1. September 2013

Etappe 1 - HAUTE ROUTE ALPS 2013 - Rennbericht Geneve-Megéve

Die Nacht war. So lala. Es ist die bekannte Aufregung vor dem Rennen, dieses Wachliegen. Dieses Nichteinschlafenkönnen. Dieses Sichgedankenmachen: Wie wird das werden? Über 800 Kilometer volle Kante. Dazu die Höhenmeter? 600 Mann im Peloton - wie wird da gefahren? Wie hoch ist das Leistungsniveau?

Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass unser Hotelzimmer - sehr geiles Hotel, im übrigen - direkt am Hauptbahnhof liegt und mich jeder Nahverkehrszug aus den Dämmerträumen reißt?

In die Startaufstellung: Es geht endlich wieder los!


Irgendwas mit "5 Uhr nochwas" steht auf meinem Wecker, als er piept. Schlaf in den Augen, Kruste der Aufregung, als wir uns stöhnend aus dem Bett wälzen, schnell die Jogginghose überziehen und zum Frühstück tapern. Draußen ist es noch dunkel.

Beim Frühstück sind sie noch am Anrichten: Ab 4:30 Uhr war versprochen, nun rödeln sie, dass wir wenigstens Kaffee und Croissants bekommen. Ich bekomme nichts runter, wie immer.


Genf schläft noch - 600 Rennräder rollen zum Start.

Es vergeht keine Stunde, da haben wir unsere Sachen verpackt - die großen HAUTE ROUTE-Reisetaschen an der Rezeption gelassen, die kleinen Rucksäcke auf dem Rücken - und wir rollen am Genfer See entlang, der noch schläft. Die Fontaine ruht, langsam zieht zartes Rosa und Bleu auf: Es riecht schon jetzt nach einem heißen Tag.

Am Start trudeln wir nach und nach ein. Man begrüßt sich schüchtern, viele wirken verunsichert, manche bibbern in der Kälte.


Wir positionieren uns ziemlich weit vorn im Starterfeld.

Gedämpft auch die Motivationsmusik aus den Lautsprechern, die beiden Moderatoren kommentieren alles, auch fast flüsternd: So, als wollten wir hier niemanden stören.

Heiko und ich sind guter Dinge: Uns steht eine ganze Woche Rennen beim wohl exklusivsten Event unserer Rennrad-Karriere bevor. New York war schon der Hammer, Dreiländergiro, Ötztaler, Milano-Sanremo auch alles Perlen. Aber die HAUTE ROUTE, die wird alles toppen.

Nehmen wir an.


Gespannt. Freudig. Und doch keine Ahnung, was kommen wird.

Ich habe die Starterlisten studiert. An diesem Event nehmen Rennrad-Sportler aus 35 Ländern dieser Erde teil, unter anderem so exotisch und gar un-rennradlerisch klingende wie Thailand, Singapur oder auch Mexico.

Nur 8 Deutsche fahren insgesamt mit. 5 von ihnen werden wir im Laufe der Etappen mehr oder weniger gut kennen lernen. Langsam füllt sich der Startbereich. Es wird heller, sie drehen die Musik lauter. "Titanium" und andere bekannte Vorstart-Lieder helfen uns, das leichte Frösteln wegzuwippen.


Gleich beginnt die HAUTE ROUTE. Wo werden wir in 7 Tagen stehen?

Dann endlich, einige Minuten nach 7:00 Uhr ist es, als sie vorn laut und deutlich die 10 herunter zählen. Wir werden die ersten 30 Kilometer im Konvoi fahren, das Rennen wird erst am ersten Col freigegeben. Und doch, wir sprühen über vor Energie, wollen endlich los!

Drei, zwei ... eins ... Los!

Die Etappe im Überblick: Kein "Gran Départ" - Grand Arschaufreißen!


Die erste Etappe wird, das haben sie uns gestern beim Briefing versprochen, alles andere als ein lockeres Einrollen. Wir werden vom Start weg Höchstleistungen bringen müssen, wollten wir eine gute Platzierung erreichen. Die Etappe wird lang. Und sehr hart.


Etappe 1: Mit 150 km und 3.200+ hm sicher kein lockeres Einrollen ...

Wir starten in Genf, im Konvoi, der uns bis zur schweizerisch-französischen Grenze bringen wird. Dort, am Fuße des Col de l´Encrenaz wird es dann sogleich in den ersten Berg gehen, Abfahrt, dann der zweite Berg - und mithin gleich mal ein "Kat 1"-Col, wie sie ihn nach den HAUTE ROUTE-Kriterien klassifizieren.

Der Joux Plane ist mir spätestens seit der Tour de France ein Begriff. Ich bin gespannt.

Dann soll es weiter Richtung Mont Blanc-Massiv gehen, wobei die Strecke einen "kleinen Kicker" für uns bereithält, wie der Directeur Sportif es gestern augenzwinkernd im Briefing meinte, ehe es dann zum Endanstieg hinauf in den Skiort Megéve gehen wird.

Wir sind gespannt.


Etwas langweilig: Ausfahrt aus Genf.

Die ersten Kilometer sind entspannend. Fast wie in Trance schiebt sich die Schlange der Rennradler - alle 100 Meter ein Motorrad - durch die erwachende Stadt. Es ist noch recht dunkel, recht frisch und wir tuckern gemütlich mit nicht mehr als 30 km/h an dem See entlang.

Noch spüre ich etwas Aufgeregtheit, noch brüllen sie bei jeder Kurve "Sloooowing!" und noch wirken alle etwas unbeholfen, tapern wie junge Hunde auf dicken Pfoten durchs Peloton. Kaum vorstellbar, dass wir in wenigen Kilometern hier ein Höllenarschaufreißen haben werden ...


Hätten sie hier nicht auch schon das Rennen freigeben können?

Heiko neben mir macht Witze, trällert mal "Titanium" nach, ich schalte aufs große Blatt und den dicksten Gang, um "etwas Pepp" in die Sache zu bringen - noch haben wir eine große Klappe.

Sicherheit ist die oberste Priorität der HAUTE ROUTE, weshalb sie das Rennen nur dort freigeben werden, wo die Straßen sicher sind. Andererseits: Genf schläft noch, wir sehen nicht einmal Nahverkehrsbusse oder so, die Straßen sind leer und von super Qualität. Klar, es gibt viele enge Kurven, aber hey, wir sind keine Anfänger. Von mir aus hätten sie es schon freigeben können.

Aber wer weiß, wird alles seine Gründe haben ...


Genf adé - bald geht es los!

Als wir endlich Genf verlassen haben, bestreiten wir noch laaaaangsam drei, vier, fünf Kreisverkehre, dann endlich Felder und Wiesen neben uns. Zwar geht es nur marginal schneller, aber wir spüren, dass es nun gleich abgehen muss. Die ersten Hügel werden zu Bergen, mein Garmin sagt, dass ich seit Genf auch schon 150 Höhenmeter gesammelt habe.

Ab welchem Kilometer kommt der erste Berg? Col de wiehießdernochmal?

Wir spötteln.

Und dann, plötzlich: Die Zeitmatte. Am Fuße einer kleinen Nebenstraße, die nun plötzlich zur Rampe wird. Ab jetzt läuft die Uhr. Hier startet die HAUTE ROUTE!

Im ersten Berg: Col de l´Encrenaz


Sofort zieht sich das gerade noch so gemütlich durch die grünen Wiesen meukelnde Peloton auseinander. Die Kompaktheit weicht einer Perlenkette. Ich höre Leute neben mir tief schnaufen, als befänden wir uns schon auf der vierten Etappe - gefühlt Hunderte treten auf großen Blättern in dicken Gängen die Senkrechte unter sich weg und zischen nur so an mir vorbei.

Äh, okay ...?


Erster Anstieg: Alle geben Gas. Was tun?

Ich lasse mich etwas davon anstecken und beschleunige auch. Allerdings belasse ich meine Kette mal auf dem Kleinen, halte aber die Kadenz hoch. Hinten verabschiedet sich Heiko, er wird es ruhiger angehen. Ich will mit meinem Cervélo S5 wenigstens mal am ersten Berg ein bissel Gas geben.

Quäldich.de gibt dem Col de l´Encrenaz keine guten Wertungen: Angeblich nicht wirklich viel zu klettern,  wenig schön, kaum hart. Mag ja sein. Wenn man das mal so für sich alleine hochgondelt. Aber nicht, wenn sie wie die Berserker um eine gute Etappen-Platzierung kämpfen!

Immer mehr ziehen an mir vorbei, schnell komme ich ins Schwitzen. Alter Verwalter!


So klein und fein wie Quäldich das angibt, ist dieser Berg gar nicht.

Der Col de l´Encrenaz wird auf 16 Kilometern Länge Einiges fordern. Ich zwinge mir hastig ein Gel rein, denn allzu weit möchte ich natürlich auch nicht zurückfallen. Im Schnitt kann ich hier 15 km/h halten - und halte mich selbst damit für nicht allzu langsam, allerdings mache ich mir einige Sorgen angesichts der unzähligen Mitstreiter, die mich hier mit hoher Kadenz und Furcht einflößender Speed überholen.


Bei der HAUTE ROUTE werde ich mehr überholt, als ich andere ...

Ich schaue mich um: Kein Heiko mehr in Sicht. Na, dann kann ich nicht so schlecht sein. Heiko dient mir immer als gute Referenz. Mit ihm fahre ich jetzt das vierte Jahr Rennen und ich kann sein Leistungsspektrum ganz gut einschätzen - und damit auch meinen Stand, verglichen mit ihm.

Obschon das 2013 etwas hinken mag: Heiko ist Anfang des Jahres Vater geworden, hat laut eigener Aussage "nicht mehr als 2.000 Kilometer in den Beinen". Aber hey: Er ist einer der versiertesten Radsportler, die ich kenne - und ich vertraue da auf sein Zellgedächtnis.


Steil wird es ziemlich schnell ... 

Noch ist es recht frisch: 16 Grad, leicht steigend. Zwar fahren die allermeisten hier in kurz/kurz und weit über 90% des Pelotons hat die offizielle HAUTE ROUTE-Kleidung des Partners LeMarq an, aber ich behalte noch meine Jacke an. Es geht ein leichter Wind, in machen Kurven zischt es einen noch fröstelnd unter die Haut.

Und je höher wir kommen, desto frischer wird es.

10, 12, 13 Kilometer trete ich mich nach oben. Immer wieder wechseln sich etwas steilere Stücke mit bis zu 10, 11% Steigung mit relativ schnell fahrbaren 7-8%-Rampen ab. Recht unrhythmisch dieser Encrenaz ...


Eine ganz passable Kletterzeit am ersten Berg.

Irgendwann habe ich es denn dann auch geschafft: Oben. Zielmatte. Ziemlich genau eine Stunde habe ich für die 16 Kilometer gebraucht, denke ich stolz, als ich mir oben die eine leere Flasche auffülle, mich an halben Orangen und einigen Bananenstücken bediene. Ich halte Ausschau: Wo ist Heiko?

Am Ende bestätigt mir das Timing: Ich komme als Nummer 177 von 493 Männern auf den Encrenaz, und das in 44 Minuten. Find´ ich okay. Obschon, der Führende hier am Berg, Mark Rainer, wird nur 41 Minuten brauchen ... geiles Ergebnis, wie ich finde.

Die Abfahrt ist kurz, recht rasant mit einigen spannenden Kurven. Ich genieße es, zumal es die ersten wirklich schnellen Passagen sind, die ich mit meinem neuen Cervélo S5 hier fahre. Kaum ist die Abfahrt rum, stecke ich schon wieder im nächsten Anstieg. Diesmal geht es auf einen Tour de France-Namen ...

Leiden mit Ausblick: Im Col de Joux Plane


Heiko erreicht 1 Minute nach mir den Gipfel, Platz 299 des Berges - er wird es heute langsam angehen, das war seine Ansage. Während ich im Anstieg bin, macht er sich auf die Abfahrt.

Der Col de Joux Plane wird uns zwar nur 12 Kilometer lang geschäftigen, doch seine Serpentinen sind doch um Einiges steiler.


Wo der erste Berg noch rasant ging - hier schwitzen sie alle!

Schon die ersten 2 Kilometer sind wie ein Tritt in die Magengrube: Ich muss stetig auf dem größten Ritzel fahren, um überhaupt vorwärts zu kommen. Die Prozente fallen nie unter 10, gern stehen mal 13, 14% auf dem Garmin, in wirklich garstigen Kurvenstücken wird es ziemlich kurz - aber ekelig - auch mal gegen die 20% steil. Auch wenn das immer nur die Kurveninnenseite ist - alle 50, 60 Meter so ein Ding, das zieht Saft!


Kurz & steil - das heißt schnell weit oben sein. Geile Ausblicke ins Tal.

Hier, noch keine 80 Kilometer gefahren, wünschen ich mir denn dann auch das erste Mal meine Kompaktkurbel am R3 wieder. Wie ich die anderen Mitstreiter - allesamt auf Kompakt! - so locker an mir vorbeikurbeln sehe, muss ich mir doch schon ein bisschen an den Kopf fassen: War das eine so gute Idee, hier zur HAUTE ROUTE mit Heldenkurbel anzutanzen?

Sicher, den Ötzi habe ich auch mit Helden-Übersetzung geschafft, aber das war nur ein Tag. Hier gibt 7 von denen ...


Kilometer 2 bis 4 sind okay, dann gehts wieder richtig steil!

Das Feld hat sich mittlerweile sortiert: Kaum noch überholen mich welche, und wenn, dann nur mit wenig Überschuss. Die Schnellen sind schon alle vorn, wahrscheinlich schon über dem Gipfel und in der Abfahrt, wir, wir Mittelfeldler, haben hier unsere Gruppen. Mittlerweile fahre ich recht besonnen neben zwei, drei Männern, die nicht schneller oder langsamer sind als ich.

Wir sprechen nicht, obwohl ich hinter mir zwei Amis quatschen höre.
Ich bin viel zu sehr außer Puste.


Satte Farben, tolle Ausblicke von hier oben!

Ab der Mitte des Antsiegs - so ab Kilometer 4 - zieht der Col de Joux Plane wieder mächtig an. Zunächst noch erträglich bei 8, 9% Schnitt pro Kilometer, gesellen sich dann wieder richtig schöne Tretlager-Knarzer von 10, 12 bis 13% hinzu.

Nicht Wenige stehen jetzt nur noch, ich muss auch heftig am Lenker ziehen, um mich die Rampen emporzuschrauben. Mittlerweile hat es 25 Grad und die Jacke ist längst schon in der Trikottasche verschwunden. Ebenso wie die leere Hülle des zweiten Gels, ich hänge an meiner Flasche wie der Junkie am Tropf.


Die letzten Kilometer könnte man ballern, wenn man keine Krämpfe hätte ...

Ab Kilometer 8 bis Ende geht es nur noch mit maximal 6%, oftmals mit nur 2, 3% auf einer Art Kammstraße bis zum Gipfel. Viele schalten jetzt auf das Große, auch ich versuche das ab und zu, aber die kleinen Rampen trete ich nicht mehr so einfach unter mir weg.

Ich habe seit Beginn des Anstiegs Krämpfe.

Zunächst beginnen sie im hinteren, unteren Bein, später dann in den vorderen Oberschenkelmuskeln, jetzt, bei jedem Antritt fast, zerren mich heftige, schmerzhafte Krampfattacken am hinteren Oberschenkelmuskel wieder in den Sattel zurück. Mit Druck kann ich so nicht mehr fahren.

Mir läuft eine Träne über die Wange - Scheiße, tut das weh!

Flaches Intermezzo mit Kick


So mache ich langsam, wahrscheinlich sind es diese paar Kilometer, die Heiko nutzen kann, um aufzuholen. Auf dem Gipfel, den ich nach 58 Minuten als 288ter erreiche, treffe ich Heiko dann wieder. Wir hauen uns Wasser rein, ich ertränke mich in Apfelsinenhälften und esse ein gefühltes Bund Bananen. 4, 5 Schinken-Scheiben wickle ich 3, 4 Käselagen ein, dann stopfen wir uns alles hastig in die Mägen.

Dann gehen wir gemeinsam in die Abfahrt - 11 Kilometer reinstes Serpentinenvergnügen. Nun ist es warm genug und wir wach genug, um die Schussfahrt mit allerdings nicht mehr als 60 km/h Spitze richtig genießen zu können.


Muss nach fast 3 Litern auch mal sein ... Pinkeln an einer Fernverkehrsstraße.

Am Fuße des Cols angekommen, schieben wir eine kleine Pinkelpause ein. Ich blicke mich um: Niemand zu sehen, weit und breit. Ist das ein gutes Zeichen, oder ein schlechtes? Sind wir gut platziert, oder ist uns das Feld schon auf und davon?

Wir haben nun ein relativ flaches Stück vor uns. Es geht entlang einer Autobahn weiter nach Süden, leicht abschüssig. 1 bis 2 Prozent Gefälle, zwar Gegenwind, aber es rollt sich gut. Wir wechseln uns im Wind ab, treten rein. Als Hamburger sind uns Flachstücke doch genehm, oder?


Paarflug im Gegenwind. Wir sind allein auf weiter Flur.

Genau zehn Kilometer lang ballern wir nun mit 30 bis 33 km/h in den Gegenwind - Zähne zusammen und reingetreten. Mir kommt das ganz entgegen, denn ich muss, vor allem wenn ich wieder im Windschatten bei Heiko bin, nicht viel Druck aufs Pedal bringen.

Kaum noch krampft es, aber das Zittern der Muskeln, das mich warnt, wenn ich mal wieder zu viel pedaliere, nervt einfach. Schon diese Ankündigungen eines Krampfes hemmen mich. Es nervt, Heiko bremsen zu müssen. Es nervt mich, da ich weiß, dass hier noch der Endanstieg zum Etappenziel ansteht.


Eine Wand aus Stein - bestimmt super zum Klettern.

Neben uns türmen sich schon recht mächtige Alpengipfel auf, obschon das hier noch alles andere als die Klopper sind, denen wir uns morgen, übermorgen und die Tage darauf stellen müssen.

Ich nutze diesen relativ langweiligen Abschnitt, um etwas meine Blicke abseits schweifen zu lassen und etwas die Umgebung zu genießen. Noch sind wir nicht wirklich weit von Genf entfernt - und doch, es fühlt sich an, als ob diese Stadt Meilen, Welten entfernt läge ...


Da! Den kriegen wir!

Wir kommen durch eines der Dörfer - nix los, ist ja auch Mittagshitze - als wir vor uns einen Rennradler entdecken. Den ersten HAUTE ROUTE-Fahrer seit einigen Minuten. Schon wollen wir zum Aufholspurt ansetzen, da zirkeln zwei Rennräder an uns vorbei, einer lässt rollen, legt mir die Hand auf den Rücken: "Lars, how is it?"

Es ist Stu.
Vor im, er dreht sich kurz um, sein Bruder, Iain.


Team SunClass komplett: Iain, Stu, Heiko und ich.

Die HAUTE ROUTE-Orga hat alle Beteiligten im Vorfeld via Newsletter ermutigt, Teams beizutreten, wenn man denn kein eigenes hatte. So hatte mich Stu damals angeschrieben und gefragt, ob er und sein Bruder Teil des Teams SunClass Solarmodule werden könnten.

"Klar!", hatte ich geantwortet und mich gefreut: So fahren nun also 4 Rennradler anstelle uns beiden alleine für die Teamwertung. "We are not for the Top Ten", hatte Stu aber bereits eine Mail später angedeutet, dass sie keine Weltklasse-Radler seien. Egal, meinte ich. Es ist der Fun, der zählt.

Iain und Stu, sie setzen sich vor uns.

Und zeigen uns, was "keine Klassement-Fahrer" in Großbritannien sind.


Sie ziehen das Tempo nicht wirklich an. Nicht so, wie in anderen Rennen, dass man aus dem Sattel gehen muss, gar nicht hinterher kommt oder man so hart antreten muss, dass einem nach wenigen Umdrehungen das heiße Blut aus den Lungenbläschen tritt.

Wir merken das nur daran, dass wir plötzlich mit 27, 38 bis 40 km/h fahren. Ich schaue kurz zu Heiko: "Keine Klassement-Fahrer, verstehste?" Er nickt. Krasse Briten!

Im Endanstieg - Die Puste geht aus.


Irgendann geht es dann wieder steiler. "Ah, das ist der little Kicker!", brüllt Heiko von hinten. Sie hatten diese kleine Welle im Briefing schon angekündigt.


Kann ich mit Krämpfen noch klettern?

Wieder eine Zeitnahmematte. Die Briten schauen sich mehrmals um, ich bin schon längst wieder aus dem Sattel, hinten flattert panisch klackernd Heikos Kette aufs kleine Blatt - es wird steil!
Sie verabschieden sich höfligst - und sind schon nach der ersten Kurve weg.

Der kleine Bastard ist zwar nur 7 Kilometer lang, bietet aber richtig schlimme Rämpchen jenseits der 14%. Mit Krämpfen in den Beinen und schon 110 Kilometer, über 2.000 Höhenmeter in den Beinen alles andere als Spaß.


Das Mont Blanc Massiv - hier muss doch jetzt langsam Schluss sein?!

Ich kann, als ich nach 22 Minuten die Zielmatte überfahre, den Mont Blanc sehen. Ah, dann ist das Ziel nicht mehr weit, oder? Heiko ist eine Minute hinter mir, jetzt nur nicht nachlassen, denke ich mir, trete rein - etwa 2 Kilometer geht es nun eben, dann folgt eine kleine Abfahrt, dann wieder 12 Kilometer nicht enden wollende, nicht wirklich schöne Straße. Es geht leicht bergan - ich bin gekocht!

Heiko holt mich ein. Ich lasse mich hinter ihn fallen - wir erreichen eine Gruppe, die ebenso bedauernswürdig aussieht, wie wir. Die 12 Kilometer bringe ich wie in Trance hinter mich. Mir tut alles weh: Beine, Füße, Rücken, Kopf, Nacken, Hände ... viel zu wenig trainiert, denke ich mir.

Ich habe Probleme, die Pace meiner Gruppe zu gehen. "Dranbleiben", zwinge ich mich - wenigstens bis zum Endanstieg! Es brennt so heiß, dass ich selbst bei offenem Hemd kaum Erfrischung erfahre. Mein Trinken ist nur noch heiße Plörre. Gels habe ich auch keine mehr.

Dann geht es steil. Scheiße. Endanstieg.
Vorne fahren sie mir weg.
Unten flattert drohend ein Krampf nach oben. Ich muss fast schreien, klicke spastisch verdreht aus vor Schreck. So eine Kacke!

Langsam, ohne Druck fahre ich. Der Endanstieg ist 14 Kilometer lang. 14 Kilometer, von denen ich keine Ahnung habe, wie ich die überleben soll. Heiko gerät außer Sichtweite, ich leide. Ich rette mich von Kurve zu Kurve. Anfangs noch sehr steil, flacht es dann nach 5 Kilometern etwas ab, bei "nur" noch 4, 5% kann ich immerhin 15, 16 km/h halten.


Plötzlich im Ziel. 

Als ich durchs Ziel rolle, wartet Heiko schon 4 Minuten. Ich finde meinen Rückstand okay, habe Krämpfe beim Ansteigen, Krämpfe beim Schuheausziehen. Ich fürchte, einen Krampf beim Reden zu bekommen.

Außer Puste.
Herz auf 180.

"Alter ...", flucht Heiko nur. Wir alle denken uns den Satz auf unsere Weise zu Ende. Diese erste Etappe hatte es in sich, aber hallo!

Endlich im Ziel: Verpflegung bei der HAUTE ROUTE.


Vollkommen außer Puste und unter leichten Krämpfen schiebe ich mein Rennrad in die umzäunte Bike-Park-Area, wo auch die kleinen Rucksäcke stehen. Viele Rucksäcke sind schon abgeholt worden, viele stehen hier noch: So langsam können wir also nicht gewesen sein.


Die erste Etappe hat mich volle Breitseite erwischt: Nur Krämpfe seit dem 2ten Berg!

In einer großen Turnhalle haben sie zwei Essensausgabestationen aufgebaut. Wir zuckeln unsere "Accomodation & Meal-Cards" aus den Rucksäcken, zeigen sie vor - der heutige Tag wird abgestempelt. Erst dann kommen wir an die Essensausgabe.

Kantinenessen - aber reichlich bitte! Jeder kann sich eine 1,5 Literflasche Vittel - einer der Sonsoren hier - nehmen, dann knallen sie uns das Tablett voll.


Essen gibt es bei der HAUTE ROUTE reichlich. Und das ganz lecker.

Es gibt Salate, dazu einen Berg Pasta, gebratene Bohnen und Fleischklöpse mit Tomatensauce. Alles recht schmackhaft, egal, auch wenn es ekelig wäre, wir haben so einen Hunger, dass sie uns hier alles vorsetzen könnten.

Fast vergraben wir unsere Gesichter im Essen, so viel Hunger verspüren wir.

Ich ziehe aus meinem Rucksack eine gestern Abend gemischte Flasche mit Recovery-Shake von Sponser, lecker Vanille-Geschmack, die ich zu dem Essen runterkippe. Dann fingere ich einen Beutel mit hochdosierten Mineralien, Elektrolyten und Spurenelementen (die man sonst eher nach schweren Durchfällen nehmen sollte) und mische das unter mein Wasser.


Hochbetrieb nach der Etappe in der Turnhalle.

Die Halle wird immer voller, ein babylonisches Geschnatter. Ich erkenne einige Gesichter wieder - die meisten genauso gezeichnet wie die unsrigen. Außer Atem strömen sie in die Halle, stürzen sich auf die Pasta, Heldengeschichten zirkulieren, die letzten Anstiege, die ersten Abfahrten, Überholmanöver und Attacken werden diskutiert.

Ich nicke einigen Teilnehmern zu, andere fragen "How´s your day?", man schnackt - eine lockere, eine sehr angenehme Atmosphäre. Doch eigentlich bin ich zu fertig, um angeregte Konversation zu betreiben.


Heiko ist auch froh, im Ziel zu sein.

Heiko geht es da ähnlich. Auch ihn hat die Härte, die Speed und die knapp 3.300 Höhenmeter fast ausgeknockt: So lieblich das in Genf heute morgen auch angefangen hat, diese erste Etappe war ein Fest des Arschaufreißens!

"Bin mal gespannt, wie weit wir von der Cutoff-Time entfernt sind", sagt er. Ich auch.

Der Rennstand nach der ersten Etappe: Ganz okay positioniert?


Als wir im Hotel ankommen - keine 1.000 Meter vom Ziel und dem morgigen Start entfernt - lassen wir uns ins Bett plumpsen, einer geht schon einmal duschen. Ich werfe mein Garmin an und schaue mir die erste Etappe an: 6:58 Stunden in Bewegung, 151 Kilometer gefahren und das mit 3.278 Höhenmetern.

Das Höhenprofil ist Ehrfurcht gebietend.


Das Höhenprofil der ersten Etappe. Krasses Ding!

Abgesehen davon, dass sowohl Col de l´Encrenaz als auch der Joux Plane alles andere als läppische Berge waren, muss ich doch herzlich lachen, als ich Heiko den "little Kicker" zwischendrin zeige. Der war alles andere, nur nicht "little". Okay. Mit solchem Humor der Organisatoren haben wir es hier also zu tun ...

Die offiziellen Timings des Zeitnehmers der HAUTE ROUTE sind nicht minder interessant. Der Sieger der heutigen Etappe, Ariya Pounsavath aus Laos hat den Spaß in 4:10 Stunden beendet - ich selbst mit offiziellen 6:22 Stunden, Heiko 6:19 Stunden.

Äh, okay. Etappe 1 - 2:12 Stunden Rückstand.

Na hossa! So sind also die Leistungsunterschiede hier. Ich liege am Ende der ersten Etappe auf Platz 365 von 472  Fahrern in der Männer-Wertung. Das muss besser werden! Doch: Geht das überhaupt?

Nachdem wir 20 Uhr vom Briefing zurück sind, ich mir noch einmal den Merkzettel für die morgige Etappe anschaue und das Höllenprofil sehe, schlafe ich mit einem schwummrigen Gefühl ein - wenn das mit den Krämpfen morgen so weiter geht, wird das zu einem Höllentrip.

Ich träume nichts Angenehmes.


Hier geht es zu den Garmin-Daten der ersten Etappe der HAUTE ROUTE ALPS 2013.


Die HAUTE ROUTE hat ein eigenes TV-Team dabei, das jede Etappe einen kleinen Film produziert. Hier gibts den von Stage 1:








28. August 2013

Das Etappenrennen HAUTE ROUTE ALPS 2013 - Ein Prolog

Noch kann ich es gar nicht fassen. Die HAUTE ROUTE ist zu Ende, ich stehe da, im Hintergrund überschlägt sich eine französische Stimme in den Lautsprechern - erinnert mich an den Tour de France-Sprecher in "Höllentour" - sie liegen sich in den Armen, freuen sich, jauchzen, schluchzen, weinen. Die HAUTE ROUTE hat hier gerade aufgehört. Ich stehe am Strand von Nizza, die Sonne brennt. Alles fällt von mir ab.

Hier oben knapp 550 Finisher, ein schönes, ein stolzes Peloton. Da unten die Sonnenanbeter, nackte Brüste, Geruch von Sonnencreme. Ein Kontrast, wie er stärker nicht sein könnte.

Kaum einer schaut hoch. Hier sind wir! Hier sind die Helden der HAUTE ROUTE!, will ich rufen.
Mein Puls kommt langsam runter.
Ich blinzle in die Sonne.
Geschafft.
Geschafft!


Finish an der Cote d´Azur. Komische Leere.

Bis hier her war es ein langer, ein sehr langer Weg. Heiko und ich haben uns 12, 13, 14 (ich weiß nicht mehr, wie viele) Berge, Pässe, Cols hinaufgekämpft, haben in der unerbittlichen Mittagshitze unter einer brutalen Sonne gebrutzelt. Sind früh um sechs durch eiskalte Nebelschwaden mit 70, 80 Sachen glitschnasse Abfahrten herunter gebrettert.

Unvorstellbar, dass das nun vorbei sein soll.

Ein Etappenrennen - eine Teamleistung


Heiko und ich. Das Team SunClass mit unserem Sponsor SunClass Solarmodule hat es uns ermöglicht, an diesem außergewöhnlichen Rennen teilzunehmen. Ihnen danken wir - jeden Tag, jede Etappe aufs Neue. Diese Erfahrung hier ist unbeschreiblich. Und doch, ich werde es versuchen.


Heiko und ich im Finish auf dem Col de Vence bei Nizza. Geiles Team!

Es war eine Teamleistung, weil wir uns gegenseitig aufgebaut haben, uns geholfen haben, uns gezogen, gepusht, motiviert und immer wieder angestachelt haben, unsere geschundenen Glieder früh morgens aus warmen, weichen Betten zu wuchten. Uns immer wieder, trotz rotglühender Pobacken, auf die harten Sättel zu setzen, uns immer wieder, trotz krampfender Muskeln und schmerzender Gelenke, die Steigungen hinaufzutreiben.

Ohne Heiko, meinem Teampartner, meinem Zimmergenossen, meinem Gesprächspartner, meinem Freund, wäre das so in dieser Form alles kaum möglich gewesen. Und anders herum vielleicht auch.

Teamleistung - auch deshalb, weil dieses Rennen, anders, als alles, was ich bisher erlebt hatte, aufgrund seiner Exklusivität, seiner Internationalität, ein so spannendes, gemischtes, bunt gewürfeltes Peloton ergeben hat, dass ich niemals alleine war, auch wenn Heiko mal hinter (und oft auch weit vor) mir war. Immer wieder treffe ich Briten, Amerikaner, Franzosen, Italiener, Österreicher, Leute aus Singapur, Canada ... die ganze Welt. Netter Plausch im Anstieg ...

Motivierendes "How are you?" bei 14 % Steigung?
Mut-machendes "Hang in there, Buddy" beim 21ten Kilometer Anstieg?
Nie hat mich ein so angenehmes Feld wie das der HAUTE ROUTE als Teil empfangen.

Das Härteste, das ich jemals auf einem Rennrad gemacht habe?


Wir werden nach unserer letzten Etappe, die auf dem Col de Vence bei Nizza endet, als komplettes Peloton von der Gendarmerie nach Nizza begleitet. Leere Straßen nur für uns, jubelnde Passanten, freie Fahrt - perfekt.


Einfahrt nach Nizza am letzten Tag: Wir genießen es!

Ich habe bei nur 25 km/h, die unsere Tour d´Honneur hier schnell ist, etwas Zeit, um über das Geleistete nachzudenken: Die HAUTE ROUTE, was nahm sie mir? Was gab sie mir?`

Sicher ist eines - diese 837 Kilometer Gesamtstrecke, diese 7 Etappen, diese 18.700 Höhenmeter, waren das anstrengendste, das härteste und das schönste, das ich jemals auf einem Rennrad haben machen können. Nicht so sehr die einzelnen Etappen selbst - obwohl da einige hammerharte Kandidaten dabei waren - sondern die Summe aller Belastungen.

Der durchgetaktete Tagesablauf, nie nach 6:00 Uhr aufstehen, das hohe Renntempo, das harte Cutt-Off-Limit im Nacken, die Anstiege selbst, die Hatz bei den Endspurts. Eine physische Belastung, die ihresgleichen sucht - und dabei kaum Zeit zur Regeneration gelassen hat.


Wohl dem, der einen Teamkollegen hat!

Dann die psychische Belastung, der Druck, den wir auszuhalten hatten. Es war nicht alles nur reiner Spaß und Freude am Radfahren. Wie bei keinem Rennen vorher hatten wir alle die Unerbittlichkeit der Karenzzeiten zu spüren, das Damoklesschwert des Cut-Offs über unseren Helmen.

Von über 600 Startern erreichen am Ende nur über 450 Rennradler als offizielle Finisher innerhalb des Zeitlimits die Cote d´Azur. Das sagt etwas aus, finde ich.

Es wird ernst: Unser erster Tag bei der HAUTE ROUTE in Genf


Das alles spielt natürlich noch keine Rolle, als wir in Genf am Tag vor der ersten Etappe landen, mit feinstem Sonnenschein, dem Jet d´Eau und einer vor Rennradlern nur so wimmelnden Stadt begrüßt werden: Ab ins Hotel, dann schnell zum Race Village, das sie direkt am Genfer See aufgebaut haben!


Die Schlange zum Race-Village. Es liegt etwas in der Luft ...

Wir sind so früh da, dass noch nichts zu sehen ist, von über 600 Teilnehmern. Wie immer wummern "Race-Beats" aus den Boxen, es flattern die bunten Fahnen aller möglicher Sponsoren und Partner im Wind, hier und da sitzen die Rennradler auf den Wiesen, aufgeklappte Rennrad-Koffer wie Riesenmuscheln, aus denen Sie ihre Carbon-Boliden zusammen bauen.

Wir gesellen uns dazu.


Die Teilnehmer bauen ihre Rennräder auf. Ein toller Anblick.

Schnell haben wir unsere Rennräder zusammen gebaut. Man hilft sich gegenseitig, die Ersten schließen Bekanntschaften. Auch wenn 600+ eine große Teilnehmerzahl ist - am Ende der 7 Etappen werden wir unsere Gesichter (und Hintern) ziemlich gut kennen, werden immer mal wieder Bekannte an uns vorbeigezogen gesehen haben - oder selbst an dem einen oder anderen bekannten Gesicht vorbeigezogen sein.

Nachdem wir das geschafft haben, verladen wir unsere Koffer und Taschen in 4 große Sattelschlepper: Hier ahnt man schon, welchen logistischen Großaufwand die Initiatoren betreiben müssen, um die über sechshundert Teilnehmer zu betreuen.


600+ Rennrad-Koffer auf 4 Sattelschlepper müssen in 8 Tagen in Nizza in 20+ Hotel sein.

Ein Aufwand, der umso größer wirkt, als dass man sich die Rennstrecke einmal vor Augen führt.

HAUTE ROUTE - eine logistische Mammut-Aufgabe


Die HAUTE ROUTE führt auf 7 Etappen über 830 Kilometer direkt durch die französischen und die Seealpen bis nach Nizza. Unterwegs werden die Teilnehmer auf - in kleinen Etappenorten alle - ihre Hotels verteilt werden, ihr Gepäck muss vom Startort pünktlich in die individuellen Hotels der Zielorte geliefert werden, und das teilweise über die selben (engen und verstopften) Passstraßen, die auch das Peloton nimmt.


Die Strecke der HAUTE ROUTE: 837 Kilometer Hochgebirge. Logistik-Alptraum!

Zudem muss in den Zielorten pünktlich das "Rider´s Meal" warm und lecker angerichtet sein: Über 600 ausgehungerte Rennrad-Fahrer lechzen nach Riesenportionen Kohlehydraten, Brötchen, Obst und Trinkbarem.

Die Rucksäcke, die jeder Starter am Start abgibt, müssen parallel zu den großen Reisetaschen ins Ziel gebracht werden, ebenso, wie der rund 400 (!) Mann starke Betreuer-Tross, bestehend aus Masseuren, den Begleit- und Sicherungsfahrzeugen, Ersatzteilen, der Zeitnahme-Elektronik, Satelliten-Wagen (es gibt jeden Abend einen Film der Etappe), Übertragungstechnik, dem Zielfahrzeug, dem kompletten Race-Village usw..

Überwältigend!

Anmeldung, Bike-Check & Einschreibung zur HAUTE ROUTE


Da stehen wir nun also in der Sonne, brennen darauf, endlich unsere Startunterlagen zu bekommen, uns endlich einzuschreiben und endlich, wie sagt es einer in der Schlange neben mir: "Get the fuck started!". Yeah baby!


Die Schlange zum Race-Village: Aber nur mit gechecktem Rennrad!

Bevor es aber los gehen kann, muss ein jeder Teilnehmer mit seinem Rennrad den Bike-Check passieren. Das ist auch gut so: Damit stellen die Veranstalter sicher, dass nicht unkontrolliert irgendwelche Leute auf dem Gelände herumspringen. Zudem kommen sie ihrem Sicherheitskonzept nach: Rennräder, die nicht safe sind, werden nicht zugelassen.

Klar, bei über 800 Kilometern und mehr als einem Dutzend rasanter Abfahrten, wollen wir uns alle darauf verlassen können, dass die Bremsen des Vorder- und Hintermannes (und vor allem die eigenen) sicher funktionieren.

Den Bike-Check nehmen daher versierte Mechaniker (von Mavic?) ab. Sie checken nicht nur die Bremsen, Bremsbeläge und den festen Sitz aller wichtiger Schraubverbindungen, sie schauen sich auch intensiv die Steuersätze an, ob Spiel vorhanden ist. Ich bin beeindruckt - passiere den Check natürlich ohne Probleme.


Mein Arbeitsgerät für 837 Kilometer: Das Cervélo S5

Alles andere hätte mich auch gewundert: Ich habe mich dazu entschieden, die HAUTE ROUTE mit meinem Cervélo S5 zu fahren, obwohl es nicht wirklich ein ausgesprochenes Kletterrad ist und ich noch einige Male in einigen Anstiegen meine Kompakt-Kurbel am R3 schmerzlich vermissen werde: Die Verlockung, das nagelneue S5 in diesem Etappenrennen zu bewegen, war einfach zu groß!

Auch Heikos "Alupanzer" - ein mehr oder weniger als Vintage-Style zu bezeichnendes, älteres Canyon Racelite - schafft es ohne Probleme durch den Check.


Heiko ist auch durch den Bike-Check gekommen.

Die Stimmung ist wunderbar: Idyllisch am Genfer See gelegen, gaukelt diese Romantik ein leichtes Urlaubsvergnügen vor, allein die Moderatoren (in english und französisch) sind nicht müde, immer wieder auf "The toughest and highest Cyclosportive in the world" hinzuweisen.

Da Mavic offizieller Technikpartner der HAUTE ROUTE ist, nutze ich die Chance, und lasse von einem Techniker noch einmal abschließend meine Schaltung checken und genau einstellen - für so etwas habe ich einfach nicht die Finger.


Das erste und einzige Mal (Gottseidank), dass ich Mavic nutzen muss.

Mavic wird uns mit 4 Fahrzeugen auf dem Rennen beteiligen. Sie werden zur Stelle sein, um all die kleinen und auch großen Pannen, die die Rennfahrer haben werden, zu beheben: Sie werden Kurbeln wechseln, gerissene Ketten auf dem Iseran austauschen, hin und her durchs Peloton sausen, vor und nach den Etappen unermüdlich die Technik in Schuss halten - Merci, Mavic!

Nach dem Motto "Safety first!" ist es das Anliegen der HAUTE ROUTE, eine "Zero Litter-Policy" durchzusetzen. So ermutigt uns der Veranstalter, auf einer großen Wand zu unterschreiben, und uns selbst zu verpflichten, keine Gels oder anderen Müll unterwegs wegzuwerfen.


Selbstverständlich - no litter!

Ein guter Ansatz, wie ich finde - und eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und tatsächlich, ich werde unterwegs kaum weggeworfene Geltütchen sehen.

Gettin´ ready: Sachen packen, Briefing und letzte Nacht vor dem Start


Wir holen uns unsere Startunterlagen ab. Das Paket umfasst die Lenkernummer, zwei Rückennummern, Aufkleber aller Profile der 7 Etappen, den Transponder und eine große Reisetasche. In dieser Reisetasche müssen wir all unser Gepäck, das wir unterwegs brauchen, verstauen.

Die Reisetaschen werden dann am Morgen im Hotel der Abreise gelassen, nach dem Start vom Staff eingesammelt und zu unseren Zielhotels gebracht.

Zudem bekommen wir ein komplettes HAUTE ROUTE-Kit (Bibs, Trikots, Arm- oder Beinlinge, Handschuhe, Weste etc.) von LeMarq und einen kleinen Rucksack.

Diesen Rucksack bringen wir mit zu jedem Start und holen ihn dann in jedem Ziel ab. So haben wir direkt im Zielbereich z.B. bequeme Schuhe, einen Recovery-Drink - kurz alles, was man so unmittelbar nach Zieleinfahrt braucht.


Tausende Kilokalorien: Ich werde ALLES brauchen.

Zurück im Hotelzimmer checke ich meinen Vorrat an Energie. Ich habe sieben Energie-Riegel, acht salzige Gels, neun BCAA-haltige Gels für "Long Energy Power" und 7 Energy-Gels für schnelle Energie. Dazu eine komplette Dose Endurance-Drink, eine Dose Recovery-Shake und 3 Packungen hochdosierte Mineralien (ich werde nur eine benötigen).

Heiko packt das Doppelte ein ...

Abends, gegen 17 Uhr, machen wir uns dann auf ins Hotel Kempinski, wo die Eröffnungsveranstaltung und das erste Briefing stattfindet.


Null Toleranz auch gegenüber Dopern. Kontrollen habe ich allerdings keine bemerkt.

Der Saal ist brechend voll, die Veranstaltung wird locker mehr als 2 Stunden dauern. Matt, der Organisator, stellt das gesamte Führungsteam, vom Race-Directeur über den Medical- und Massage-Boss bis hin zum Social Media- und TV-Team.

Zudem bekommt der Sieger des Vorjahres, Peter Pooly, einige Minuten, um auf seine schüchterne Art über das Abenteuer HAUTE ROUTE zu erzählen.

Wir bekommen die kompletten Infos über alle Etappen, über die Abläufe vor und nach den Renneinsätzen, das Punkte- und Trikot-System und eine sehr detaillierte Sicherheitseinweisung. Viel Input - uns glühen die Ohren. Aber: Notwendig. Erst jetzt scheinen wir alle allmählich zu begreifen, dass das hier kein normales Jedermannrennen ist, kein Gran Fondo, wie wir sie schon zigmal gefahren sind.

Das hier wird ganz großer Sport.
Ganz großes Kino.

Vollkommen unter Strom gehen wir noch Essen. Schaufeln ein Plat du Jour-Menü in uns hinein. Stellen den Wecker - morgen ist 5:30 Uhr aufstehen angesagt.


Gedanken an Tag 7 bei Tag 1. Langer Weg bis Nizza ...

Schwer kann ich einschlafen. Puls auf 150.
Wie wird das morgen?
Erste Etappe - gleich 2 Cols und dann noch eine Bergankunft.
Wie wird das nur?

Schwer kann ich einschlafen. Heiko atmet laut. Auch sein Puls bei 150?

Irgendwann dämmere ich weg. Und träume. Von türkisblauem Meer. Von Palmen. Von eiskaltem Bierchen an sonnigem Strand.

Das alles werde ich bald schon haben.

Aber ich werde es mir hart verdienen müssen.

HAUTE ROUTE? Bring it on!




ETAPPE 1 - Hier geht es zum Rennbericht.

Und hier der Rennbericht der ETAPPE 2 - nachlesen und mitfiebern!

Die MARATHON-ETAPPE 3 ist online - hier der Bericht.

Natürlich gibts auch schon ETAPPE 4 - sehr heiß & hart.

Das Einzelzeitfahren, ETAPPE 5, auf den Col de la Bonette. Ein Schmankerl ...

Noch einmal richtig powern, auf der ETAPPE 6 - Alter Verwalter!

Und hier, die letzte ETAPPE 7 - Endlich in Nizza angekommen!