23. Oktober 2013

Meine Rennrad-Saison 2013: Von Gran Fondos, Erfolgen und DNFs

Tja, mit dem Zeitfahren Hamburg-Berlin endet letzte Woche meine Rennrad-Saison 2013 und wie immer ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Was lief gut, was nicht so gut? Und vor allem: Was kann ich lernen für das nächste Jahr?

Meine Rennrad-Saisonziele: Vom Plan in die Praxis


Anfang dieses Jahres - vor allem getrieben durch unser Radsport-Team SunClass Solarmodule und den wahnsinnig attraktiven Rennkalender - setze ich mir große Ziele. Die Saison ist in zwei Hälften aufgeteilt: Zunächst das erste halbe Jahr, die "ernste" Saison mit dem Höhepunkt beim Race Across the Alps (RATA) im Juni. Dann die zweite, die "spaßige" Saisonhälfte.

Länger, weiter, höher: 2013 massiv mehr Renndistanz absolviert.

Zwar werde ich einige meiner Ziele nicht erreichen, aber in der Rückschau und vor allem im Vergleich mit 2012 stelle ich fest, dass die Rennen, die ich gefahren bin, im Schnitt 10 Kilometer länger sind, als noch im letzten Jahr - insgesamt 70% mehr Rennanteil. 


Klettern war "in" 2013: Hier beim Gran Fondo Dieco Colli

Ich zähle die Haute Route, das Etappenrennen von Genf nach Nizza, als 7 einzelne "Events" und komme so auf 18 Events (obwohl mit 11 Rennen nur ein Rennen mehr als 2012). Alles in allem fahre ich in diesem Jahr pro Event 164 Kilometer mit jeweils 2.609 Höhenmetern.

Pro Event.

Insofern bin ich recht stolz: Ziel erfüllt.

Die Saison 2013 auf dem Rennrad: Höher - aber weniger.


Interessant aber die Auswertung der gesamt gefahren Kilometerdistanzen. Komme ich schon 2012 mit 8.700 Kilometern Jahresleistung nicht einmal annähernd an meinen besten Wert heran - 9.200 km in 2009 - so fahre ich in diesem Jahr alles in allem dann sogar noch einmal 1.600 Kilometer weniger, als im Vorjahr.


2013 fahre ich über 1.600 km weniger als 2012

Irgendwie aber auch logisch: Wir hatten uns bei der Saisonplanung auf die Kletterleistung konzentriert, nicht auf die Distanzleistung. Allerdings, es zählt auch mit in die Negativbilanz, dass ich bereits beim ersten Rennen der Saison, dem Gran Fondo La Sagrantino, einen Rückschlag hinnehmen muss. Wir fahren nämlich nur 95 der avisierten 150 Kilometer.

Auch die Ronde van Vlaanderen finishe ich "nur" nach 150 Kilometern (okay, bei -4 Grad und belgischem Horror-Pflaster eine Distanz, die mich sogar noch überrascht hat) und auch das RATA (dazu später mehr) und der Alpentraum werden nicht auf der kompletten Distanz gefahren.



Hammerhart - bei der Flandernrundfahrt. Hölle!

All in all "fehlen" mir also runde 500-600 Kilometer zu dem, was ich eigentlich vor hatte.

Allerdings wären das auch mit diesen Distanzen keine 10.000 Kilometer geworden ... und wieder frage ich mich, wie es einige Leute schaffen, 10.000 Kilometer und mehr im Jahr abzuspulen. Wahnsinn!

Radrennen als Training, funktioniert das?


Unsere Idee war, die ersten 4 Rennen der Saison - allesamt namhafte Gran Fondos der italienischen Prestigio-Serie - aus Aufbaurennen zu nutzen. Gesteigerte Distanzen, vor allem aber immer mehr zu erkletternde Höhenmeter, sollten uns auf den absoluten Saisonhöhepunkt vorbereiten.

Am Ende schlägt sich das natürlich in der Statistik nieder, vor allem, wenn man diese Zahlen mit 2012 vergleicht:



Der Renn-Anteil ist 2013 um einiges höher

Ich fahre 2013 keine einzige RTF, wobei Hamburg eine Vielzahl an wunderbaren Veranstaltungen dieser Art zu bieten hätte, dafür erhöht sich der Anteil der Rennen an der Gesamtleistung von 18% in 2012 mit 1.550 Kilometern auf ganze 37% und 2.600 Kilometer.

Sicher, mit nur 4.500 Kilometern sind die erbrachten Trainingsdistanzen mehr als 2.200 Kilometer niedriger, als noch 2012. Das liegt aber daran, dass ich mich in dieser Saison fast ausschließlich auf das Höhenmeter-Training konzentriert habe. Meine Waseberg-Einheiten unter dem Motto "1K a Day", also 1.000 Höhenmeter pro Tag, konntet Ihr auf Garmin-Connect mitverfolgen.


2013 wesentlich mehr Kletterleistung: In Training wie im Rennen.

Mir noch in lebhafter Erinnerung - mein "Waseberg Sufferfest", das mir nach 6 Stunden auf der 16%igen Waseberg-Rampe immerhin 3.600 Höhenmeter eingebracht hat. Und einen Drehwurm ...



Bis der Drehwurm kommt: 800m bei 16% am Waseberg Hamburg.

Insgesamt fahre ich so mehr als 10.000 Höhenmeter in den Trainings und in den Rennen mehr, als 2012. Aber wie gesagt, eigentlich war da ja noch mehr geplant ...

Verkorkster Frühling = verkorkste Saison?


Der Frühling - darf man das so nennen? - 2013 war seit dem ich halbwegs ernsthaft Rad fahre, also seit 2008, das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Schnee, Regen, Nässe und Kälte bis in den April hinein. Meine erste wirklich ernsthafte Trainingseinheit war denn dann auch der Gran Fondo La Sagrantino. Wenig Zeit, wenig Kilometer - verlängerter Winter.

Viele Radfahrer hat 2013 eine eher bescheidene Saison beschert. Ich bin da keine Ausnahme.



Paarflug im Team: SunClass Cycling gibt 2013 wieder Gas.

Dabei hatten wir alles auf diese eine Karte gesetzt: Das RATA.

Das RATA - Race Across the Alps - als "anerkannt härtestes Eintagesrennen der Welt" - war unser Saisonhöhepunkt. Natürlich war uns klar, dass wir die geforderten 540 Kilometer und 14.500 Höhenmeter dieser Mörderstrecke nicht wirklich würden schaffen können - nicht umsonst gehen dort nur 50, 60 der namhaftesten Ultrasportler an den Start.

Und dann wir ...


Wäre doch drin gewesen: RATA bis zum roten Punkt finishen.

Schon gar nicht hätten wir das im Zeitlimit von maximal 32 Stunden geschafft. Aber ich hatte ein Ziel - wie in der Grafik angedeutet - und wollte doch wenigstens bis über den Bernina-Pass und irgendwann nach der Abfahrt mein DNF haben.

Das war mein Ziel.

Extreme Schmerzen in beiden Knien zwangen mich allerdings nach enttäuschenden 3 Pässen und 170 Kilometern zur Rennaufgabe. Noch 3 weitere Pässe - Mortirolo, Aprica und Bernina - hatte ich mir vorgenommen.


Beim Race Across the Alps - im Gavia-Pass.

Und dennoch: Auch heute bin ich mir noch sicher, dass ich mein Ziel unter "normalen" Umständen auch geschafft hätte. Wenn man in der Grafik die Steigerungen anschaut (in diesem Fall die Distanzen - funktioniert mit den Höhenmetern aber genauso) dann kommt man zu dem Schluss, dass die Steigerung vom letzten Aufbaurennen, dem fantastischen Gran Fondo Mailand-Sanremo, zum "halben" RATA mehr als machbar gewesen wäre.

Schade, dass es so kam, wie es kam. Hier geht es zum Rennbericht des Race Across the Alps 2013.

P.S. - Wir haben wieder eine Rennrad-Doku gedreht. Und zwar beim RATA. Die wird (sagen wir mal so) etwa im Juni/Juli 2014 fertig sein. Die erste Doku: "Punchline - 24 Stunden Rad am Ring" über unserer Einsatz auf der Nordschleife 2011/12 gibts als geile DVD hier: www.punchline-movie.de - gleich bestellen!

Tja, war nun der verkorkste Frühling Schuld? Wer weiß ...

"Unglaublich harte Saison" - wirklich?


Einer meiner geneigten Leser dieser Blogs twitterte mir einmal, dass ich auch so schon eine "unglaublich harte Saison" hätte. Stimmt das denn wirklich? Ich vergleiche 2011, meine erste echte Radrenn-Saison im German Cycling Cup, mit 2012 und dem aktuellen Rennkalender:

Erstaunlich usgewogen im Vergleich: Die erste Jahreshälfte ähnelt 2011/12

Bis auf die Haute Raute, die nun wirklich - zum Glück als Substitut für das verpatzte RATA - herausragt, wirken die Rennen vor allem der ersten Saisonhälfte eher alles andere als "überaus hart". Ausgewogen, würde ich sagen.

Was die Distanzen angeht ...

Höhenmeter ohne Ende? 


Naja, lassen wir mal die Kirche im Dorf: Ernüchtert stelle ich fest, dass die Rennen der Saison 2013 mitnichten "härter" waren, als 2012. Im Gegenteil, da haben wir vor allem in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres wesentlich mehr Gas gegeben:


Die Höhenmeter 2013 kommen von Haute Route & Training

Das Mega-Plus von 50% an Höhenmetern erklettere ich zumindest nicht mit den Rennen, sondern in meinen Trainingssessions. Und natürlich mit der Haute Route.

Aber wie gesagt: Geplant war das ja mal anders ... 

Ziel erreicht? Die Lehren für 2014


Für 2014 stecken meine Planungen noch in den Kinderschuhen. Was ich jetzt schon sicher sagen kann, ist meine Teilnahme am Endura Alpentraum 2014, dieses Hammer-Rennen will ich unbedingt finishen!

Aus 2013 ziehe ich die Lehre, dass unser Ansatz, ein forciertes Höhenmetertraining kombiniert mit sich in der Intensität steigendernden Aufbaurennen an sich funktioniert - wir jedoch viel zu wenig Zeit und damit viel zu wenig Training hatten, um wirklich gut vorbereitet für einen Hammer wie das RATA zu sein. Dass es funktioniert, zeigt mein - für mich - sehr gutes Abschneiden bei der Haute Route Alps.


Geiles Rennen. Geile Performance: Haute Route Alps 2013.

Für 2014 freuen wir uns, dass unser Sponsor SunClass Solarmodule trotz der sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation auf dem Solarmarkt auch weiterhin in unser Radsport-Team investieren wird. Was genau da kommen wird, ist noch ein wenig geheim - ich kann aber versichern, dass 2014 und 2015 extrem werden. Und das in jeder Beziehung: Extrem spannend, extrem mitreißend, extrem Rennrad.

Nun aber freue ich mich, dass diese harte Saison wieder ein mal ohne Sturz, ja selbst, ohne Panne, geschafft ist. Ich gönne mir nun bis Mitte November eine kleine Auszeit, ehe das Lauftraining beginnt. Wie es schon eine schöne Tradition ist, wird auch 2014 wieder mit einem Marathon beginnen. Diesmal habe ich mir die ewige Stadt - Rom - ausgesucht.

Euch eine tolle Off-Season und einen ruhigen, schönen Winter.

Ein großes Danke an Euch, die Ihr wieder so fleißig meinen Blog gelesen habt, meine Beiträge mit Euren Kommentaren belebt und so auch mir neue Perspektiven eröffnet. Der Cervelover-Blog knackt 2013 die Viertelmillion-Marke, unglaublich. Danke!

Eine tolle Zeit Euch - ride safe.





Kommentare:

  1. Moin Lars,
    ich habe in letzter Zeit wenig hier kommentiert, obwohl ich natürlich alles lese;-)
    Deswegen erstmal (nicht nur für diesen Post) Danke für deine Veröffentlichungen und Weiter So!!!

    Was mir in Bezug auf deine Radsaisons der letzten Jahre auffällt, ist dass Du vergleichsweise spät mit dem eigentlichen Radtraining anfängst. Ich weiß, dass Du das Marathon-Training eingeführt hast, um langweilige Rollentrainings zu ersetzen und was für die Ausdauer zu tun. Aber Laufen ist halt nicht Radfahren (das Liegeradfahren wäre dem Laufen ähnlicher...)

    Du schreibst immer mal wieder, dass Du der RG-Uni oder den Radlern von FC St.Pauli hinterherfährst, letzlich auch mal von einer "harten" Hamburger Dame, die dich abhängt...

    Meine Lesson Learned 1 aus Deinen Berichten ist: Fahr früher mehr (mit anderen). Möglichst schon im Winter, lang und hoch... Vielleicht im Frühjahr mit dem Rad nach Malle statt im Sommer eine Tour-de-France?

    Deine "wissenschaftliche" Leistungsanalyse mit Trainingsplan kam dann auch etwas spät. Sowas wäre doch eigentlich jetzt, spätestens zwischen den Jahren, fällig, um das Wintertraining für die nächste Saison zu planen... Über deine Trainingsanalyse würde ich generell gerne mehr lesen;-)

    Lesson Learned 2: Training für die nächste Saison jetzt planen und beginnen...

    Ich finde es fantastisch, was Du so auf die Beine stellst (sportlich und organisatorisch), und möchte meine Anmerkungen oben deswegen auch keinesfalls als Ätschebätschkritik verstanden wissen (zumal von jemandem, der nicht halb so sportlich ist;-) es sind nur Gedankenn eines Mitlesers... Alles Gute für die nächste Saison!
    Chris

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    1. moin lieber chris & danke erst mal für deinen comment.

      vielleicht drei kleine anmerkungen.

      1. realität:

      dieser blog gibt natürlich nur einen kleinen teil meines schillernden lebens wider. da mag dann der eindruck entstehen, dass ich viele potenziale, zeiten usw. nicht nutze, um "richtig" oder "ordentlich" zu trainieren. dem ist natürlich nicht so: ich habe einen sehr harten +60h job, bin viel unterwegs und kann einfach oft auch nicht mehr machen.

      2. körper:

      ich bin mit 63 kilo und minus fettanteil nun alles andere als prädestiniert für hohe leistungen. ich mache das beste aus dem, was ich habe, aber ich bin sicher keiner, der noch core-aufbau, gerätefitness und dergleichen betreibt, nur um aus dem mittelfeld nach halbvorn zu kommen. ich liebe diesen sport und betreibe ihn auch mit der notwendigen ernsthaftigkeit - aber ich ordne ihm nicht alles unter. und erfolgsorientiert im sinne von platzierungen bin ich einfach nicht. meine messlatte ist der spaß. genau so viel mache ich, wie ich spaß an dem ganzen habe.

      3. andere:

      andere, wie die RG Uni, der ESK berlin oder auch flow oder heiko sind messlatten, aber keine vorbilder. wie gesagt, ich mag es, mich zu messen - aber ich muss nicht vorne sein. muss nicht gewinnen. ich finde, im mittelfeld, bei den umfängen, höhenmetern und distanzen, die wir fahren, bin ich super aufgehoben und stolz auf meine leistungen. mehr will ich gar nicht.

      und mich mit einer frau wie christina rausch zu messen, die echt eine ganz andere hardcore-liga ist, will und muss ich nicht.

      also, auch wenn da sicher ganz viel lut nach oben ist - ich bedauere einige DNFs echt, z.b. das RATA, das nervt ohne ende, aber ich bin sonst sehr zufrieden.

      weil ich eben eine geile saison und MEGASPASS hatte :)

      ansonsten kann ich dich beruhigen: die trainingsplanung für 2014 ist gerade in der mache und ich verspreche nicht zu wenig, wenn ich behaupte - 2014/15 wird DER HAMMER!

      :o)

      danke dir & liebe grüße,
      L

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    2. Hi Larsi,

      Deine Analyse ist wirklich - intensiv ;) Auf so eine Auswertung muss man erstmal kommen.

      Ich bin zwar auch ein Datensammler, aber zu einer tatsächlichen Auswertung fehlte mir bisher immer die Muße. Du kannst dafür nicht zufällig mal Excel-Sheets vorbereiten und zum Download anbieten? ;)

      Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie du eine solche Saison wie dieses Jahr noch toppen willst. Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

      LG Lars

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    3. hi larsi.

      ach, die excel ist ganz einfach und superprimitiv ... aber danke fürs lob.

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