26. August 2010

Tiefer - Schneller? Oder: Die perfekte Rennrad-Position finden.

Na, ob ich damit wirklich schneller werde, weiß ich nicht, aber jedenfalls habe ich meinen Vorbau um etwa 1 cm tiefer gelegt. Denn ich fand, dass meine bisherige Position noch viel zu aufrecht war.

Wenn die Norm ist, dass der Oberkörper in Untenlenkerpositon möglichst waagerecht zu sein hat (beim Time Trial) und die Profis - wie ich bei meiner Recherche heraus gefunden habe - im Schnitt mit 30 bis 40 Grad Körperneigung fahren, dann musste ich schnell etwas an meiner Lenkerhöhe machen.

Immerhin fahre ich bei 50 Grad satte 10 Grad aufrechter als die Vorbilder. Und da ich nun auch schon fast 3.500 Kilometer auf dem Rennrad absolviert habe, kann man dann schon mal radikaler werden.

Und ab gehts zu Robert und dem Pirate Bikes-Shop, einen Tag später bekomme ich beim Cervélo wieder - er ist ihm kaum zu anzusehen, der eine kleine Zentimeter.

Aber zu spüren ist er: Merklich tiefer hänger ich über meinem Lenker. 45 Grad perfekte Neigung: Noch recht angenehm auf weiten Strecken, wie ich gestern bei einer kleinen Runde nach Winsen-Luhe herausfinde, und aerodynamisch genug, dass ich mich in Untenlenkerposition auch wirklich dem Wind wegducken kann.

Aber das Wichtigste ist: Es fühlt sich absolut racier an, mein Rennrad.

Zwar habe ich noch immer nicht die 35 Grad der Profis - aber ich muss ja auch kein Zeitfahren bestreiten. Noch nicht.



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25. August 2010

Grüße von der Steigung: Ein Cyclassics Nachtrag.

Tja, da gibts immer wieder was drüber zu erzählen - die Vattenfall Cyclassics 2010. Denn unsere Azubine Änni begab sich mit ihrer Kamera an die Endsteigung und versuchte, uns SunClass-Rennradlern mit ihrem Objektiv aufzulauern.

Fiesererweise genau an jener Stelle, an der die meisten der etwa 4.000 Rennrad-Piloten, die die 155 km-Strecke gefahren sind, dachten, sie hätten das Schlimmste schon überstanden. Denn der Kösterberg, der auch mir den letzten Saft aus den Muskeln gezogen hatte, lag bereits hinter uns, eine rasante Abfahrt nach Blankenese hinein und die Ebene beim Fähranleger Teufelsbrück gaukelten allen vor, dass die letzten 7, 8 Kilometer ein Spaziergang werden würden.

Wurden sie aber nicht ...

Denn - und ich weiß das, weil die Strecke Pinneberg-Wedel-Blankenese meine "Bergtrainingsstrecke" ist - es geht hier konsequent bis Altona bergauf. Anfangs heftig mit bis zu 10 % Gradient, dann etwas softer, aber immer noch mit Anstieg.

Und so machte ich nicht den Fehler, den viele machten: Am Kösterberg noch einmal alles geben, denn die letzten 8 km "passiert ja nix mehr". Ich fuhr locker, flockig - so gut es eben nach 140 Kilometern ging.

Und siehe da - Änni konnte mich einfangen. Aber so ganz gesund sieht das auch nicht mehr aus ...

Ich muss sagen, dass ab diesen Metern das Rennen konditionsmäßig schon längst gelaufen war. Mein Peloton hatte mich schon weit vorher, in Schenefeld, abgehängt, und ich fuhr an der Schwelle von Krämpfen im linken Unterschenkel.

Zu trinken gab es auch nichts mehr, meine Lungen brannten - und es war der pure Wille, der mich die Blankeneser Berge auf dem Asphalt der Elbchaussee hinauftrieb.

Aber dennoch: Kurz nach diesem Stück, etwa in Höhe Altonaer Balkon, dort, wo die Straße wieder eben wird, wo man den Michel sehen kann, wo wieder die Häuser der Normalverdiener stehen, ab dort konnte ich wie durch ein Wunder angetrieben wieder powern.

Konnte Gas geben, wieder an die 40er-Grenze beschleunigen und abziehen. Aber hier, hier am Berg ... "... leckt mich alle mal am Arsch!", dachte ich die ganze Zeit und wunderte mich, warum hier keine Zuschauer standen.

Achso, die waren ja alle mit ihren Porsche Cayennes ins Zentrum gefahren ...

Tja, und irgendwann war alles vorbei. Ich kam als 1.390er (nun ist es offiziell, denn irgendwie hat man mich in den Endlisten um 4 Plätze nach hinten gestuft) ins Ziel.

Von den 735 Fahren, die in meiner Altersklasse (Senioren AK2) an den Start gegangen waren, konnten 694 Rennradler finishen. Und ich eben als 435er meiner Altersklasse.

Nachdem ich eh schon etwas angefressen ob meiner Performance im Gesamtklassement bin, denn ich hatte mir erhofft, wenigstens in der oberen Hälfte anzukommen, habe ich nun eine ganz lange Nase: 435 von 735 - das muss besser werden!

Das wird besser werden! Denn anstelle mir noch mehr Rennradler von hinten anzuschauen, werde ich daran arbeiten, dass in der nächsten Saison sich noch mehr Piloten meinen Hintern ansehen werden.

Versprochen.

Und trotzdem: Es war der Höhepunkt dess Rennradjahres 2010 für mich. Und eine unvergessene Aktion, diese Cyclassics in Hamburg.

Danke Änni für die schönen Pics - und dass Du so tapfer den Odeur von 4.000 verschwitzten Rennradlern ertragen hast, die sich fauchend und fluchend an Dir die Steigung hochgebissen haben.


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22. August 2010

Familienzuwachs

Ach, da haben wir uns ja gefreut, Jan und ich, als unsere liebe Ex-Kollegin Angela zusagte, uns endlich einmal auf unserer Rennrad-Runde zur Fähre nach Hoopte zu begleiten - und das auf ihrem neuen Rennrad.

18:00 ist es soweit, sie glänzt mich breit grinsend an, blonde Strähnen lugen unter einem schicken Uvex-Helm hervor und ihr nagelneues Stevens strahlt mit dem ebenso blau leuchtenden Himmel über Hamburg um die Wette.

Flott, aber nicht knochenbrecherisch, geht es durch den Hafen, über die Elbbrücken und raus in die Marchlande. Südlich der Elbe geht unsere Strecke idyllisch am Deich entlang bis kurz vor Winsen-Luhe - die Hoopter Fähre ist unser Ziel.

Sichtlich stolz, aber noch schüchtern wie ein junges Reh, hockt Angela auf ihrem Renner. Sie hält sich hinter uns, Jan und ich versuchen, sie nicht gleich mit Schnitten jenseits von Gut und Böse abzuschrecken - immerhin ist weibliche Gesellschaft in dieser Männerdomäne ja eher die Ausnahme. Da will man es sich mit einem Sternchen wie unserer Angela ja nicht gleich verderben.

Tapfer hält sie sich, als wir den Trubel der Stadt und die Enge des Hafens hinter uns lassen. Es geht am Deich entlang, wir ziehen das Tempo etwas an, es geht an die 35 km/h Dauerspeed, ich bin im Wind, Jan hinter mir und dann Angela.

Anfangs hält sie sich zurück, lässt genug Abstand zu Jans Hinterrad, entdeckt dann aber, dass der Windschatten, den wir ihr bieten, sie unglaublich ziehen kann, und traut sich alle paar Minuten näher an uns heran.
Schlussendlich rollen wir in Hoopte ein, als geschlossener Verband - die 30 Kilometer-Schusssfahrt vom Alten Elbtunnel aus haben wir mit einem 32er Schnitt vollendet.

Da die Fähre noch nicht kommt, beschließen Jan und ich unsere Mägen mit einer leckeren Currywurst aufzufüllen - und das ist beim Imbiss in Hoopte immer ein besonderer Spaß.

Ich: "Eine Currywurst mit Brötchen bitte."
Sie: "Currywurstpommes, ja?"
Ich: "Nein, nein - mit Brötchen."
Sie "Ahso, jakla!"
Fremder: "Aber ick´nehm mit Pommes!"

- Sie wurstelt im Imbiss herum und gibt mir schließlich meine Wurst mit einer Scheibe Weißbrot -

Jan: "Und für mich das selbe, bitte."
Sie: "Ja, okay!"

- Sie wurstelt wieder herum und schaufelt Pommes auf eine Pappe -

Jan: "Mit POMMES hatte ich gesagt, ja?"
Sie: "Oh, okay, dann mache ich Pommes weg."
Fremder: "Ick nehm´mit Pommes!"
Sie: "Ja gut, hier mit Pommes."

- Er bezahlt Jans alte Pommes, Jan guckt komisch. Dann geht sie im Pommeswagen auf und ab. Murmelt etwas auf polnisch, kramt herum, Jan klackert ungeduldig mit seinen Cleats, dann kommt sie zurück und reicht ihm, nachdem sie wieder herumgewurstelt hat, sein Essen -

Sie: "Ein mal Currywurst mit Pommes ... 4 Euro 80."
Jan: steht da und schüttelt seinen Kopf.

Nach unserer kleinen Essenspause - und nachdem Jan seine unfreiwillig große Portion Pommes vertilgt hat, setzen wir mit der Fähre über die Elbe und treten wieder rein: Es soll zurück nach Hamburg gehen.

Es dämmert bereits und ich setze mich an die Spitze, um Tempo zu machen: Keiner von uns halt Licht oder andere sichernde Einrichtungen am Rad, sodass eine Nachtfahrt nicht infrage kommt. Ich trete rein - Gegenwind. Mehr als 32 km/h Dauerspeed sind nicht drin, aber ich genieße es, die beiden 30 km zurück nach Hamburg zu ziehen.

Die Fahrt geht schnell und von hinten ruft Jan: "Komisch, sonst kommt mir das länger vor."
Recht hat er - alleine trainieren ist eben volles Leid. Im Verband zu fahren, noch dazu ab und zu im Windschatten der anderen, spart Kräfte und teilt das Leid.

Wir beschließen ins Hamburger Abendrot hinein, nun regelmäßiger und mit System zu trainieren: Ein mal pro Woche die Hoopte-Runde und ein mal pro Woche eine "Bergtour" durch Blankenese.

Angela stimmt atemlos zu. Sehr gut, wir haben es ihr nicht versaut!

Die Sonne geht unter, Rothenburgsort, der Horner Kreisel und die lange, langweilige Anfahrt zum Hauptbahnhof fliegen nur so vorbei, wir trennen uns und gurken einzeln nach Hause.

Und ich denke mir so, als ich mir den heißen Schweiß von meinem Körper dusche, wie das wohl für Angela und ihr nagelneues Rennrad gewesen war.

"Gerne wieder" - steht in der SMS, die sie mir sendet.

Na siehste, willkommen in der Familie!



Gefahren: 60,7 km in 2:01 h mit 30,1 km/h Schnitt

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