastardo zweigen wir auf eine kleine Straße ab - der erste größere Anstieg wartet. Ich habe heute - klar, denn ich dachte, die 138 läppischen Kilometer schüttle ich nur so aus dem Ärmel - nur ein Gel mit dabei, das will ich mir aufsparen - zu Essen habe ich allerdings auch nichts.

So knurre ich mich die ersten Rampen hoch.


Gern mal 10 bis 14 % steil, die Rampen bei der La Sagrantino.

Ich halte mich für einen guten Bergfahrer, keine Frage, und obwohl ich es terminlich noch nicht geschafft habe, mir die Kompaktkurbel an mein Cervélo R3 anbauen zu lassen, können mich die 7, 8 Prozent, manchmal auch die 11 Prozent, in diesem Anstieg kaum einschüchtern.

Und doch - etwas ist anders heute.

Ich werde am Berg überholt.


Selbst im Anstieg überholt zu werden ist mir neu.

Zwar kann ich mit 11, 12 auch mal 14 km/h die Anstiege hochfahren, aber die Jungs und Mädels neben mir sind allesamt einfach immer schneller! So kenne ich das gar nicht. Klar, Italiener (oder Spanier) sind aufgrund der Trainingsmöglichkeiten immer bevorteilt, gegenüber einem Flachland-Hamburger wie mich, aber so krass musste ich das noch nie erleben.

Ich röchle und versuche, wenigstens halbwegs mitzumachen. Aber wenn die mich nun auch schon im Anstieg überholen, nicht nur in der Ebene, dann läuft hier etwas grundfalsch!


Ich brauche unbedingt die Kompakt!

Bis zum Ende des ersten größeren Anstieges und der darauf folgenden Abfahrt - in der ich fluchend bei Gegenwind nicht einmal mehr in der Lage bin, die 50 km/h-Grenze zu durchbrechen - fahre ich mich komplett leer.

Mein Magen knurrt so laut, dass ich ihn sogar lauter als das Rasseln meines Freilaufes wahrnehme, meine Beine fühlen sich schlapp an und ich möchte anfangen zu heulen, als ein Schild - natürlich auf Italienisch - irgendwas von "Verpflegung in 5 km" erzählt.

Allerdings, um zur Verpflegung zu kommen bauen die Organisatoren eine zünftige Rampe mit 16% auf 100 Meter mit Zeitmessung ein. Ich drücke mich hoch und muss fast hysterisch lachen, als ich mich dabei ertappe, hier tatsächlich Flow zu erwarten: Der ist, als ich hier ankomme, allerdings schon lange, lange wieder auf der Strecke.


Eine Wohltat!

Ahhh, ich kann nur stöhnen, als ich mir die saftig-süßen Apfelsinen in den Mund drücke, gleich dutzendweise, als ich den süßen Apfelkuchen zu Doppelstücken förmlich weg atme, als ich Bananen und Apfelstücke ohne zu kauen einfach schlangenartig herunterwürge - oh man, ich bin so platt!

La sofferenza continua - Und weiter geht das Leiden

Die Labestation war nur eine kleine Oase des Glücks. Als ich wieder auf dem Rennrad sitze, folgt wieder die altbekannte Marter des Underperformers: Ich walze mich ächzend über schlechte Straßen, ducke mich unter dem harten Gegenwind weg und muss schon wenige Minuten nachdem ich vielleicht einmal den Sprung hinten an eine mich überholende Gruppe geschafft habe, wieder abreißen lassen. Es ist zum Mäusemelken!


Es ist nicht mal 80 km - und ich fühle mich wie 10 Stunden im Rennen.

Das Wetter wird schlechter. Immer mehr Wolken lassen nur noch kurz die Sonne einmal durch. Der harte Gegenwind zieht mir die Wärme aus dem Körper - ein Glück, dass ich neben dem Langarm- und Kurzarm-Trikot auch noch ein langes und ein kurzes Thermohemd untergezogen habe. Wie gut, dass ich eine Mütze unter dem Helm trage und wie gut, dass mich die Gore-Tex-Beinlinge halbwegs wärmen.

Wie es Flow wohl ergeht? Der ist heute in lang-kurz angetreten. Keine Thermo-Unterhemden. Keine Beinlinge ...


So richtig Windschatten ist das auch nicht.

Zwischendurch regnet es auch einmal kurz, aber nur so kurz, dass es nur demotiviert, nicht gleich komplett durchnässt. Über welche Dinge ich mich hier schon freue ...

Und dennoch, so sehr ich hier heute auch offensichtlich körperlich überfordert bin, ich kann es dennoch genießen: Die Farben, diese Luft, alles ist einfach schon viel weiter, als daheim in Deutschland. Der Frühling lässt grüßen, viele Bäume treiben schon zartgrüne Knospen aus - ein herrlicher Anblick und mithin krasser Gegensatz zum Grau-in-Grau, das mich daheim in Hamburg erwartet.


Es fängt hier schon zart an, Frühling zu werden.

Auf meinem Garmin stehen gerade einmal 80 Kilometer. Es fühlt sich an, als habe ich schon das Dreifache in meinen Beinen. Und immer wieder besehe ich mir die Höhenmeter-Angaben: 800 hm stehen da. 

Und 1.900 hm sind noch offen!

Confusione - Gran oder Medio, oder was?

In der Ferne (aber so fern nun auch nicht) drohen durchaus einige größere Brocken. Und wenn ich mich umblicke, so haben manche von ihnen sogar noch verschneite Kuppen. Oha, das wird aber ein Spaß, wenn es gleich den großen Zacken des Profils hochgeht, denke ich mir.


Schöne Ausblicke auf Foligno.

Ich rassele die letzte Abfahrt hinunter und werde - genau im richtigen Moment - von einer etwa 5 Mann starken Gruppe überholt. Ein kleiner Zwischensprint - na also, geht doch noch! - und ich hänge mich ran. Ich kündige mich durch ein "Grazie" an und rolle hinten mit.

Nicht, dass das so einfach wäre - die fahren hier mit 25 bis 35 km/h einen sehr flotten Stiefel, je nachdem, von wo der Wind weht.


Mittelalterliche Wehrdörfer prägen die Landschaft.

Vorn zieht ein bulliger Typ unsere kleine Gruppe, wir nähern uns einer Bergkette. Rechts fliegen wir am wunderschön auf einem eben solchen gelegenen Castel Ritaldi vorbei - der Wind geht nun hart von rechts in die Bikes, wir müssen alle sehr hart arbeiten.

Da auch dieser Gran Fondo mitten im normalen Verkehr stattfindet, sind Windstaffeln nicht möglich. Und bei mir tropft das Laktat nur so aus den Ohren ...


Ich muss wieder eine Gruppe ziehen lassen.

Besonders schlimm sind die vielen Überführungen über die Autostrada und die Superstradas - dann pfeift es eiskalt von der Seite rein und ich muss das Bike schon recht schräg steuern, um überhaupt Kurs zu halten. Vorne wechseln sie, aber ich gehe nie an die Spitze: Es würde meinen Mitstreitern auch nichts bringen, wenn ich sie hier mit 20 km/h "ziehen" würde.

Nun taucht vor uns eine imposante Bergkette auf. "Einer von denen ist der 1.500 hm-Anstieg", sage ich mir immer wieder und versuche die Serpentinen zu erkennen, die ich mich gleich werde hochschleppen müssen.


Die hier sind super. Werden aber nur den Medio Fondo fahren.

Angst habe ich vor dem Anstieg nicht: Lieber einen Abhang hochkraxeln, als sich im Gegenwind die Beine kaputt zu treten, das ist zumindest immer meine Devise gewesen.

Doch es wird anders kommen. Irgendwann - ich achte ja auf die an jeder Kreuzung und Einbiegung aufgestellten Hinweispfeile - wird auf den Schildern nicht mehr der rote Pfeil für "Gran Fondo" erscheinen, sondern nur noch der Grüne für die Minirunde und der Schwarze für den "Medio Fondo".

Wo ist der Rote hin? Ich warte zwei, drei Schilder ab. Nichts. "Wir haben die Abzweigung verpasst!", schießt es mir in den Kopf. "Verdammt nochmal, wie konnte das passieren?!?"

Ich schaue meine Mitstreiter an: Keinen scheint das zu stören. Bin ich der Einzige in dieser Gruppe, der den Gran Fondo fahren wollte? 

"Verdammte Sauzucht, warum habe ich mir nicht den GPS-Track aufs Garmin gezogen?", argumentiere ich mit mir selbst: "Na, weil die Rennen eh immer so super ausgeschildert sind, das braucht doch keiner!" Ja, sehe ich jetzt auch.

"Soll ich umkehren und die Abbiegung suchen?", frage ich mich mehrmals. Aber die laktatgeschwängerte Stimme hat Recht: "Hier führen alle 100 Meter irgendwelche Sträßchen auf den Berg, das könnte jede Abzweigung sein - und was, wenn du dich dann vollends verfährst?"

Na, ihr habt Recht - dann halt Medio Fondo. Ich bin geknickt. Auch die letzte Motivation, der letzte Spaß ist nun vorbei. Was wird Flow nur sagen, wenn er - mit Sicherheit super ausgelaugt - ins Ziel schnauft und ich ihm sagen muss, dass ich nicht mal die ganze Strecke gefahren bin?

Agonia - Das Ende vor dem Ende

Ich lasse von der Gruppe abreißen, als ich rechts schon das Ziel, Montefalco erkennen kann. Von hier ab sind es nur noch 16 Kilometer. Die fahre ich nun allein. Wir schlängeln uns durch die windige Ebene, drehen wieder in den Wind und dann auf eine schnurgerade, etwa 10 Kilometer lange Straße. Die Vorhölle.


Eine harte Probe für Material und Psyche.

Von "Straße" möchte ich kaum sprechen. Der Belag ist dermaßen erodiert, dass sie besser daran tun würden, diesen zu entfernen und die groben Pflastersteine der alten Römer darunter zu nutzen -  die fahren sich sicher bequemer!

Ich werde durchgerüttelt, gerade so, wie ich mir Paris-Roubaix vorstelle. Der Gegenwind bremst, aber selbst ohne ihn wäre eine Geschwindigkeit von jenseits der 25 hier nicht möglich. Es ist die Hölle. Und das ganze nun 10.000 Meter! Ich werde verrückt!

"Grazie!", ruft einer von hinten über meine Schulter. Ein älterer Herr, schickes Pinarello, macht es sich in meinem Windschatten gemütlich, er grinst und bedankt sich nochmal bei mir, als ich mich umdrehe. Ah, siehste: Der Einarmige unter den Blinden und so ...

Da klingelt mein Handy. Da ich eh langsam unterwegs bin, gehe ich ran. Es ist Flow.
"Digger, wo bist Du?", fragt er. Wie? Ist der im Ziel, oder was?
"Ich bin auf so´ner Scheißstraße kurz unter Montefalco ... äh ... und habe die Abzweigung zur großen Runde verpasst ... wo bist Du denn?" Oder wartet der bei der Verpflegung auf dem großen Berg auf mich?
"Ich habe die auch verpasst ... bin jetzt im Ziel." Wie bitte? Flow auch? Das darf doch nicht ... "Ja, dann bis gleich und viel Spaß beim Endanstieg. Der ist einfach nur übel ..." Aufgelegt.

Wie?
Was?

Bevor ich richtig nachdenken kann, sind die 10 km rum. Wir biegen Richtung Montefalco ein.

Ballando Morto - Totentanz

Den Endanstieg nach Montefalco kann ich mir von den Autofahrten gestern zur Akkreditierung und heute morgen zum Start noch gut ausmalen - die Realität aber ist noch viel krasser.


Endanstieg. Ich glaube, Ihr spinnt wohl?!

Sie schicken uns nämlich nicht die Hauptstraße entlang nach oben, sondern kleine Landwirtschaftswege. Und die haben es in sich. Zunächst eröffnet wird der Reigen bunter Hammerrampen mit einer gemächlichen 13%-Steigung, bei der die Ersten schon mal absteigen dürfen.

Diejenigen, die sitzen bleiben, müssen dann aber schon bald nach der ersten Kurve - bei seichten 11% - wieder aus dem Sattel gehen.



Der Waseberg lässt grüßen.

"Fuck ...!", bleibt mir fast die Spucke weg, als ich auf dem Garmin eine runde 18 sehe. 18% Steigung und das nach 1.000 Höhenmetern mit Beinen wie Pudding. Na hossa! (Und irgendwie bin ich jetzt glücklich, dann doch nur den Medio gefahren zu sein, denn sonst hätte ich jetzt an dieser Stelle noch 1.500 hm mehr in den Knochen).

Ich beiße mich den 18er hoch, kann "entspannen" als es kurzzeitig mal wieder nur 9% steil wird.


Nicht absteigen! Wenigstens diesen Sieg will ich heute haben!

Hier stehen dann auch die ersten Zuschauer. Meist ältere Herren und Damen, wahrscheinlich die Anwohner der Gehöfte hier. In den Einfahrten stehen dicke SUVs - anders kommt man hier wohl auch nicht hoch.

Außer wir, wir Verrückten, wir polken hier auf Rennrädern hoch. 

Immer mehr Abgestiegene und Schiebende überhole ich. Sie grüßen, fahle Gesichter, grüne Hautfarbe. Ich schnaufe mich hoch. Absteigen? Nee! Wenigstens einen Erfolg möchte ich heute feiern - und wenn ich oben umkippe! - aber absteigen werde ich hier sicher nicht!


18 % 

Immer wieder geht es in der Kurve fast senkrecht nach oben - leider sind die Distanzen zu kurz, als dass mein Garmin den Gradienten ausrechnen könnte, aber die kratzen bestimmt an der 21, 22%-Marke.

Richtig spaßig aber sind die etwa 50 bis 100 Meter langen 18%-Rampen, die hier immer wieder kommen. Einen Vorteil hat es ja, denke ich mir: So machste schnell die etwa 400 Meter bis nach Montefalco hoch. Aber es tut weh, so weh!

"Sobald ich in Deutschland bin, gibts die Kompaktkurbel!", schwöre ich mir wiedermal und denke an Flow, der heute seinen ersten Einsatz mit der Bergübersetzung gehabt hatte. Allerdings richtig erholt hat der sich auch nicht gerade eben am Telefon angehört ...


Ich sehe langsam nur Sterne vor dem Grau der Straße.

Als ich schon vor lauter Wändeklettern nicht mehr klar denken kann, sich Sterne rund um meinen Kopf formieren, da steht endlich das Schild "Ultimo chilometro", der letzte Kilometer, 1.000 Meter und dann war es das!

Ich ächze nach oben, wie viel Power jetzt hier wohl auf der dünnen Kette lastet? Ah, wieder 18%, na, Ihr habt hier doch alle den Arsch offen! Das kann doch nicht sein ... ich biege ein, die Stadtmauer, es wird etwas flacher, 8, 9%, dann ein Polizist, der mich anfeuert, ich fahre durchs Stadttor, vor mir die "Frühsport-Rampe", Musik schwallt mir entgegen, Leute klatschen, feuern mich an. Ich hole alles raus. Treten, treten, ein letzter Blick aufs Garmin - 14% - na Mensch, bis zum Schluss krass, diese La Sagrantino. 

Und dann. Dann endlich: Der Zielbogen. 
Finish.
Aus.
Absteigen, Krampf.


Phuhh! Geschafft ... im wahrsten Sinne des Wortes.

Flow kommt auf mich zu. Zitternd vor Kälte. Blaue Lippen. Ich drücke ihm den Autoschlüssel in die Hand, er mir seinen Transponder. Rückgabe. Weg hier!

Risultato

Ich bin hier heute das schlechteste Rennen meiner gesamten Karriere gefahren. Abgesehen davon, dass wir nicht einmal die lange Strecke fahren konnten - woran auch immer das gelegen hat (Falscher Startblock? Falsche Startzeit - Internet sagt 9:30 Uhr Start Gran Fondo, Starterbeutel-Beilage sagt 8:30 Uhr ... Hat jemand den Pfeil geklaut? Keine Ahnung.) - habe ich heute eine erbärmliche Performance gezeigt!


Enttäuscht.

Ich beende das Rennen nach offiziellen 4:02 Stunden. Für 96 Kilometer und läppische 1.270 Höhenmeter! Das ist nicht einmal die Höhe des Stelvio! Und nicht einmal ein 25er-Schnitt! Man, ist das schlimm! Ich stehe einfach nur in der Schlange und bin enttäuscht, maßlos enttäuscht.

Selbst, als der ältere Herr wieder zu mir kommt und sich noch einmal für meinen Windschatten bedankt - nee, das hier war alles andere als eine gute Vorstellung. Ein Glück nur, kann ich sagen, dass meine Kackform heute auf einmal mit dieser verpatzten Streckenteilung zusammenfiel. So sind wenigstens zwei doofe Sachen auf einmal, glücklicherweise beim kleinsten und unwichtigsten Rennen, aufgetreten.

Sicher liegt das schlechte Ergebnis an meinem geringen Trainingsstand auf dem Rennrad - auch 2012 bin ich das Eröffnungsrennen beim Gran Fondo Colnago in Saint Tropez mit 25,3 km/h Durchschnitt auch nicht schneller gefahren. Nur in Saint Tropez bin ich halt wenigstens 180 km und 2.600 hm gefahren. Nicht sone läppische Runde wie hier heute!

Sicher liegt das Scheitern natürlich auch darin, dass ich noch nicht ganz auf dem Damm nach dem Marathon Jerusalem bin.

Whatever. Ich schäme mich fast, meinem Sponsor SunClass von diesem Rennen zu berichten. Aber hey, einen Lichtblick gab es wenigstens: Ich musste bei x mal 18% nicht absteigen. Wenigstens das.

Ciao, Foligno ...

Ich gehe gesenkten Hauptes. 
Das muss besser werden. 
Wird es. 
Versprochen!


Hier gibt es die Garmin-Daten des Medio Fondo La Sagrantino 2013.